Überall im Alltag lauern Gefahren, die unsere Sicherheit gefährden können. Ohne es zu wissen, setzen wir uns ihnen zum Teil selbst aus - in unseren eigenen vier Wänden, im Internet, im Straßenverkehr oder auch im öffentlichen Raum. 10-mal Sicherheit spürt mögliche Gefahrenquellen auf und zeigt, wie man sie vermeiden kann.

10 - Haushaltsgegenstände im Härtetest

Es heißt, im Schnitt besitzt jeder von uns rund 10.000 Gegenstände. Und in so manchem steckt ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Ob Stofftier oder Toaster – in vielen Produkten können Gefahren  lauern, die auf den ersten Blick gar nicht zu  erkennen sind. Rainer Weiskirchen und seine Kollegen vom TÜV Rheinland unterziehen solche Gegenstände ausgiebigen Tests. Wir nehmen uns drei Beispiele vor: einen Teddy, einen Rollkoffer und einen Toaster.

Der Teddy

Der Teddy wird zunächst in eine Apparatur gespannt, die an einem seiner Augen zerrt, ein Kleinteil, das von spielenden Kindern verschluckt werden könnte. 10 Sekunden muss es einem Gewicht widerstehen, das 9 Kilogramm entspricht. Das muss das Tierchen aushalten, denn sonst wäre es ein unsicheres Spielzeug und dürfte so nicht auf dem Markt sein.

Das Auge des Teddys hält. Aber das war erst der Anfang. Jetzt muss ein Ohr des Plüschtiers dran glauben. Es wird abgeschnitten und im Chemielabor auf schädliche Stoffe untersucht. Hier geht es darum herauszufinden, ob sich im Fell oder in anderen Teilen des Teddys Substanzen befinden, die gesundheitsschädlich sind. Das Ergebnis bringt Entwarnung: Keine Schadstoffe gefunden.

Dann folgt: die Feuerprobe. Mit einer Gasflamme wird das Hinterteil des Teddybären malträtiert. Die Flamme taucht genau eineinhalb Zentimeter in das Fell ein. Wie stark fängt der Teddy Feuer? Das Ergebnis stellt den Tester zufrieden. Nur eine kleine Flamme ist entstanden, die man wie eine Kerze noch hätte ausblasen können. Also: Entflammbarkeitstest bestanden.

Der Koffer

Was ein Reisekoffer aushalten muss, weiß wahrscheinlich jeder, der schon einmal eine Flugreise gemacht hat. Rein ins Flugzeug, raus aus dem Flugzeug, rauf aufs Kofferband. Die Tester beim TÜV Rheinland gehen deshalb nicht gerade sanft mit dem Rollkoffer um: Sturz aus einem Meter Höhe, voll beladen. Insgesamt neunmal, immer auf eine andere Ecke. Das Ergebnis: Nur eine Rolle ist leicht verbogen, dabei sind keine scharfen Kanten entstanden. Rainer Weiskirchen attestiert: Abzüge in der B-Note. Test: bestanden!

Der Toaster

Toasten – ein Spiel mit dem Feuer? Nicht unbedingt. Aber trockenes Brot kann sich im Toaster entzünden. Fängt dann auch das Gerät selbst Feuer, können sich die Flammen schnell ausbreiten. Für den Sicherheitstest wird das Toastbrot im Toaster verklemmt. Das kann auch im Alltag passieren, wenn gerade niemand in der Küche ist. Bald fängt das Brot zu brennen an. Soweit kein Problem. Nur: was passiert mit dem Toaster? Das Feuer hat nicht auf ihn übergegriffen, der Toaster ist intakt geblieben.

Tipp: Bei unseren getesteten Alltagsgegenständen besteht also kein Grund zur Sorge. Auf freiwilliger Basis von unabhängigen Prüfinstituten getestete Produkte sind am GS-Siegel erkennbar, das für geprüfte Sicherheit steht. Daneben gibt es das verpflichtende CE-Siegel, mit dem Hersteller selbst versichern, dass ihre Produkte den jeweils geltenden EU-Richtlinien entsprechen.

