Schmerz und Unbeweglichkeit, immer neue Einschränkungen und auf die Hilfe anderer angewiesen sein – das fürchten viele, die erstmals mit der Diagnose "Rheuma" konfrontiert werden.

Doch dank neuer Medikamente und vieler physikalischer Therapiemöglichkeiten wie etwa der legendären Kältekammer können Rheumapatienten heute trotz Erkrankung gut leben - auch weil sie von Ärzten wie Professor Uwe Lange in der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim betreut werden. Geduld und Durchhaltevermögen, Stressresistenz und eine Leidenschaft fürs Puzzeln: All das macht ihn zu einem von Deutschlands besten Rheumatologen. Denn unter dem Begriff "Rheuma" verbergen sich über hundert ganz verschiedene Krankheiten, die sich dazu auch noch in ganz unterschiedlichen Beschwerden äußeren.

Wie Prof. Uwe Lange rheumatischen Krankheiten auf die Spur kommt und wie Patienten dank einer intensiven multimodalen Behandlung wieder eine Besserung verspüren, zeigen wir in unserem 25minütigen Feature.

Weitere Informationen

Unser Experte im Beitrag

Prof. Dr. med. Uwe Lange
Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunktbezeichnung Rheumatologie
Kerckhoff-Klinik GmbH
Benekestr. 2 – 8
61231 Bad Nauheim
Sekretariat Frau Schlichting-Ott
Telefon: 06032 9962146
E-Mail: rheumatologie@kerckhoff-klinik.de

Ende der weiteren Informationen

Spezialisten gesucht

Geschwollene und schmerzende Hände und Füße, jede Bewegung tut weh. In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an Rheuma. Es gibt über 200 verschiedene Arten - die häufigste ist die rheumatoide Arthritis, das entzündliche Rheuma, das vor allem die kleinen Gelenke betrifft. Dagegen verknöchert bei Patienten mit einem Morbus Bechterew die Wirbelsäule. Früher, ohne Therapiemöglichkeiten, krümmten sich die Betroffenen von Jahr zu Jahr mehr vornüber. Rheuma lässt sich heute gut therapieren. Nötig ist dafür eine lebenslange Behandlung bei Ärzten und Therapeuten, die sich auskennen. Doch davon gibt es zu wenige.

Fehlsteuerung im Abwehrsystem

"Rheuma" zählt zu den Autoimmunkrankheiten. Ausgangspunkt ist eine Fehlsteuerung im Abwehrsystem, das plötzlich eigene Körperzellen als fremd erkennt und sich gegen diese richtet und sie bekämpft. Das führt zu einer chronischen Entzündung. Der gesamte Prozess zerstört schließlich Zellen und ganze Gewebestrukturen. Wodurch es zu diesem Fehler im Immunsystem kommt, ist noch nicht geklärt. Vererbung spielt eine Rolle, möglicherweise aber auch Infektionen durch Viren oder Bakterien. Rauchen begünstigt möglicherweise die Krankheitsentstehung, relativ sicher verschlechtert es den Verlauf.

Multimodale Komplex-Therapie

Rheumatherapie
Spielt eine wichtige Rolle bei der Rheumabehandlung: Bewegungstherapie. Bild © hr

Insbesondere wenn Rheumakranke über viele Jahre immer wieder schwere Entzündungsschübe aushalten müssen, ist ein umfassendes und multimodales (auf mehreren Ebenen ansetzendes) Behandlungskonzept notwendig. Neben Ärzten kommen Physiotherapeuten und häufig auch Psychotherapeuten eine wesentliche Rolle zu. Wichtig ist die Abstimmung aller Behandler untereinander, um dann zusammen mit dem Patienten eine geeignete, individuelle Therapie zur Krankheits- und Schmerzbewältigung zusammenzustellen. In der Regel also eine Kombination aus Bewegungstherapie, Medikamenten, Entspannungsverfahren, Psychotherapie und: physikalischer Therapie.

Prof. Uwe Lange ist ein Spezialist auf diesem Gebiet. Unter "physikalische Therapie" fallen Behandlungen mit Massagen (mechanische Reize), Wärme und Kälte (thermische Reize), Wasser (Hydrotherapie, Kneippsche Anwendungen) oder auch Strom (Elektrotherapie). Im Rheumazentrum der Kerckhoff-Klinik kann man sowohl stationär als auch ambulant Hilfe suchen.

