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zum Video Osthessen-Boom - Wo sich Arbeitnehmer die Jobs aussuchen

Mex zeigt, warum die Wirtschaft besonders in Osthessen im Raum Fulda brummt. Und wie sich Arbeitnehmer hier die besten Jobs aussuchen können.

Wir suchen den Landkreis mit der niedrigsten Arbeitslosenzahl in Hessen. Es ist der östlichste Landkreis Hessens, der Landkreis Fulda mit 2,7 Prozent. Arbeitskräfte werden hier händeringend gesucht. Hier ist der Kampf um Arbeitskräfte in vollem Gange, besonders der um Hochqualifizierte. 1.600 Facharbeiter werden gesucht. 

Die Maschinenbaufirma Wassermann konstruiert Fertigungsanlagen für die Industrie. Moritz Rehberg ist einer der Gesuchten: 26 Jahre , Facharbeiter, er ist noch relativ bei im Unternehmen. Seit sieben Monaten ist er unbefristet beschäftigt. Nach Abschluss der Technikerschule wurde er heiß umworben: „Ich habe konkret drei Zusagen gehabt. Ich habe mich für die Firma Wassermann entschieden, weil es eine sehr moderne Firma ist, weil der Bereich der Elektrotechnik auf- und ausgebaut wird.“

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Arbeitslosenstatistik in Hessen

Hier finden sie die aktuellen Arbeitslosenquoten in Hessen, aufgeschlüsselt nach Städten und Landkreisen. In Hessen sind derzeit 159.034 Menschen ohne Arbeit (Stand Oktober). Die Arbeitslosenquote beträgt 4,8 Prozent.

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Das neue Geschäftsfeld der Firma sind programmierbare Steuerungsanlagen. Hier ist fachliches Know-how gefragt. Und neue Mitarbeiter, erzählt Sabrina Hohmann, Wassermann Technologie: „Wir suchen permanent Leute, haben permanent zwischen 4-6 Stellenanzeigen draußen.“

Dom zu Fulda
Der Dom zu Fulda. Bild © picture-alliance/dpa

Als gelernter Mechatroniker arbeitete Moritz Rehberg vorher in einem Großunternehmen. Nun die bewusste Entscheidung für die Region und in einen familiengeführten, mittelständischen Betrieb: „Das Betriebsklima ist hier wunderbar, nette Arbeitskollegen, man kann hier mal Dialekt schwätzen, das funktioniert wunderbar, das macht einfach Spaß.“ Gute Arbeitsplätze, hoher Freizeitwert, die 67.000 Einwohner-Stadt Fulda vor der Haustür.

Ein Lehrlingsparadies

Weiter geht es rund um Fulda, hier ist auch ein Lehrlings-Paradies. 1.000 Ausbildungsplätze bleiben in diesem Jahr unbesetzt. Im Restaurant Talblick auf dem Hoherodskopf geht  ein Gastronomie-Start Up deshalb völlig neue Wege. Um Azubis zu bekommen, gibt es hier flexible Arbeitszeitmodelle. Davon profitiert Bianca Kneip, 26 Jahre, Koch-Lehrling. Die zweifache Mutter kann ihre Lehre sogar in Teilzeit absolvieren. 30 Stunden die Woche, familienfreundlich.

Ausbildung
Fulda ist auch ein Lehrlings-Paradies. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Mit ihren beiden Kindern wohnt Bianca Kneip in einer Mitarbeiterwohnung über dem Restaurant. Familie und Beruf unter einem Dach, das motiviert und gibt Perspektive, erzählt sie: „Die Kinder sehen, du warst nicht faul daheim, und sehen, du hast trotz Haushalt und Arbeit und Schule und was nicht alles ansteht, deine Ausbildung hinter dich gebracht.“ Mitarbeiterbindung durch Ausbildung und soziale Verantwortung: 2017 bekam die junge Betreibergesellschaft HOWA  den hessischen Gründerpreis für geschaffene Arbeitsplätze.

Breit gefächerter Mittelstand, zentrale geographische Lage, Hessens niedrigste Arbeitslosenquote: Rund um Fulda stimmen die Rahmenbedingungen, sagt Landrat Bernd Woide (CDU): „Wir haben eine der niedrigsten Kreisumlagen in ganz Hessen, wir versuchen, Unternehmen zu unterstützen, Rahmenbedingungen zu schaffen, Infrastruktur, Straßen, Breitband, um eben das Wirtschaften zu ermöglichen. Und das sind, glaube ich, die Erfolgsfaktoren, die uns ausmachen.“

Ein Umzug könnte sich lohnen

Unser letztes Beispiel: Die Region ist sogar ein Paradies für Langzeitarbeitslose. Das Kreisjobcenter vermittelte letztes Jahr 1.100 Menschen in versicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Zum Beispiel in den Gartenbaubetrieb von Wilhelm Hartmann in Fulda. Christian Salomon, 42 Jahre alt, war fünf Jahre ohne Arbeit. Durch ein spezielles Programm des Jobcenters wurde er in den Gartenbaubetrieb vermittelt und eineinhalb Jahre lang im neuen Job betreut. Mit Erfolg: Mittlerweile arbeitet Christian Salomon zwei Jahre fest angestellt im Gartenbaubetrieb. Als der Betrieb expandierte und auch Schneeräumung anbot, bekam auch seine Partnerin Nadine Wingenfeld im Unternehmen eine Chance.

Direkte Kommunikation, persönliche Wertschätzung und Bodenständigkeit: Rund um Fulda liegt das hessische Paradies der Arbeitnehmer. Das Lohnniveau ist vielleicht niedriger als im Rhein-Main-Gebiet, die Lebensqualität aber ist hoch. Der Umzug in den Osten Hessens könnte sich für den ein oder anderen Arbeitnehmer also lohnen.

Autor: Christian Lang