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zum Video Starke Kritik - Wenn Sparkassen ihren Auftrag nicht mehr erfüllen

Kontogebühren, Filialschließungen, Kontrollprobleme: Mex zeigt, wie die Sparkassen in Hessen sich verändern und wieso sie deshalb jetzt in der Kritik stehen.

Die Sparkasse im Zentrum eines Ortes. So ist ihre Philosophie, sagt ein Sparkassen-Werbefilm. Nah am Kunden, so sieht die Sparkasse sich gerne selbst. Außerdem versprechen die Sparkassen „keine Gewinnoptimierung, sondern die Stabilisierung der Region“. Halten sie das ein? Mex geht dieser Frage nach.  

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Die Sparkassenphilosophie

Die Sparkassen hätten stets die Region als Ganzes im Blick, schreibt die Finanzgruppe Hessen-Thüringen auf ihrer Homepage . Hier sehen und lesen Sie, wie die Sparkasse selbst gesehen werden möchte.

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Los geht es mit dem Thema „Gebühren“. Im Gebiet der Sparkasse Darmstadt gibt es noch 36 Filialen. Doch wer hier ein Konto hat, der zahlt. Sogar das Online-Girokonto, bei dem im Grunde alles selbst verwaltet wird, kostet 3,60 Euro im Monat. Einige andere Banken bieten es noch an, das kostenlose Girokonto, gerade online.

Wir treffen den Finanzexperten Rainer Haselmann an der Goethe Universität in Frankfurt. Er sagt, durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen ein Problem: „Die Sparkassen haben deutlich an Rentabilität verloren, sie haben weniger Marge, sie verdienen weniger Geld.“ Die Lösung dafür - neben den Gebühren – ist die Ausdünnung im Filialnetz.  

Mehr Fakten zu den Sparkassen gefällig? Lesen Sie weiter bei Mex erklärt!

Filialsterben in Hessen

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Wann läuft was bei hr3

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zum hr3.de Audio Abhebe-Gebühren bei Sparkassen

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Wir besuchen Astheim. Die Menschen im Ortsteil von Trebur haben es gerade erst erfahren. Die Sparkasse Groß-Gerau macht Anfang 2018 ihre Filiale hier dicht. Die Lokalpolitiker Ralf Nordmann und Constantin Mussel sind in dieser Hinsicht gebrannte Kinder und laufen Sturm. Dass die Sparkassen jahrelang so getan haben, als seien sie eben die Guten, ärgert die Lokalpolitiker besonders. Die eigene Satzung schreibe es ja vor, die Sparkassen sollen in strukturschwachen Regionen bleiben.

Constantin Mussel sagt: „Das ist ihr Plus gegenüber den anderen Banken, dass sie eben vor Ort präsent ist, mit Ansprechpartnern und das bewirbt sie auch. Wenn sie sich dann zurückzieht, ihr Geschäftsmodell ändert oder aufgibt, dann ist das für uns nicht mehr tragbar.“

Und Astheim steht bei Weitem nicht alleine da. Auch in Riedstadt-Crumstadt hat die Sparkasse Groß-Gerau ihre Filiale bereits geschlossen. Geblieben ist immerhin ein Automat. Im Odenwald, in Nieder-Liebersbach, ist man noch einen Schritt weiter. Hier wurde in diesem Jahr auch noch die Automatenfiliale dichtgemacht.

Hessenweit geht das so. Allein im Laufe dieses Jahres hat die Sparkasse 90 Filialen umgewandelt, ganz geschlossen oder die Schließung angekündigt. Betroffen sind die Sparkassen Bensheim, Frankfurt, Gießen, Groß-Gerau, Hanau, Kassel, Marburg, Odenwaldkreis, Schwalm-Eder-Kreis und Weilburg.

„Kunden stimmen mit den Füßen ab“

Die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen begründet ihre Rückzugsstrategie so: "Die Kunden bestimmen durch ihr Verhalten das Angebot der Sparkassen, es gibt eine Abstimmung mit den Füßen. Keine Sparkasse wird eine Filiale schließen, in der es brummt."

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Schriftzug und Logo: Sparkasse

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zum hessenschau.de Audio Wenn der Sparkassen-Kontrolleur überfordert ist

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Experte Rainer Haselmann gibt der Sparkasse an dieser Stelle Recht: „Wenn Sie sagen, die müssten aus einem allgemeinen Auftrag ein enges Filialnetz betreiben, dann ist das etwas, was sie mit Steuergeldern subventionieren würden.“ Was die Kasse aber braucht, ist Aufsicht. Und da hapert es offenbar. Denn im Verwaltungsrat, dem Aufsichtsgremium der Sparkassen, sitzen oft die Falschen, meint Haselmann: „Der Verwaltungsrat von Sparkassen ist größtenteils durch lokale Politiker besetzt, die nicht unbedingt Expertise haben im Kreditgeschäft.“

Wie kompetent sind Hessens Sparkassen-Kontrolleure? hessenschau.de gibt die Antwort.

Mex trifft einen solchen Verwaltungsrat. Der langjährige Lokalpolitiker beaufsichtigte bis zum letzten Jahr eine Sparkasse. Er möchte nicht erkannt werden, auch weil er eigentlich zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Der Lokalpolitiker bestätigt die Kritik des Experten. Er selbst hatte oft keinen blassen Schimmer, von Dingen, über die er entscheiden sollte: „In der ersten Fortbildung waren das für mich böhmische Dörfer, was da zum Teil gesagt wurde, derjenige hat dann seine Fachbegriffe verwendet, ohne zu hinterfragen, ob jeder das auch versteht, was er jetzt meint.“

Für die Sparkassen-Finanzgruppe ist das ein Fall von ‚selber Schuld‘. Zitat Sparkasse:

„Wer ein solches Mandat annimmt, weiß, dass das eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist und das heißt auch, dass man zeitlich in der Lage ist, sich vorzubereiten, sich weiterzubilden.“

Dennoch, sagt unser Insider, er sei bei Weitem nicht der Einzige, der trotz seiner nicht vorhandenen Kenntnisse wichtige Entscheidungen gefällt hat: „Wenn es Entscheidungen waren, die wichtige Wegweisungen getroffen haben für die Geschäftspolitik. Das hätte auch dazu führen können, dass eine Sparkasse plötzlich vor Liquiditätsproblemen steht.“

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Die Mex-Sparkassen Bilanz:

Niedrige Zinsen und die Digitalisierung machen den Sparkassen schwer zu schaffen. Auf ihrem Weg in die Zukunft verspielen sie dabei jede Menge Vertrauen ihrer Kunden.

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Autor: Moritz Zimmermann