Kein "Kochrezept" für alle – Rheumatherapie ist individuell

Die Krankheit verläuft meist in Schüben, ist nicht heilbar, aber dank vieler neuer Medikamente heute meist gut zu behandeln. Je nach Art der rheumatischen Erkrankung kann es schon beim ersten Auftreten zu deutlichen Einschränkungen kommen. Schmerzen können bleiben oder wiederkehren, schwere Schübe können auftreten oder jahrelang ausbleiben. Für die Betroffenen bedeutet das ein Leben mit vielen Unsicherheiten. Neben den körperlichen Auswirkungen lastet die Diagnose auch auf der Seele. Hinzu kommt, dass die Therapie der verschiedenen rheumatischen Krankheiten sehr unterschiedlich und vielfältig ist. Eine bestimmte Behandlung wirkt bei dem einen Betroffenen, beim anderen aber nicht. Vieles in der Therapie resultiert aus der Erfahrung von Ärzten, Physio- und manchmal auch Psychotherapeuten und all den anderen, die wichtig für ein gutes Leben trotz Rheuma sind.

"Rosten" beim Rasten

Rheumatherapie mit warmen Linsen
Vielen Rheumapatienten hilft es, in warmen Linsen zu wühlen. Bild © hr

Bewegung ist für Rheumapatienten enorm wichtig. So wird verhindert, dass die Gelenke versteifen. Entscheidend ist es dabei, gelenkschonend zu üben, am besten unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Und dann zu Hause am Ball zu bleiben: im Idealfall auch hier täglich zu üben! Gegen die Steifheit der Fingergelenke tut den meisten Patienten Wärme gut. Gerade beim Wühlen in warmen Linsen lassen sich die Finger besonders gut bewegen. Alternativ funktioniert das mit Erbsen, Raps oder Ziersteinen genauso gut. Mancher Patient bevorzugt allerdings Kälte. Ob kalt oder warm, diese Art von Training geht auch zu Hause.

Kälter als am Pol - die Kältekammer

Badehose, Mütze, Handschuhe und Socken, mehr haben die Patienten in der Kältekammer nicht an. Dank flüssigem Stickstoff herrschen dort Temperaturen zwischen minus 60 und minus 160 Grad Celsius. Die Patienten tragen zusätzlich noch Mundschutz und Schuhe. Höchstens drei Minuten dürfen sie in der Kammer bleiben und sollen sich dabei bewegen. Die extreme Kälte blockiert die Schmerzsensoren an den Gelenken und die Schmerzbahnen zum Gehirn. Der Effekt hält mehrere Stunden und oft sogar über Wochen an. Bei regelmäßiger Anwendung berichten die Patienten über eine insgesamt deutliche Besserung ihrer Beschwerden.

Intensivtraining in der Klinik

Rheumatherapie
In der stationären Behandlung erhalten Patienten meist ein multimodales Behandlungskonzept, das sich aus verschiedenenn Faktoren zusammensetzt. Bild © hr

Ein dichtes Therapieprogramm lässt sich im normalen Alltag fast nie organisieren. Deshalb ist es gerade für Rheumapatienten empfehlenswert, in regelmäßigen Abständen eine stationäre Behandlung anzustreben. Ziel es ist, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen und Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu erhalten. Rheumapatienten sollten am besten ihren behandelnden Hausarzt oder Rheumatologen auf solche Therapiemöglichkeiten ansprechen.

Rheumaspezialisten dringend gesucht!

Dank neuer Medikamente, vieler physikalischer Therapiemöglichkeiten und auch, weil sie von Ärzten wie Professor Uwe Lange betreut werden, können Rheumapatienten heute trotz der Erkrankung gut leben. Prof. Langes Arbeitstag müsste allerdings wohl eher 16 oder 20 Stunden haben, um für Rheumakranke noch mehr Untersuchungstermine anzubieten. Denn in ganz Deutschland herrscht ein eklatanter Mangel an Rheumatologen. Am deutlichsten in den fünf neuen Bundesländern, doch auch in Hessen ist der Mangel spürbar. Optimal wäre es, wenn jeder Patient mit einer Entzündung in mindestens zwei Gelenken spätestens sechs Monate nach Beschwerdebeginn von einem internistischen Rheumatologen untersucht wird. Die Realität sieht anders aus: Kaum 40 Prozent der Betroffenen erhalten einen Facharzttermin in diesem Zeitraum.

