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zum Video Blackout - Warum Hessen oft nahe am Strom-Totalausfall steht

472 Stromausfälle gibt es in Deutschland jeden Tag. Unser Stromnetz ist also unsicherer als gedacht. Mex zeigt, warum unser Stromnetz so wackelig ist und wie sich jeder auf einen längeren Stromausfall vorbereiten sollte.

Mex besucht Südhessen. Keine andere Region in unserem Bundesland verzeichnet mehr Stromausfälle. In Langen war das zuletzt Anfang Oktober der Fall. Besonders kritisch ist das hier in Langen im höchsten Wohnhaus Hessens. 800 Menschen leben hier. Wenn der Strom nicht geht, hat das Folgen. 27 Stockwerke. 226 Wohnungen: Die Menschen hier verbrauchen tausende Kilowattstunden Strom.

Und weil der immer wieder ausfällt, ist Haustechniker Karl-Heinz Döhnert vorbereitet. Im Keller des Hauses hält er das Notstromaggregat stets in Schuss: „Ein bis zweimal im Jahr fällt der Strom aus, da sind die Wohnungen dunkel, aber der Rest ist noch in Ordnung.“ Vor allem die Wasserpumpen und Fahrstühle sollen auch beim Stromausfall weiterlaufen, nur die einzelnen Wohnungen haben in dieser Zeit keinen Strom. Obwohl das deutsche Stromnetz als eines der besten auf der Welt gilt, verzeichnet die Bundesnetzagentur jährlich 172.600 Unterbrechungen. Das sind gut 472 Stromausfälle am Tag.

Beinahe Blackout

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Stromausfall in Wiesbaden: Ungefähr 3.500 Haushalte waren betroffen. Bild © hr

Mex trifft Ralf Ackermann, den Präsidenten des Hessischen Feuerwehrverbands in der Leitstelle in Dietzenbach. Seit Jahren rufen hier immer mehr Menschen an, die im Dunkeln sitzen: „Das Thema ist gerade zuletzt durch die Stromausfälle hier im Rhein-Main-Gebiet ein aktuelles Thema. Wir merken halt, dass gerade im Winter der Strombedarf erhöht ist und das Netz nicht mehr so hundert Prozent stabil ist.“ In Wiesbaden kam es jüngst zu Stromausfällen.

Als im letzten Winter gleichzeitig mehrere Kraftwerke abgeschaltet wurden, stand das deutsche Stromnetz kurz vor dem Kollaps. Das sagt einer, der es wissen muss, der Chef des größten deutschen Stromnetzbetreibers Amprion, Klaus Kleinekorte: „Es haben nur wenige Tropfen gefehlt, und es wäre zum Überlaufen gekommen, das heißt Blackout.“

Doch warum ist das Netz nicht mehr stabil? Energieexperte Prof. Peter Birkner vom House of Energy berät das Land Hessen in Sachen Energiewende und Versorgungssicherheit. Er kennt die Antwort: „Ein Kernkraftwerk, ein Kohlekraftwerk steht durchaus 7000, 8000 Stunden pro Jahr zur Verfügung, eine Solaranlage etwa 1000 und eine Windkraftanlage etwa 2000. Das bedeutet, wir brauchen viel mehr installierte Leistung, viel mehr Windkraftanlagen, um die benötigte Menge an Energie zu erzeugen.“

Der Wind weht wie er will

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Probleme wegen der Energiewende

Energie aus Atom- und Kohlekraftwerken war leichter planbar, als witterungsabhängige und über das ganze Land verteilte Windkraft- und Solaranlagen. Dass immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien stammt,  führt zu stärkeren Schwankungen im Netz. Aus jetzt 30 Prozent erneuerbaren Stromquellen sollen künftig 80 Prozent werden.

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Prof. Peter Birkner erklärt: „In der Vergangenheit gab es geregelte gesteuerte Kraftwerke, die haben exakt dies erzeugt, was der Verbraucher angefordert hat. Heute ist es umgekehrt. Der Wind fragt nicht, was ich will, was ich verbrauche, sondern er weht einfach gemäß seinen Gesetzmäßigkeiten.“ Die Energiewende ist für Professor Birkner eine große Herausforderung vor allem für das Stromnetz, das dafür nicht angelegt wurde. Und gleichzeitig ändert sich auch der Verbrauch. Große Rechenzentren verbrauchen allein in Frankfurt mittlerweile so viel Strom wie der gesamte Flughafen.

Blick in einen Operationssaal, in dem ein Mediziner-Team einen Patienten operiert.
Der OP-Bereich muss funktionieren. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Bis der Ausbau des Netzes vorankommt, sollte man sich besser vorbereiten, warnt Frankfurts Feuerwehr-Sprecher Andreas Mohn. Denn die Einsatzkräfte können trotz 27 mobiler Stromerzeugungsgeräte nicht jedem helfen. Hilf dir selbst, lautet die Devise: „Das fängt mit ein paar Kerzen an, Lebensmittel, Wasser, vielleicht auch eine Möglichkeit, etwas zu erwärmen, einen Gaskocher oder Ähnliches.“

Zwei Wochen lang autarker Sendebetrieb 

Im Langener Krankenhaus müssen sie vorbereitet sein. Zuletzt fiel Anfang Oktober der Strom für zwei Stunden aus, doch die Noteinsatzpläne und die vier Notstromaggregate funktionierten einwandfrei. Die wichtigsten Geräte sind mit Hilfe von Batterien doppelt gesichert. Vor allem der OP-Bereich und die Intensivstation werden am Laufen gehalten.

Kameramann im Fernsehstudio
Der Zuschauer sitzt im Dunkeln, aber der hr kann zwei Wochen weiter senden. Bild © hr/Sebastian Reimold

Auch im Hessischen Rundfunk gibt es Vorkehrungen. Stefan Helfrich aus der Leitwarte kontrolliert regelmäßig die großen Diesel-Aggregate, damit im Falle eines Blackouts und damit im Katastrophenfall die Bevölkerung zum Beispiel übers Radio noch informiert werden kann: „Sollte das Stadtnetz ausfallen, passiert Folgendes:  Unsere Aggregate laufen innerhalb von 14 Sekunden an und versorgen den Hessischen Rundfunk wieder mit Spannung.“

Die kurze Zwischenzeit wird mit tausenden Batterien überbrückt. Danach übernimmt der Diesel. Mit über 40.000 Liter im Tank kann der HR den Sendebetrieb bis zu zwei Wochen lang völlig autark aufrecht erhalten. 

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Das Mex-Fazit:

Das Stromnetz steht derzeit vor großen Herausforderungen. Die Energiewende lässt grüßen.  

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Autoren: Christian Lang, Moritz Zimmermann