9 - Wohngifte

Man sieht sie nicht, man schmeckt sie nicht, aber auf Dauer können sie krank machen. Ausgerechnet in unseren eigenen vier Wänden können uns Wohngifte zusetzen. Und davon gibt es eine ganze Reihe: Inzwischen verbotene Holzschutzmittel in älteren Holzprodukten, Formaldehyd etwa in Möbeln, Lösemittel in Laminat, Farben und Lacken, Mottenschutzmittel im Teppich, Flammschutzmittel in Heimtextilien oder elektronischen Geräten, Weichmacher in Bodenbelägen oder Tapeten. Solche Wohngifte können zahlreiche gesundheitliche Beschwerden verursachen. So wie bei Martin Sch. Er bekam Gelenkschmerzen, Atemnot, Herz-Rhythmusstörungen und Allergien, nachdem er in das Haus seiner Eltern eingezogen ist. Lange wusste er nicht, woran es liegt. Erst ein spezieller Schadstofftest bei Dr. Horst Tippenhauer, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, brachte Licht ins Dunkel. Die Auswertung des Tests zeigte eine hohe Belastung mit Holzschutz- wie auch mit Lösungsmitteln - Toluol, Formaldehyd, PCB, Asbest…

Erste Hinweise durch Baujahr und Einrichtungsgegenstände

Woher stammt das Gift? Martin Sch. zog den Baubiologen Bernd Kinze zu Rate. Das Haus wurde 1960 gebaut, in den 70ern erweitert. Gebäude aus dieser Zeit sind oft mit starken Holzschutzmittelgiften belastet. Häufig wurden auch Bauteile verwendet, die Formaldehyd ausgasen. Bernd Kinze schätzt, dass etwa jedes zweite Haus aus dieser Zeit davon betroffen ist. Der Baubiologe misst die Raumluft, nimmt Staubproben und schickt sie in ein Speziallabor. Zwei Wochen später, die Ergebnisse: In der Wohnung von Herrn Sch. wurden Holzschutzmittel, Formaldehyd, Asbest,  verschiedene Lösungsmittel und hohe Weichmacher-Konzentrationen nachgewiesen – ein echter Giftcocktail.

Gift in der Decke, im Fußboden, in den Möbeln

Nach einer weiteren Spurensuche im Haus wurde schließlich klar, wo das Gift herkommt: In den meisten Holzdecken steckte Holzschutzmittel, genauso wie in Fensterrahmen und mehreren Möbeln, Formaldehyd dünsteten aus dem Schlafzimmerschrank und der gesamten Küchenzeile aus. Zudem fand sich Asbest im Fußboden, Weichmacher in der Tapete und dem PVC-Belag und Mottenschutzmittel in einigen Teppichen.

Klar war: Die Schadstoffe mussten raus. Martin Sch. sanierte sein Haus: Fliesen überall, Mineralputz an Decken und Wänden und naturbelassene Massivholzmöbel. Auf Anraten seines Arztes machte er zusätzlich eine ganzheitliche Entgiftungstherapie. Die Maßnahmen zeigten Wirkung:  Herrn Sch. geht es bedeutend besser. Er hat keine Schmerzen mehr, kann leichten Sport machen und auch wieder arbeiten.

8 - Problematische Inhaltsstoffe in Kosmetik- und Hygieneprodukten

Bleiben wir bei potentiell gesundheitsschädlichen Chemikalien. Zahlreiche Kosmetika und Körperpflegeprodukte sind umstritten, weil sie Stoffe enthalten, die problematisch sein können.

Triclosan

Unser erstes Beispiel: Triclosan. Der Stoff wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften in Deo, Fußgel und manchmal sogar in Zahnpasta eingesetzt. Forschung an Mäusen hat gezeigt: In hoher Konzentration kann Triclosan bei Nagern „Leberkrebs begünstigen“. Forscher vermuten, dass der Stoff auch für Menschen schädlich sein kann. Triclosan wurde im Blut von Menschen nachgewiesen und es soll sich im Fettgewebe anreichern.

