Ozonloch 1979 bis 2016
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Im antarktischen Frühling erreicht das Ozonloch über dem Südpol seine größte Ausdehnung.

Wenn im August die Sonne über der Antarktis wieder zu scheinen beginnt setzt sich in der dort unter -90 Grad kalten Stratosphäre in 15 bis 50 km Höhe jedes Jahr ein zerstörerischer chemischer Kreislauf in Gang. In der Folge verringert sich die Ozonkonzentration in diesen Höhen dramatisch wodurch vermehrt harte UV-B-Strahlung bis zum Erdboden durchdringen kann. Dieses Jahr hat das Ozonloch seine bisher maximale Ausdehnung mit 20 Millionen Quadratkilometern am 11. September erreicht. Das entspricht in etwa dem Mittel der vergangenen 30 Jahre.

 

Verursacht wird der stratosphärische Ozonabbau vor allem von halogenierten Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen, kurz FCKWs, die seit 1987 zwar durch das Montreal-Protokoll verboten sind, in Kühlmitteln und Treibgasen jedoch enthalten waren und sich wegen ihren langen Verweilzeiten von bis zu 100 Jahren nachhaltig in der Stratosphäre angereichert haben. Bei einer Temperatur unter -78 Grad und Sonnenlicht, kann ein einzelnes Chlor-Atom viele Tausend Ozon-Moleküle aufspalten. Diese Bedingungen sind vor allem in der Stratosphäre über der Antarktis gegeben, die sich durch einen ausgeprägten Polarwirbel im südhemisphärischen Winter nicht mit der Umgebung durchmischt und dadurch in der Polarnacht stark auskühlen kann. Das erste Sonnenlicht im August setzt dann den zerstörerischen Prozess in Gang.

Im Rekordjahr 2006 hatte im Zeitraum zwischen 7. September und 13. Oktober das Gebiet über der Antarktis mit einer Ozonkonzentration unter dem festgelegten Grenzwert von 220 sogenannten Dobson-Einheiten (DU) eine mittlere Ausdehnung von 26,6 Mio. Quadratkilometer erreicht. Der größte Tageswert von 29,9 Mio. Quadratkilometern wurde am 9. September 2000 gemessen. Mit einer Fläche von bisher etwa 20 Millionen Quadratkilometern hat sich das Ozonloch über der Arktis auch dieses Jahr bereits wieder deutlich ausgebildet. In den Jahren vor 1980 lag die Ozon-Konzentration dort das ganze Jahr über 225 DU, dieses Jahr beträgt der tiefste Werte bisher 151 DU, gemessen am 7. September. In den vergangenen 30 Jahren lag das Minimum bei durchschnittlich 114 DU, am 30. September 1994 wurde ein Rekordminimum von 73 DU registriert.

Auf der Nordhalbkugel verhindert die ungleichmäßige Verteilung von Landmassen und Ozeanen die Ausprägung eines wohlgeordneten stratosphärischen Polarwirbels, wodurch sich die Luft besser durchmischt und im Winter nicht so stark auskühlt wie auf der Südhalbkugel. In der Folge finden die chemischen Ozon-Killer hier keine so idealen Bedingungen vor, wie auf der Südhalbkugel.

In den kommenden Jahrzehnten, möglicherweise bereits bis Mitte des Jahrhunderts, wird sich das Ozonloch nach Einschätzung von Experten langsam wieder schließen. Die Stratosphäre über der Antarktis kühlt sich im Zuge des menschgemachten Zusatz-Treibhauseffektes in den kommenden Jahren zwar noch weiter ab. Denn Wärme wird in tieferen Atmosphärenschichten gefangen gehalten und erreicht dadurch nicht mehr die Stratosphäre, was dort die Bedingungen für den Ozonabbau begünstigt. Jedoch verringern sich die FCKWs weiterhin systematisch, was sich langfristig entscheidend auswirken sollte.

Freitag, 22. September 2017

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 22.09.2017 19:15 Uhr