tdt_Kaltlufttropfen
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Trotz hohen Luftdrucks zeigt sich das Wetter aktuell in weiten Landesteilen eher von einer bescheidenen Seite. Wie ist dies zu erklären?

Unsere Abbildung zeigt die Wettersituation in Europa am heutigen Montag anhand einer typischen Isobaren-Darstellung für den Luftdruck auf Meeresniveau (weiße Linien). Deutschland liegt im Bereich eines ausgedehnten Hochdruckgebiets mit Zentrum über dem äußersten Nordwesten Russlands, welches einen Kerndruck von knapp 1045 hPa (Hektopascal) besitzt. Das Umströmen des Hochs im Uhrzeigersinn bedeutet östliche Winde mit denen in aller Regel trockene Luft zu uns gelangt.

Dies alles ließe eigentlich auf freundliches und warmes Wetter schließen. Aber weit gefehlt.

Mit der östlichen Strömung wird aktuell ein sogenannter Kaltlufttropfen von Ost nach West über Deutschland hinweg geführt. Dieses Gebilde ist, wie der Name schon sagt, mit kalter Luft angefüllt und dadurch deutlich von seiner Umgebung abgegrenzt. Sein Vorhandensein lässt sich in der gezeigten Bodenwetterkarte allenfalls erahnen. Erst in einigen Kilometern Höhe erscheint es als eigenständiges Tiefdruckgebiet. In unserer Grafik ist seine Position und Ausdehnung in circa. 5,5 km Höhe dargestellt.

Wegen der hochreichenden kalten Luft kommt es insbesondere im kernnahen Bereich des Höhentiefs zu Schauern. Die Luft in Bodennähe erwärmt sich um diese Jahreszeit tagsüber noch ausreichend stark, während sie in größerer Höhe ihre Temperatur kaum verändert. Ein relativ starker Temperaturunterschied entsteht auf diese Art. Das heißt, relativ warmer Luft unten steht entsprechend kalte Luft oben gegenüber, was zu den genannten Schauern führt. Auch einzelne Gewitter können auftreten.

An der Ostseite des Kaltlufttropfens steigt die Luft großflächig auf, was dort nicht nur zur Entstehung mächtiger Wolken sondern sogar von Regengebieten Anlass gibt. Dies betrifft am Montag einige Teile der neuen Bundesländer. Auf der anderen Seite des Tiefs, also an dessen Westrand, sinkt die Luft hingegen ab. Trockenes und freundliches Wetter ist die Folge. Hiervon profitieren am Montag noch der Süden und Südwesten des Landes.

Montag, 25. September 2017

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 25.09.2017 19:15 Uhr