In Kosmetika, die lange auf der Haut bleiben, ist Triclosan mittlerweile verboten. Doch in Zahncreme, Deo oder Mundwasser bleibt es in bestimmten Mengen erlaubt. In dieser geringen Dosierung besteht zwar keine akute Gefahr, aber Experten empfehlen trotzdem, den Einsatz von Triclosan in Privathaushalten so weit wie möglich zu vermeiden.

Nanopartikel

Auch sie können zum Problem werden: Nanopartikel, winzig kleine Alleskönner mit vielen nützlichen Anwendungsbereichen.  Kritiker warnen jedoch:  dass Nanoteilchen der Gesundheit schaden könnten, wenn sie in den Körper gelangen.

Nanoteilchen aus Zinkoxid oder Titandioxid sind zum Beispiel in Sonnencremes weit verbreitet. Durch die Nanoteilchen lässt sich die Creme gut verteilen und schützt effektiv vor schädlichen Sonnenstrahlen. Aber können Nano-Partikel durch die Haut in den Körper gelangen? Forschungsergebnisse dazu sind nicht eindeutig, aber wahrscheinlich schützt uns unsere Haut. Die oberste Schicht besteht aus mindestens einem Dutzend Lagen toter Hornzellen. Nanopartikeln gelingt es offenbar nicht ohne Weiteres, diese Barriere zu überwinden. Ob jedoch die Partikel über Verletzungen oder die Haarwurzeln in den Körper kommen können, ist nicht abschließend geklärt.

Konservierungsstoffe

Unser drittes Beispiel: Konservierungsstoffe. Unter den über 10.000 Substanzen in Kosmetika gibt es einige schwarze Schafe. Weit verbreitet etwa: Die sogenannten Parabene, kostengünstige Konservierungsstoffe, die das Potenzial haben, den menschlichen Hormonhaushalt zu verändern. Auch andere Konservierungsstoffe können Probleme bereiten, etwa Allergien auslösen.

Was also tun als Verbraucher? Eine Alternative könnte zertifizierte Naturkosmetik sein. Sie enthält keine Parabene. Allerdings können auch in ihr allergieauslösende Stoffe stecken. Am besten hilft wohl immer noch: Den Schminktopf sparsam verwenden.

7 - Der Hacker und sein Opfer

Wir machen ein Experiment, das so auch in der Realität passieren könnte. Pascal Uter ist professioneller Hacker.  Sein Opfer: eine moderne, junge Frau – nennen wir sie Sabine Müller. Sie vernetzt sich online mit ihren Freunden, erledigt ihre Bankgeschäfte im Netz und hat ihr Smartphone immer dabei. Das Internet gehört fest zu ihrem Leben.

Beruf: Hacker

Pascal Uter kennt die Risiken der Online-Welt sehr genau. Sein Job: Sicherheitslücken finden, damit diese geschlossen werden können. Er will uns zeigen, welche fatalen Folgen die totale Vernetzung haben kann. Wie gefährlich es ist, wenn man zu unvorsichtig ist und sich einen Trojaner mit seinem Gerät einfängt.

Als PDF getarnter Trojaner

Während Sabine Müller beginnt, im Internet zu surfen, macht sich der Hacker an die Arbeit. Zunächst versucht er Zugriff auf den Rechner des Opfers zu bekommen. Dazu nutzt er einen sogenannten Trojaner – ein Programm, das auf den fremden Computer eingeschleust wird.