Rund tausend Spezialisten fehlen

Die chronische Erkrankung erfordert schon durch ihren schubweisen Verlauf regelmäßige Arztbesuche. Neben der Untersuchung ist meist ein längeres Gespräch nötig, Beschwerden müssen beschrieben und eingeordnet werden, gemeinsam muss über die weitere Therapie und mögliche Änderungen gesprochen werden. So ein Gespräch braucht Zeit, die aber haben die Rheumaspezialisten nicht. Denn nach Ansicht der ärztlichen Berufsverbände, aber auch von Selbsthilfegruppen wie der Rheuma-Liga müsste es einen Rheumatologen pro 50.000 Einwohner geben – tatsächlich ist es einer für mehr als doppelt so viele Bundesbürger. 600 niedergelassene Fachärzte fehlen, so die Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie im Frühjahr 2017, dazu noch 400 Rheumaspezialisten in Akuthäusern und 80 in Rehakliniken.

Mangel schon seit Jahren

Kein neuer Zustand, denn bereits seit 1994 warnen Rheumaexperten vor der Unterversorgung. Passiert ist bisher wenig. Bei den Medizinstudenten führt die Rheumatologie ein Nischendasein, was vor allem daran liegt, dass Rheumatologie nur in sieben Unis überhaupt ein eigenständiges Fach ist; es gibt nur wenige Lehrstühle oder größere Abteilungen. Mit Rheuma macht man keine Karriere, das kommt bei den Studenten an. Kein Wunder, dass sich nur wenige für diese Fachrichtung entscheiden, zumal sich als niedergelassener Facharzt in anderen Fachdisziplinen deutlich mehr Geld verdienen lässt. Hinzu kommt, dass die Kassenärztliche Vereinigung den Mangel nicht erkennt. Denn nach deren Bedarfsplanungen zählt die Rheumatologie zu dem Gebiet der fachärztlichen Internisten, und hier herrscht Überversorgung.

Frühe Behandlung bessert Prognose

Damit Patienten mit Rheumaverdacht früher von einem Facharzt untersucht werden, haben viele Rheumakliniken seit einigen Jahren eine so genannte Frühsprechstunde eingerichtet. Wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und fachärztlich tätigen Rheumatologen. Den Verdacht stellt der Hausarzt nach seinen Untersuchungen mit Hilfe eines Fragebogens, der eigens dafür entwickelt wurde. Das Formular ist auch im Internet abrufbar (Link weiter unten).

Eine umfangreiche Eingangsuntersuchung wird erst dann veranlasst, wenn der Facharzt die Verdachtsdiagnose bestätigt. Denn nur bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung lassen sich Schäden bis hin zur Invalidität verhindern. Die Weichen werden in den ersten drei Jahren gestellt. Je früher mit einer Therapie von Basismedikamenten begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Zur leitliniengerechten Therapie gehört oft auch ein früher Einsatz der sehr teuren Biologika. Sie können nur vom Facharzt verordnet werden.

Weitere Informationen

Adressen und Internetlinks

Rheuma-Liga Hessen e. V.
Elektronstraße 12 a
65933 Frankfurt am Main
Telefon: 069 357414
E-Mail: rheuma-liga.hessen@t-online.de
Internet: www.rheuma-liga-hessen.de/startseite/

Deutsche Rheuma-Liga
Bundesverband e. V.
Maximilianstr. 14
53111 Bonn
Telefon: 0228 766060
E-Mail: bv@rheuma-liga.de
Internet: www.rheuma-liga.de/

Internetlinks:

  • http://dgrh.de/?id=262

Online-Fragebogen "RheumaCheck" mit dessen Hilfe Betroffene mit einem hohen Risiko für ein entzündliches Rheuma erkannt werden können.

  • www.arbeitskreis-gesundheit.de/

Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von rund 200 bundesdeutschen Rehakliniken. Interessierte finden hier viele Informationen zu einer stationären oder ambulanten Rehamaßnahme. Sehr genau beschrieben ist auch der Weg dahin und an wen man sich wenden kann und sollte.

  • www.rheumanet.org/

Internetseite des Kompetenznetzes „Rheuma“ mit vielen Querverweisen zu Selbsthilfegruppen, Behandlungszentren und Organisationen.

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 04.01.2018, 18:50 Uhr