Arktisches Meereis im August
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Die sommerliche Ausdehnung des arktischen Meereises ist in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen.

Eine der verblüffendsten Klima-Beobachtungen der vergangenen Jahre ist der rapide Rückgang der sommerlichen Meereis-Bedeckung im Nordpolargebiet. Hier ist ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gekommen, der bereits in den kommenden Jahrzehnten zu einem eisfreien Nordpol im Sommer führen kann.

Seit 1979 wird die die Ausdehnung des Arktischen Meereises aus dem All überwacht. Zwischen 1981 und 2010 schwankte die mit mindestens 15 Prozent Meereis bedeckte Ozeanfläche im Jahresverlauf durchschnittlich zwischen etwa 15,5 und 6,3 Millionen Quadratkilometern.  Zum Vergleich: Deutschland hat etwa eine Fläche von 350 Tausend Quadratkilometer.

In diesem August lag die Ausdehnung des arktischen Meereises mit 5,5 um etwa 1,8 Million Quadratkilometer unter dem Durchschnitt aus den Jahren 1981 bis 2010, aber noch 800 Tausend Quadratkilometer über dem Rekord-Minimum vom August 2012. Das jährliche Minimum der Eisausdehnung wird etwa um den 20. September herum erreicht. Im September 2012 verringerte sich die von Meereis bedeckte Fläche auf den bisher niedrigsten Wert von 3,4 Millionen Quadratkilometer. Dieses Jahr wurde das Minimum von  4,6 Millionen Quadratkilometern möglicher bereits am 13. September erreicht.

Die zu beschreibenden Vorgänge sind komplex und dynamisch und wurden von den bisherigen Computermodellen noch nicht hinreichend abgebildet. Denn das arktische Meereis ist eines der sogenannten Kippelemente im Klimasystem. Die hier wirksame Eis-Albedo-Rückkopplung ist ein gegenüber äußeren Störungen extrem empfindlicher Teufelskreis: schwindet die helle Eisoberfläche, welche Sonnenstrahlung wie ein Spiegel in den Weltraum zurückreflektiert, so kann mehr Energie den dunklen Ozean erwärmen, wodurch noch mehr Eis schmilzt.

Gibt es also in naher Zukunft im Sommer Kreuzfahrten zum eisfreien Nordpol? Wahrscheinlich ja, jedoch ist das Jahr, ab dem dies Eintritt kaum zu schätzen, denn die Vorgänge, die zur Bildung und zum Schmelzen arktischen Meereises führen sind, wie bereits angedeutet, sehr dynamisch und deswegen auch starken Jahr-zu-Jahr-Schwankungen unterworfen. Jedoch ist die zu erwartende Erwärmung in Folge der sich bereits in der Atmosphäre befindenden Treibhausgase so hoch, dass ein eisfreier Nordpol im Sommer unausweichlich erscheint. Aufgrund der Rückkopplungs-Effekte könnte ein abrupter Übergang zu einem eisfreien Nordpol im Sommer erfolgen. In einer Simulation war dies bereits ab etwa 2040 der Fall.

Montag, 18. September 2017

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 18.09.2017 19:15 Uhr