trockeneraumluft
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Während der kalten Jahreszeit ist die Luft in Wohnräumen häufig relativ trocken. Welche Ursache liegt dem zugrunde, und wie kann man Abhilfe schaffen?

Luft kann je nach Temperatur nur eine gewisse Menge an Wasserdampf also gasförmigen Wassers enthalten. Diese Menge, welche sich etwa in Gramm pro Kubikmeter Luft (g/m³) angeben lässt, wächst mit der Temperatur. Wird dieser Sättigungswert erreicht, kommt es im Allgemeinen zu Kondensation. Kann der maximale Wasserdampfanteil bei einer Temperatur von 0°C nur 4,8 g/m³ ausmachen, steigt er bei +10°C schon auf 9,4 g/m³ und würde, als letztes Beispiel, bei 22°C schließlich 19,4 g/m³ betragen.

Eine im Alltag gebräuchlichere Größe ist die relative Luftfeuchtigkeit. Sie gibt das Verhältnis aus aktuellem Wasserdampfanteil und seinem Sättigungswert an, wobei der erhaltene Wert mit dem Faktor 100% zu multiplizieren ist. Wäre die Luft gänzlich frei von Wasserdampf, ergäbe sich eine relative Luftfeuchtigkeit von 0%. Bei Erreichen des Sättigungswertes und einsetzender Kondensation hätten wir 100% relative Luftfeuchtigkeit.

Wie kommt es nun aber zur trockenen Raumluft? Weil, wie oben beschrieben, die maximal mögliche Wasserdampfmenge mit der Temperatur schwankt, ändert sich im Allgemeinen ebenso die relative Luftfeuchtigkeit mit der Temperatur. Insbesondere dann, wenn wir nur Fälle betrachten, in denen der aktuelle Wasserdampfanteil der Luft sich nicht verändert. Das heißt der Luft wird weder Wasserdampf zugeführt noch entzogen. Dann ist die relative Luftfeuchtigkeit ausschließlich abhängig von der Temperatur (Anmerkung: Der Luftdruck hat noch einen gewissen Einfluss, dieser soll hier aber vernachlässigt werden).

Nehmen wir nun einmal an, wir hätten draußen eine Temperatur von 0°C. Außerdem gehen wir, wie dieser Tage häufig beobachtet, von Nebel aus. Der Wasserdampf wäre also gesättigt, womit die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung ziemlich genau 100% betragen würde. Was passiert jetzt, wenn wir uns in diesem Moment dazu entscheiden, unsere Wohnung durchzulüften? Angenommen, die Raumluft würde dabei vollständig durch die Außenluft ersetzt und anschließend wieder auf angenehme 22 °C aufgeheizt, dann würde die relative Luftfeuchtigkeit nur in Folge der Erwärmung auf einen Werte von gerade mal noch 25% absinken.

Zwar gelingt es einem in der Realität kaum, beim Lüften die Innenluft komplett auszutauschen, und die Verdunstung innerhalb der Wohnung, sei es durch die Transpiration und Atmung der Personen oder durch deren Aktivitäten wie Kochen und Waschen, wird bald wieder zur Anhebung der Luftfeuchtigkeit führen, trotzdem unterschreitet sie in der kalten Jahreszeit des Öfteren ihren Normalbereich, der sich etwa zwischen 40 und 70% wieder findet. Abhilfe können Zimmerpflanzen schaffen.

Einen kurzzeitigen Gewinn an Luftfeuchte kann auch das Trocknen von Hand- oder Badetüchern auf Heizkörpern bringen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, und man sollte es mit solchen Befeuchtungsmaßnahmen natürlich nicht übertreiben. Denn eine hohe relative Luftfeuchte steigert die Gefahr von Schimmelbildung. Vor allem in Wohnungen mit schlechter Isolierung kann die Luftfeuchtigkeit zum Beispiel hinter Schränken, die an einer entsprechend kalten Außenwand stehen, wegen der in diesem Bereich stattfindenden Abkühlung der Luft, wiederum ungünstig hohe Werte erreichen.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

hr/ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.01.2018 19:15 Uhr