atacama
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Das südamerikanische Land Chile hat neben dem Klima von Patagonien noch weitere Besonderheiten zu bieten. 3000 Kilometer nördlich des patagonischen Eisfelds befindet sich die wahrscheinlich trockenste Wüste der Welt.

Die Atacama-Wüste liegt im Norden von Chile, zwischen dem 18. und 27. südlichen Breitengrad. Ihre Randbereiche erstrecken sich auch noch ein Stück weit in die Nachbarländer hinein. Aus mehreren Gründen ist es in der Region extrem trocken: Die Lage zum subtropischen Hochdruckgürtel begünstigt die Entstehung von Wüsten. Viele Wüsten unserer Erde befinden sich im Bereich der Wendekreise, doch nicht überall ist es dort trocken. Der Norden Chiles ist sehr effektiv von jeglichen Regenfällen abgeschattet. Weht der Wind aus Osten, was meistens der Fall ist, strömt die Luft von den über 5000 Meter hohen Anden herunter. Regen fällt auf der Ostseite der Anden, in Chile kommt davon aber fast nichts an. Bei Westwind sieht es in der Regel nicht anders aus. Vor der Küste Chiles ist das Wasser im Bereich des Humboldtstroms kalt. Damit wird die Atmosphäre sehr stabil, Schauer oder Gewitter können sich nicht ausbilden. Und Tiefdruckgebiete mit flächigen Regengebieten wie in den gemäßigten Breiten gibt es am Wendekreis nicht. In El-Nino-Jahren erreicht etwas wärmeres Wasser die Gewässer vor Chile. Dann ist die Atmosphäre nicht mehr ganz so stabil und Regen wird etwas wahrscheinlicher.

Die Atacama-Wüste ist extrem trocken und möglicherweise findet sich in ihr der trockenste Ort der Erde. Lange galt Arica mit einer Jahressumme von 0,76 mm als selbiger. Dieses Mittel ist jedoch veraltet, nach neueren Messungen regnet es dort im Schnitt 1,5 mm pro Jahr. Die Steigerung wird einem El-Nino-Phänomen zugesprochen. Der niederschlagreichste Tag war der 2. Januar 1997 mit 4,2 mm. In den letzten Jahrzehnten kamen ein paar Klimareihen hinzu und dabei stellte sich heraus, dass Quillagua mit 0,05 mm Jahresregen noch trockener ist. Dieser Wert umfasst die Jahre 1971 bis 2000. Man könnte auch sagen, in Quillagua regnet es praktisch nicht. Und tatsächlich konnte dort über einen Zeitraum von 20 Jahren kein messbarer Niederschlag beobachtet werden. Quillagua gilt derzeit nach dem Guinness-Buch der Rekorde als trockenster Ort der Welt. Etwas mehr Regen fällt im bei Touristen beliebten Wüstenörtchen San Pedro de Atacama. Dort kann man über das Jahr summiert im Mittel 42 mm erwarten.

Die meisten anderen Wüsten der Erde sind feuchter als die Atacama. In den Trockenregionen Australiens fallen meist noch über 100 mm Regen pro Jahr, im Südwesten von Arizona (USA) sind es 50 bis 100 mm, an der Küste Namibias um 20 mm und in der Sahara vielfach 25 bis 50 mm. Im Osten der Sahara regnet es allerdings auch fast gar nicht. Luxor, Assuan (jeweils Ägypten) und Kufra (Libyen) bringen es nur auf 1 bis 2 mm im Jahr. Da das Messnetz in so trockenen Regionen relativ dünn ist, erscheint es unsicher, ob sich der trockenste Platz der Erde wirklich in der Atacama-Wüste befindet. Diesbezüglich liegt die östliche Sahara auf jeden Fall mit im Rennen. Er könnte aber auch in der Antarktis zu finden sein. Dort gibt es vom Schneefall weitestgehend abgeschirmte Trockentäler, über die man noch nicht genügend Informationen gesammelt hat, um zuverlässig eine durchschnittlichen Jahresniederschlag anzugeben. An der US-Südpolstation Amundsen-Scott liegt der Jahresniederschlag bei 2,3 mm.

An den Küsten der Atacama ist es wegen des kalten Wassers häufig neblig. Die jährliche Sonnenscheindauer liegt dort unter 3000 Stunden. Calama im Landesinnern gilt mit 3926 Stunden pro Jahr allerdings als zweitsonnigster Ort der Erde. Noch mehr Sonnenschein wird mit 4015 Stunden in Yuma, Arizona, beobachtet. Im Osten der Sahara sind Werte um 3800 Stunden üblich. Ganz ohne Hindernisse in Horizontnähe und ohne Wolken wären übrigens an jedem Ort der Erde 4380 Sonnenstunden pro Jahr zu erwarten (optische Effekte zum Sonnenauf- und Untergang unberücksichtigt). In Deutschland liegt das Mittel bei 1580 Stunden.

Freitag, 5. Januar 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 05.01.2018 19:15 Uhr