Anne Löper streut mit Wüstensand ein Bild auf einen Lichttisch
Anne Löper streut Wüstensand auf einen Lichttisch - die entstehenden Bilder werden auf eine Leinwand projiziert. Bild © Bilder: Anne Löper, Collage: hessenschau.de

In nur wenigen Minuten fließt aus ihren Händen ein Bild und gleich verwandelt sie es wieder in ein anderes. Anne Löper aus Witzenhausen bei Kassel malt stimmungsvolle Geschichten mit Sand.

Ein einmaliges, vergängliches Schauspiel, denn am Ende sind die Bilder verwischt, eine Kunst des Augenblicks, die das Publikum immer wieder ins Staunen versetzt. "Wie macht die das?", das ist die oft gestellte Frage. "Ich greif nach dem Sand. und fühl den Sand und folge mit meinen Augen jeden Strich, den ich mache, und ich darf auch nicht an etwas anderes denken, weil wenn ich an etwas anderes denke, macht die Hand etwas anderes", erklärt Anne Löper. "Und es ist spannend, dass sich die Zeichnungen auch nochmal verändern, wenn sie auf die Bühne kommen. Es ist immer anders als im Atelier, das was ich geprobt hab."

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zum Video Sandmalerin Anne Löper und ihre vergängliche Kunst

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Anne Löper ist eine der wenigen, die die Technik der Sandmalerei beherrschen. Inzwischen kann sie auch von ihrer Kunst leben. Fast jede Woche tritt sie damit auf. Ihre Sand-Shows dauern bis zu 90 Minuten. Sie macht alles selbst: Sie arrangiert die Musik, sie entwickelt Bilder und sie "malt" sie natürlich auch.  

Wie funktioniert das Malen mit Sand?

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Kontakt

Sandmalerin Anne Löper
Kniegasse 7
37213 Witzenhausen
Mail: info@gesandet.de
www.gesandet.de

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Die Sandmalerin versucht ihre Kunst in Worte zu fassen: "Wenn ich ganz weit weg gehe vom Tisch, dann kann ich eine flächige Gleichmäßigkeit erzielen, wenn ich ganz nah rangehe, kann ich den Sand ganz punktuell setzen. Das ist so wie ein Spiel mit der Grafikation. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll."

Eins ihrer Projekte: "Dresdner Momente der Stadtgeschichte". Immer wieder muss sie die Bildabfolgen üben, damit sie sich gut ins Gedächtnis einprägen. Bei jedem Bild geht es darum, in wenigen Minuten die richtige Stimmung zu erzeugen. "Es ist ein bisschen wie beim Druck, es gibt Stellen, wo kein Sand liegt, wo das Licht durchkommt und es gibt Stellen, da liegt viel Sand und da kommt kein Licht durch und das erzeugt Licht und Schatten und alles dazwischen, diese ganzen Nuancen, das ist eigentlich meine Farbe, mein Spielfeld."  

Die Fingertechnik für die Sandmalerei in Indien gelernt

Das Stück über Dresden war Anne Löper sehr wichtig. Denn sie ist ganz in der Nähe von Dresden aufgewachsen und wollte auch ihrer Heimat eine Geschichte widmen. Jetzt lebt sie in Nordhessen. In Witzenhausen kann sie in Ruhe ihre Kunst weiter entwickeln: "Es ist einfach hier für mich viel produktiver, weil ich nicht so abgelenkt bin wie in einer Großstadt, ich geh raus, ich finde viel Inspiration und Witzenhausen hat wirklich einen ganz eigenen, besonderen Charme, weil ja hier die Universität ist für Agrarwissenschaften, und die Menschen, die hier leben, machen sich alle ein bisschen Gedanken, sehr soziale Menschen, sehr ökologisch orientierte Menschen; und ich finde ganz nebenbei die Landschaft hier sehr schön. Ich brauch auch viel Luft in meinen Gedanken, also wenn ich Stücke entwickele, dann geh ich zu den Wiesen raus. Es ist so, daß ich viel aus der Imagination zeichne, also ich mach Phantasiesachen, ich mach Märchen, ich mach sehr konkrete Sachen, und für diese konkreten Sachen, braucht es einfach Naturstudien, d.h. ich muss genau wissen wie die Dinge aussehen. Und ich schau, was ich dann mitnehme ins Atelier, und was davon die Geschichte wird."

Die Fingertechnik für die Sandmalerei hat sich Anne Löper in Indien zeigen lassen; da hat das Malen mit Reismehl Tradition. Auf die Idee, Sandkunst zu machen, kam sie während ihres Studiums der Illustration: "Es war sofort Liebe auf den ersten Blick, und hab’s meinem Professor vorgestellt, hab ihm gesagt, ich möchte das Diplom damit machen und er war so: oh nein, das ist doch Kitsch. Und ich hab ihm gesagt, nein, ich werde Dich überzeugen, dass es kein Kitsch ist und hab ihn dann in mein Atelier eingeladen und da saß er dann und hat die ersten Sequenzen gesehen, und er hat dann gesagt, ach, er könnte jetzt eigentlich sitzen bleiben und mir stundelang zuschauen."  

Eine Bildergeschichte aus Sand

Neben eigenen Geschichten entwickelt sie auch Auftragsarbeiten, wie die Bilder zu (Antonin) Dvoraks Schauerballade "die Geisterbraut" für das Sinfonieorchester der Uni Hamburg: "Dvorak war für mich immer das, was ich mir gewünscht hab, es war ein großer Wunsch von mir in einem Konzerthaus zu spielen, mit Orchester, und ich liebe Streicher und ich liebe auch Chor; und das ist schon überwältigend. Es ist einfach schön, mit einer anderen Kunst zu fusionieren, weil Musiker zeichnen auch ihre Bilder in dem Moment, und eigentlich dieses Entstehen, so wie auch Musik, Musik kommt und Musik geht, das finde ich eben das Schöne an Liveprojekten."

Immer wieder arbeitet sie an neuen Projekten. Jedes Sandbild, das sie dafür entworfen hat, fotografiert sie ab, um daraus eine Bildergeschichte zusammenzustellen - und sie weiter zu entwickeln. "Katherlyns Reise" heißt das Stück, das ein Musiker-Trio zu deutschen Volksliedern arrangiert hat. Ein Märchen über die Höhen und Tiefen eines Menschenlebens.

Und wieder lässt Anne Löper eine ihrer vergänglichen Geschichten aus Sand entstehen: "Es sind unzählige Geschichten, die alle in dem Sandeimer sind und auch alle zukünftigen Geschichten sind schon da drin, die ich noch gar nicht kenne, die noch auf mich warten."

Autorin: Juliane Hipp

Sendung: Hauptsache Kultur, 27.04.2017, 22.45 Uhr