Witterungsregelfälle
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In den kommenden Tagen deutet sich ein sonniger und milder Witterungsabschnitt an.

Ab Mittwoch macht sich über Deutschland zunehmend Hochdruckeinfluss bemerkbar. Nach Auflösung von Frühnebelfeldern gibt es ab Donnerstag verbreitet einen freundlichen und meist trockenen Wechsel aus Sonne und Wolken. Auch die Temperatur klettert im Südwesten  nochmals über 20 Grad. Das erinnert schon ein wenig an den Altweibersommer.

 

In vier von fünf Jahren stellt sich etwa ab dem 20. September eine ruhige und milde Wetterlage ein. Nachts kühlt es dann in den klaren Nächten schon empfindlich ab, so dass sich morgens oft Tau auf den Wiesen und an den Spinnweben befindet, die dann an die Haarnetze älterer Damen erinnern. Aus dieser Assoziation leitet sich möglicherweise der Name „Altweibersommer“ für diesen sogenannten Witterungsregelfall ab. Einer anderen Version zu Folge leitet sich das Wort „weben“ von dem Althochdeutschen „weiben“ ab, und bezieht sich somit ebenfalls auf die jetzt im Morgentau auffällig funkelnden Spinnweben.

Und auch dieses Jahr scheint sich pünktlich zu dem genannten Termin hoher Luftdruck in weiten Teilen Deutschlands durchzusetzen. Dadurch werden dann in der Folge die Wolken häufig Lücken aufweisen, so dass die Herbstsonne die bodennahe Luft mancherorts bis über 20 Grad erwärmen kann. Ob sich diese Wetterlage auch noch bis über das Wochenende hält, lässt sich derzeit noch nicht sicher einschätzen. Zumindest bis Samstag bleibt diese Wetterlage jedoch bestehen. Danach deutet sich aus Osten zumindest vorübergehend unbeständiges Wetter an, in der Westhälfte bleibt es voraussichtlich trocken.

Der Altweibersommer ist eine sogenannte Singularität oder auch Witterungsregelfall. Im Jahresverlauf gibt es verschiedene solcher Singularitäten, die mehr oder weniger häufig eintreten. Die Eisheiligen Mitte Mai beispielsweise treten in den letzten 30 Jahren nicht mehr so regelmäßig ein, wie in den Jahrzehnten davor. Neben dem Altweibersommer sind die Schafskälte Mitte Juni und das Weihnachtstauwetter die ausgeprägtesten Witterungsregelfälle.

Die Ursachen für dieses regelhafte Verhalten sind unklar. Vermutlich steuert der Jahresgang der Sonneneinstrahlung atmosphärische Schwingungsvorgänge in höheren Schichten der Atmosphäre, die dann die für die jeweiligen Termine typischen Großwetterlagen auslösen. Jedoch deutet sich in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt ein Rückgang dieser Regelhaftigkeit an. Vermutlich verändert sich das atmosphärische Strömungsverhalten im europäischen Raum, wodurch bisherige Regelfälle seltener auftreten. Es wird jedoch seit Jahrzehnten kaum noch systematisch auf diesem Gebiet geforscht, so dass eine klare Beurteilung leider bisher aussteht.

Dienstag, 19. September 2017

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 19.09.2017 19:15 Uhr