temperaturabweichung
Bild © hr

Osteuropa ist in der kommenden Woche ungewöhnlich warm. Was sind die Gründe dafür?

Die Nordhemisphäre ist in den kommenden Tagen von großen Gegensätzen bei der Temperaturabweichung geprägt. Einerseits stößt in Nordamerika sehr kalte, arktische Kaltluft weit nach Süden vor, andererseits ist es in Osteuropa und Sibirien extrem mild. Dies hat mit mehreren Faktoren zu tun.

Die Kaltluft über Neufundland und Grönland strömt auf den Atlantik. Hier wird dann aufgrund des Temperaturunterschiedes zwischen kalter Luft und warmen Meerwasser die Tiefdruckentwicklung über dem Nordatlantik angekurbelt. Diese Konstellation der Großwetterlage besteht in dieser Form schon grob seit Anfang Dezember.

Da die Tiefdruckgebiete über Neufundland nicht so stark ausgeprägt waren wie es aktuell der Fall ist, konnten sie das kräftige und nordwärts verschobene Azorenhoch nicht verdrängen. Die Folge war eine mehr oder weniger nass-kalte Nordwestströmung mit zwischenzeitlichen „Wintermezzos“ bis in tiefere Lagen.

Doch in den letzten Tagen hat sich an dieser Konstellation etwas Entscheidendes geändert: Das Azorenhoch hat sich auf seine ursprüngliche Position zurückgezogen und gleichzeitig ist der Kaltluftkörper über Nordamerika stärker geworden. Dies führt, wie weiter oben bereits beschrieben, zu einer stärkeren Tiefdruckentwicklung auf dem Nordatlantik. Nun war und ist der Weg frei und somit können die atlantischen Tiefausläufer bis ins östliche Mitteleuropa ziehen. Doch ein weiterer Faktor ist mitverantwortlich für die extreme Wärmeabweichung über Osteuropa und Sibirien.

Den Gegenpart zu den atlantischen Tiefdruckgebieten spielt das sibirische Hochdruckgebiet. Dieses Hochdruckgebiet blockiert dort sprichwörtlich alles was ihm in den Weg kommt. Bei Hochdruckgebieten weht der Wind auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, bei Tiefdruckgebieten gegen den Uhrzeigersinn. Stellt man sich die aktuelle Wetterlage also bildlich vor, wirken die atlantischen Tiefdruckgebiete und das Hochdruckgebiet über Sibirien wie zwei Mühlräder, die warme Luftmassen aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Nordatlantik nach Osteuropa transportieren.

Dies wird auch in der Abbildung ersichtlich. Zu sehen ist die berechnete Temperaturabweichung der nächsten 7 Tage in einer Höhe von 2 Meter über dem Boden. Die orangen bis roten Farben stellen positive Abweichungen dar, alle blauen Werte sind negative Abweichungen. Weiß ist als Übergangsbereich zu betrachten und spiegelt normale Abweichungen wider.

Auf den britischen Inseln sowie im zentralen und östlichen Mittelmeer ist die Temperaturabweichung als normal einzustufen. Hier liegen die Werte meist zwischen -2 und +2 Grad um den klimatischen Mittelwert (1981-2010). Richten wir den Blick auf Deutschland, wird um den Jahreswechsel bereits eine Abweichung von knapp +3,7 °C erreicht. In Osteuropa liegt die Abweichung mit verbreitet +8 °C über dem Mittelwert sogar mehr als doppelt so hoch.

Freitag, 27. Dezember 2017

Marcel Herber

HR-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 27.12.2017 14:00 Uhr