Er schickt seinem Opfer den Trojaner per E-Mail-Anhang. Der Absender ist gefälscht, angeblich schreibt ihr Chef. Im Anhang eine PDF-Datei. Sabine lädt sie herunter, um sie zu öffnen – und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Der Schadcode, der in der PDF-Datei steckt, kommt jetzt zur Ausführung. Das führt dazu, dass sich ihr Rechner mit dem des Hackers verbindet und er im Anschluss die volle Kontrolle über ihren Rechner hat. Das bedeutet: er kann auf ihren Bildschirm schauen, ihre Webcam benutzen, sich auf ihrer Festplatte umschauen. Er kann praktisch alles mit dem Rechner machen, was Sabine Müller selbst auch damit machen kann.

Immer tiefer in die Privatsphäre

Unser Hacker arbeitet weiter, dringt immer tiefer in ihre Privatsphäre ein. Als sie sich in ein soziales Netzwerk einloggt, liest er über einen sogenannten Keylogger ihre Zugangsdaten mit. Jetzt kann er auch auf ihr Nutzerkonto zugreifen. Und es kommt noch schlimmer: Er jubelt unserem Opfer eine gefälschte Online-Banking-App unter und verschafft sich damit Zugang zu ihrem Handy. So kommt er sogar an ihr Geld. Pascal Uter kann das Online-Banking genauso nutzen, wie das Opfer selbst und  kann das Konto bis zur Dispogrenze leer räumen. Da er die Kontrolle über ihr Handy hat, kommt er an ihre TANs – also die Sicherheitscodes –, die sie per SMS von ihrer Bank bekommt. Pascal Uter schätzt daher das SMS- oder mTAN-Verfahren als relativ unsicher ein. Er empfiehlt: auf keinen Fall mobiles Online-Banking auf dem Gerät zu tätigen, auf dem auch die SMS ankommen. Besser ist es dafür ein altes Handy zu verwenden, das dann tatsächlich auch nur dafür genutzt wird, diese SMS zu empfangen.

Der Hacker hört mit

Und es wird noch haarsträubender mit dem gehackten Smartphone: Unser Opfer trifft sich mit einem Bekannten – unter vier Augen, zumindest glaubt sie das. Aber Pascal Uter ist praktisch live dabei. Er kann genau nachvollziehen, wo sie sich momentan bewegt oder kann Fotos mit der Handykamera machen. So sieht er, mit wem sie sich gerade trifft und er kann sogar unbemerkt dem Gespräch lauschen.

Erst denken, dann handeln

Doch was können Internetnutzer tun, um möglichst sicher zu surfen und nicht Opfer eines echten Cyberkriminellen zu werden? Pascal Uter rät: Allem, was einem seltsam vorkommt, mit einem gesunden Misstrauen gegenüberstehen! Zweitens sollten alle Programme und das Betriebssystem auf dem aktuellen Stand und ein aktueller Virenscanner installiert  sein.  Drittens starke Passwörter verwenden und für verschiedene Dienste unterschiedliche Passwörter verwenden, die man dann am besten auch noch regelmäßig wechselt! Denn wer sich in der digitalen Welt gut schützt, kann auch sonst viel entspannter durchs Leben gehen.

6 - Der Fahrrad-Airbag – Alternative zum Helm?

Fahrradfahrer … leben gefährlich! Bei schweren und tödlichen Unfällen von Radfahrern ist so gut wie immer der Kopf betroffen. Seit Jahren wird deshalb für den Fahrrad-Helm geworben. Doch viele nutzen ihn nicht. Der Helm gilt als unbequem und uncool. Die Idee: Ein Airbag der bei Stürzen den Kopf komplett umschließt und so schwere Verletzungen verhindern soll. Erfunden haben ihn zwei schwedische Designerinnen. Ganze 7 Jahre Entwicklungsarbeit stecken in dem neuartigen Airbag. Tausende von Tests waren nötig, jede erdenkliche Unfallsituation wurde nachgestellt und in die Steuerung einprogrammiert.

High-Tech im Kragen

Getragen wird der Fahrrad-Airbag wie eine Halskrause. Darin versteckt: spezielle Sensoren und im Nacken ein Gasgenerator. Das Prinzip: Die Sensoren erfassen ständig Bewegungsdaten und werten sie aus. Wird ein Unfall erkannt, senden sie ein Signal und der Gasgenerator bläst den Airbag in einer Zehntelsekunde auf – wie ein schützendes Luftkissen.

