Weinbau und Klimaandel
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Winzer hoffen auf ein Ende der Wetterkapriolen

Besseres Wetter würde der Weinlese im Rheingau nach Experteneinschätzung guttun. „Die Qualität der Trauben steigt jeden Tag, wenn sie die Sonne ausnutzen können“, sagte Christian Fischer vom Dezernat Weinbau des Regierungspräsidiums Darmstadt am Dienstag. Die Wetterkapriolen der vergangenen Wochen seien mehr als ausreichend gewesen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren werde mengenmäßig eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge erwartet. Die Qualität sei aber vom Wetter in den kommenden Wochen abhängig.

Die frühen Sorten wie Müller-Thurgau und Dornfelder seien schon abgeerntet, erklärte Fischer. Im Rheingau überwiegen aber die späten Sorten wie Riesling und Spätburgunder. Auch hier hat die Lese schonbegonnen. Sie werde noch ein paar Wochen dauern. Je trockener das Wetter, desto länger werde sich die Ernte hinziehen, sagte Fischer. Mit einer positiven Wirkung auf die Trauben. Für das Weinbaugebiet Bergstraße gelte Ähnliches. Dort gebe es aber mehr Sorten und die Lese sei etwas weiter fortgeschritten.

So viel zum Wetter, doch wie wirken sich langfristige Klimaveränderungen auf den Weinbau aus? Infolge des Klimawandels steigt im langjährigen Mittel hierzulande das Temperaturniveau. Dadurch breiten sich die möglichen Weinbaugebiete nach Norden aus. Entlang des Rheins können bald schon wärmeliebende Rebsorten wie Cabernet oder gar Merlot gepflanzt werden. Da Wein sehr wärmeliebend ist, dehnen sich die Gebiete, in denen ein Anbau möglich ist nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit aus. Mittlerweile gibt es schon Weinberge in Südengland, wie bereits im Mittelalter während einer besonders milden Klimaepoche zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert. In Deutschland wurde kürzlich in Schleswig-Holstein ein Gebiet ausgewiesen in dem Weinbau zur Weinbereitung erlaubt werden soll.

Diese Verschiebung nach Norden ist zwar einerseits vorteilhaft für den Weinbau in Deutschland, England und sogar Skandinavien, in den Mittelmeerländern wird die zunehmende Trockenheit jedoch künftig zum limitierenden Faktor für die Winzer. In Australien könnten sich die potenziellen Weinbaugebiete durch eine fortschreitende Verlagerung nach Süden in den kommenden Jahrzehnten sogar im Meer befinden.

Zudem wird sich künftig auch das Sortenspektrum verändern. So könnte entlang des Rheins, wo heutzutage noch der Riesling dominiert, bereits heute stellenweise Cabernet, in 10 Jahren eventuell der wärmeliebende Merlot erfolgreich angepflanzt werden. Bis 2040, so legt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nahe, wird in fast ganz Deutschland, außer dem Mittelgebirgsraum und dem Küstenumfeld Weinbau möglich werden, am Oberrhein sogar der in Frankreich und Italien heutzutage meistangebaute und sehr Ertragreiche Ugni blanc bzw. Trebbiano.

Die Weine anderer frühreifenden Rebsorten wie beispielsweise Weißburgunder, Silvaner oder Müller-Thurgau, könnten in warmen Jahren aber Alkohol-lastig und plump werden. Jedoch haben die Mostgewichte in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen, was wiederum mit einer Qualitätssteigerung einhergeht. Neben all den alarmierenden Nachrichten, die man im Zusammenhang mit dem Klimawandel vernimmt, ist das zur Abwechslung mal eine gute Neuigkeit.

Mittwoch, 20. September 2017

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: „alle wetter!“, hr-fernsehen, 20.09.2017 19:15 Uhr