Wichtig ist dabei: Weder bei normalen Fahrbewegungen noch auf holprigen Strecken soll der Airbag ungewollt auslösen. Damit das nicht passiert, messen zwei Sensoren permanent Bewegungsdaten des Fahrers – der eine die Beschleunigung und der andere die Kreisbewegung. So sollen sie erkennen, ob es sich wirklich um einen Unfall handelt.

Der Fahrradairbag kostet rund 300 Euro. Einmal gezündet, kann man ihn nicht wieder verwenden. Dafür bescheinigt ihm der Schwedische Versicherungsverband nach umfangreichen Testreihen, dass er dreimal so sicher sei wie ein Fahrradhelm.

5 - Mehr Sicherheit im Straßenverkehr – Vision Zero

Wie kann unser Straßenverkehr sicherer werden? Ansätze gibt es viele, um tödliche Unfälle zu verhindern. In Schweden hat man sich ein besonders hohes Ziel gesteckt. Laut der sogenannten „Vision Zero“ sollen in Zukunft gar keine Menschen mehr im Straßenverkehr zu Schaden kommen.

Mehr als nur eine Vision

Anna Johannson, Schwedens Ministerin für Infrastruktur, und ihre Kollegen stellten sich die Frage:  Wie viele Verkehrstote können wir pro Jahr akzeptieren? 1.000 oder 100?  Dann überlegten sie weiter und fragten sich, wie viele Opfer sie in ihrer  Familie akzeptieren oder unter ihren Freunden? Die Antwort war: Natürlich null. Und damit ist für sie klar: Wenn das für die Familie gilt, dann gilt das für alle: Die akzeptierbare Opferzahl für die ganze Gesellschaft ist null.

Vision Zero ist aber weit mehr als nur ein Ziel, es ist auch bereits eine Strategie zu weniger Unfalltoten. In ihr werden nicht nur Fehler vermieden, sondern auch das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Schweden fährt mit der "Vision Zero" sehr erfolgreich. Neben Großbritannien und den Niederlande gibt es hier die wenigsten Unfalltoten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl.

"2+1 Straße": Stahlseile trennen den entgegenkommenden Verkehr ab

Ein Grund dafür sind Zwei plus Eins Zonen.  Hier fährt man abwechselnd auf zwei Spuren und dann wieder auf einer. Dabei wird der Gegenverkehr durch einen Mittelzaun getrennt: Dieses Konzept erlaube schmalere Fahrbahnen. Normale Landstraßen könnten deshalb kostengünstig in die dreispurige Variante umgebaut werden. Dazu kommt, dass Kreuzungen vermieden werden. Stattdessen gibt es Brücken und Auffahrten. Der Automobilclub wünscht sich noch mehr solcher Straßen. Darüber hinaus aber auch mehr Polizei auf den Straßen, die zum Beispiel Alkoholkontrollen durchführen, aber auch ganz einfach da ist, um den Verkehr als Ganzes zu beruhigen. Von den Autoherstellern erwarten sie, dass sie innovativer sind und noch mehr Techniken erfinden, die Fahrer vor ihren eigenen Fehlern schützen.

Auch Tempolimits sind in Schweden kein Reizthema. Insgesamt gibt es ein großes Verständnis dafür, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen wichtig sind. In Deutschland wäre der Ruf nach mehr Tempolimits dagegen eher politischer Selbstmord.

Und Deutschland?

"Runter vom Gas" – so steht es neben dem Verkehrsministerium. Ein Interview will man nicht zu dem Thema geben. Aber eins ist klar: Ein generelles Tempolimit  80 auf Landstraßen wird es mit dem jetzigen Verkehrsminister nicht geben. Schließlich will der ja im Amt bleiben. Deutschlands Landstraßen könnten verbessert, entschärft werden, so das Credo vieler Sicherheitsexperten. Neben Kreiseln an Kreuzungen würden zum Beispiel Leitplanken vor Bäumen viele Leben retten. Doch wer will das bezahlen. Schließlich ist kaum Geld da, um die Straßen in Schuss zu halten. So bleiben viele Wünsche der Sicherheitsexperten Theorie.  Die Bilanz ist klar: Über 2.000 Tote, Zehntausende Schwerverletzte.

4 - Mehr Strecke, weniger Unfälle? Das Streckenradar

Wenn man sie sieht, ist es meist schon zu spät. Erst kommt der Blitz und dann der Bußgeldbescheid. Eigentlich sollen sie Raser abschrecken. Doch nicht selten verursachen Blitzer Probleme. Durch plötzliches Abbremsen steigt die Unfallgefahr erheblich. Und durch die Bremsmanöver können sich bei dichtem Verkehr schneller Staus bilden.

Auf der B6 bei Hannover soll deshalb ein neues Radarsystem getestet werden – ein Streckenradar, auch Section Control genannt. Der überwachte Streckenabschnitt ist gut 2 Kilometer lang.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit zählt

Die Funktionsweise: Am Eingangspunkt wird jedes Fahrzeug erfasst und von hinten fotografiert. Die Identifikation erfolgt anhand automatischer Nummernschilderkennung sowie weiterer Unterscheidungsmerkmale wie zum Beispiel dem Fahrzeugtyp. Die Daten werden zunächst verschlüsselt zwischengespeichert. Am zweiten Kontrollpunkt wird erneut jedes Fahrzeug erfasst und dann dessen Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt. Ist diese zu hoch, werden Fahrer und Fahrzeug von vorne „geblitzt“.

Die Daten landen dann bei der zuständigen Behörde, die das Knöllchen verschickt. Das Streckenradar soll Autofahrer also dazu bringen, über eine längere Distanz vorsichtig zu fahren. Wird kein Geschwindigkeitsverstoß festgestellt, werden laut Aussage der Verantwortlichen die Daten der Fahrzeuge direkt wieder gelöscht. Gegner der Technik äußern trotzdem Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Autofahrer würden anlasslos unter Generalverdacht gestellt.

Nachbarländer melden weniger Unfälle

Aller Kritik zum Trotz gilt das System in einigen Nachbarländern bereits als Erfolg. In Österreich, der Schweiz, Italien, den Niederlanden und Großbritannien sind die Unfallzahlen in den kontrollierten Abschnitten gesunken. Auch Deutschland und Polen planen daher die Einführung.

18 Monate soll der Pilotversuch dauern. Dann wird sich zeigen, ob die Befürworter Recht behalten. Wenn das Projekt an der B6 in Niedersachsen erfolgreich ist, könnten weitere Bundesländer folgen.

3 - Wie gut sind biometrische Sicherheitssysteme?

Jeder Körper ist unverwechselbar. Das will man nutzen – überall wo wir uns identifizieren müssen. Iris-Scanner, Fingerabdruck-Sensoren und Handvenen-Ausleser sollen Haustürschlüssel, Passwörter und Pin-Nummern ersetzen. Aber sind sie wirklich sicher? Jan Krissler, Sicherheitsexperte und Hacker beim Chaos Computer Club, testet das für uns mithilfe einer Versuchsperson.

Test 1 – Der Fingerabdruck

Er ist das beliebteste Identifikationsverfahren in Deutschland. Supermärkte etwa bieten: Bezahlen per Fingerabdruck. Und auch immer mehr Autos lassen sich auf diese Weise starten. Unser Testgerät: ein Notebook, bei dem man sich mit sensorischem Fingerabdruck-Scanner einloggen kann. Kann der Hacker den knacken?

Um den Scanner auszutricksen, braucht der Hacker einen Fotoapparat, eine Folie, etwas Holzleim – und: einen original Fingerabdruck unserer Testperson, etwa von einem Wasserglas. Er macht ein Foto von dem Fingerabdruck, bearbeitet es am Computer nach und druckt es auf Folie aus. Jetzt nur noch ein wenig Holzleim über den Ausdruck streichen. Nach etwa einer Stunde ist die Kunsthaut-Attrappe fertig. Er hält sie auf den Fingerabdruckscanner – und tatsächlich kann er damit das Sicherheitssystem knacken und sich am Notebook einloggen.

Test 2 – Die Irisstruktur

Die menschliche Iris. Sie hat über 200 individuelle Merkmale. Deshalb setzen vor allem Flughäfen auf den Iris-Scan. Dabei tastet ein Laserstrahl das Muster der Regenbogenhaut ab. Lässt sich auch dieses Verfahren überlisten? Unser Testscanner an einer Haustür ist nur auf die Augen der Versuchsperson geeicht.

Für Jan Krissler keine große Herausforderung. Der Hacker macht heimlich ein Foto der Versuchsperson, auf dem die Augen gut zu erkennen sind. Das ausgedruckte Bild hält er vor den Iris-Scanner. Und nach wenigen Sekunden ist die Tür offen. Einzige Einschränkung: es funktioniert derzeit nur bei hellen Augen.

Test 3 – Die Handvenen

Zur Identifikation sind Handvenen-Scanner der neueste Schrei. Wird die Hand vor den Sensor gehalten, scannt ein Infrarotlicht das unverwechselbare Venenmuster im Handinneren. Für den Test nutzen wir einen Fingervenen-Scanner. Und Jan Krissler stößt an seine Grenzen. Venenmuster bieten tatsächlich mehr Sicherheit als Fingerabdruck oder Iris, da es schwierig ist, ein Bild von dem Venenmuster zu bekommen. Zwar kann er in die Software des Gerätes eindringen und die aufgenommenen Bilder sichtbar machen – doch wie er sich daraus eine Attrappe basteln soll, weiß er nicht.

Unser Fazit: Venenscanner sind das einzige System, das bisher offenbar ausreichend Sicherheit bietet. Iris-Scan und Fingerabdruck-Sensoren haben offenbar Schwächen.

2 - InREAKT – Mehr Sicherheit im ÖPNV?

Überwachungskameras werden im Öffentlichen Personennahverkehr immer öfter eingesetzt. Sie sollen unserer Sicherheit dienen. Doch ob das funktioniert, ist umstritten. Herkömmliche Überwachungskameras zeichnen das Geschehen nur auf. So lassen sich Gewalttäter unter Umständen im Nachhinein leichter überführen. Aber im Moment eines Angriffs helfen diese Kameras nicht. Und selbst Live-Bilder – etwa von Haltestellen – werden in der Leitstelle normalerweise in festem Wechsel angezeigt. Ob eine Schlägerei dort tatsächlich live gesehen wird und der Disponent umgehend Hilfe schicken kann, ist also nicht sicher.

Algorithmen sollen Gewalttaten erkennen

Ein neues System könnte in Zukunft mehr Sicherheit bieten. „InReakt“ soll Gefahren automatisch erkennen. Das Szenario: Eine Schlägerei in der Bahn. InReakt analysiert die Szene über einen optischen Sensor. Das System kann die Bedrohung von einer Alltagssituation unterscheiden.

Möglich machen das Computer-Algorithmen. Welche Bewegung passiert gerade? Mit welcher Geschwindigkeit? Mithilfe von Gelenk- und Berührungspunkten können die Algorithmen das automatisch analysieren und erkennen, ob eine Berührung stattfindet. Die Beteiligten bleiben dabei anonym.

Automatisierte Gefahrenmeldungen

Nicht nur aggressive Handlungen erkennen die Algorithmen. Sondern auch, ob eine Person gestürzt ist und bewusstlos liegenbleibt. Auch zurückgelassene Objekte werden registriert – etwa ein verdächtiger Rucksack oder Koffer. Zusätzlich reagiert das System auf Geräusche. Akustische Sensoren erkennen Laute, die für Gefahrensituationen typisch sind.

Aus all diesen Informationen können automatisch Gefahrenmeldungen generiert und in Echtzeit an die zuständige Leitstelle geschickt werden. Von dort wird dann sofort Hilfe organisiert – etwa durch Bahnmitarbeiter, Sicherheitspersonal oder die Polizei. Auch Fahrgäste, die eine Gefahrensituation beobachten, könnten über das  „InREAKT“-System einen Hilferuf auslösen. Möglich macht das eine App, mit der man als Zeuge einen „unsichtbaren Notruf“ absetzen kann. Ein innovatives Sicherheits-System. Bleibt nur zu hoffen, dass sich genügend Verkehrsunternehmen dafür interessieren und es bald Einzug in unseren Alltag hält.   

1 - Tipps gegen Taschendiebe

Taschendiebe sind ziemlich dreist – und wir sind oft zu leichtsinnig. In Deutschland gibt es aktuell weit mehr als 150.000 Fälle von Taschendiebstahl pro Jahr. Wie leicht wir uns beklauen lassen, zeigt uns Giovanni Alecci, Profi-Taschendieb und Zauberkünstler.

Der Jackentrick

Auf der Suche nach Beute ist jede schlecht gesicherte Handtasche ein gefundenes Fressen. In diesem Fall hängt sie in einem Café über der Stuhllehne des arglosen Opfers. Während der Tat nutzt der Dieb seine eigene Jacke. Er hängt sie über seinen Arm und verdeckt damit zunächst den Diebstahl selbst – und anschließend die gestohlene Tasche. Scheinbar spielend leicht entwendet er so die Handtasche samt Geldbörse und Handy.

Wie hätte sich das Opfer schützen können? Der Tipp des Profis: Den Trageriemen der Tasche um das Stuhlbein legen, dann können Langfinger sie nicht ohne Weiteres mitgehen lassen.

Der Drängeltrick

Unser Trickdieb sucht sich sein nächstes Opfer. Drängeln, Schubsen oder Stolpern sind verbreitete Techniken, um Leuten nah zu kommen und ihnen so Dinge zu entwenden. Mitten auf einer Rolltreppe geht Giovanni Alecci auf Tuchfühlung. Er greift einer jungen Frau in die offene Jackentasche und schnappt sich ihr Smartphone. Sie merkt zwar offenbar etwas, aber der Dieb setzt eine Unschuldsmiene auf und versteckt das Diebesgut geschickt vor dem Blick seines Opfers.

Verhindern lassen sich solche Diebstähle, indem Wertgegenstände wie Handys oder Brieftaschen in der Innentasche verstaut werden. Ein Rucksack oder eine Umhängetasche mit Wertsachen sollte in unsicheren Situationen nicht auf dem Rücken hängen, sondern vorne im eigenen Blickfeld.

Der Kartentrick

Giovanni Alecci hat schnell seine nächsten Opfer entdeckt: Ein junges Pärchen, das an einem Cafétisch sitzt. Smartphone und Geldbörse liegen offen vor ihnen. Der Täter nähert sich und fragt nach dem Weg. Dabei legt er eine Landkarte auf den Tisch – über das Handy und die Geldbörse. Das junge Pärchen ist sehr hilfsbereit. Dass Giovanni Allecci ihre Sachen mitgehen lässt, bemerkt keiner der beiden. EC-Karte, Führerschein, alles weg.

Natürlich haben wir alle Gegenstände wieder zurückgegeben. Die vorübergehend Bestohlenen waren verblüfft und dann auch erleichtert, dass ihre Wertsachen nicht wirklich weg waren. Giovanni Allecci wünscht sich, dass wir ein bisschen misstrauischer sind und eine Auge auf unsere Handtaschen, Handys und Co. haben.

Sendung: hr-fernsehen, "10-mal Sicherheit", 29.01.2018, 21:45 Uhr