Zwei Parkplätze zuparken, als Mann den Frauenparkplatz nutzen oder nur kurz in der zweiten Reihe parken - Kavaliersdelikt oder Vergehen?

Der Straßenverkehr kann schnell zur Rechtsfalle und damit teuer werden. "service: zuhause" klärt auf, worauf Sie unbedingt achten sollten.

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Unser Experte im Studio

Kay P. Rodegra
Dozent für Reise- und Luftverkehrsrecht, Fachjournalist
Anwaltskanzlei Rodegra
Schweinfurter Str. 6
97080 Würzburg
Telefon: 0931 - 4654218
E-Mail: RA@rodegra-law.de
Internet: www.rodegra-law.de

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Was droht, wenn ein Auto zwei Parkplätze belegt?

Im öffentlichen Verkehrsraum kostet es zehn Euro Verwarnungsgeld, wenn man mit seinem Auto zwei Parkplätze belegt. Anders ist es in privaten Parkhäusern, denn durch die Nutzung schließt man einen Vertrag mit dem Parkhausbetreiber und verstößt gegen die Pflicht platzsparend zu parken. Der  Parkhausbetreiber darf eine zusätzliche Gebühr erheben  oder sogar ein Hausverbot erteilen.

Dürfen Männer auf Frauenparkplätzen parken?

Ein Ordnungswidrigkeitsgeld gibt es nicht, da der Frauenparkplatz in der Straßenverkehrsordnung nicht existiert. Wenn Männer aber in privaten Parkhäusern auf Frauenparkplätzen parken, verstößt das gegen die Hausordnung des Parkhausbetreibers und dieser kann ein Hausverbot erteilen.

Wie wird Parken in  zweiter Reihe bestraft?

Ein typisches Bild auf unseren Einkaufsstraßen. Viele parken in zweiter Reihe.  Ein Bußgeld von 20 Euro kann hier fällig werden. Wer länger als 15 Minuten in zweiter Reihe parkt zahlt sogar 30 Euro. Lässt das Ordnungsamt Falschparker abschleppen, dann ist nicht nur das Bußgeld fällig, sondern auch die Kosten für das Abschleppunternehmen und das können schnell mehrere hundert Euro werden.

Übrigens: Wer in zweiter Reihe parkt und die Warnblinkanlage einschaltet, wird doppelt zur Kasse gebeten. Das ist nur erlaubt, wenn das Fahrzeug defekt ist oder vor einer Gefahr gewarnt werden soll.  Hier werden noch einmal fünf Euro Bußgeld fällig.

Darf ich ein Auto, das meine Einfahrt zuparkt, abschleppen lassen?

Wenn das Auto auf öffentlichem Grund steht, dann sollte man das Ordnungsamt oder die Polizei rufen – die übernehmen dann das Abschleppen. Steht das Auto auf privatem Grund, dann sind weder das Ordnungsamt oder die Polizei dafür zuständig. Man kann in so einem Fall selbst ein Abschleppunternehmen rufen, muss aber bei der Zahlung in Vorlage gehen und das Geld dann vom Falschparker wieder zurück verlangen. Wichtig ist auch in diesem Fall, die Polizei zu rufen, da der Falschparker vermuten könnte, sein sei Auto geklaut worden und dies bei der Polizei melden.

Was passiert, wenn ich an einem Unfall vorbei fahre, ohne zu helfen?

Die unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand. Es drohen eine empfindliche Geldstrafe oder gar eine Freiheitsstrafe.

Als Ersthelfer am Unfallort - Wie verhalte ich mich richtig?

Für viele Autofahrer ist es die absolute Albtraumvorstellung als erster an eine Unfallstelle anzukommen. Oft wurde der letzte Erste-Hilfe-Kurs zur Führerscheinprüfung gemacht und die Angst, Fehler zu machen ist groß. Der größte Fehler ist aber, tatenlos zuzuschauen und im schlimmsten Fall einfach weiterzufahren. Hier die wichtigsten Regeln:

  • Jeder, der an eine Unfallstelle kommt ist verpflichtet zu helfen: Das Maß der Hilfeleistung richtet sich nach den eigenen Fähigkeiten und auch nach der drohenden Gefahr für das Opfer, also nach der Erforderlichkeit. Bei einer Bagatellverletzung fehlt diese Erforderlichkeit. Diese ist auch dann entfallen, wenn bereits durch andere Rettungskräfte oder fähig erscheinende Personen gewährleistet ist, dass die erforderliche Hilfe geleistet wird.
  • Die eigene Sicherheit beachten: Es nützt weder Ihnen, noch dem Unfallopfer etwas, wenn Sie sich in Gefahr bringen. Wer am Unfallort ankommt, sollte die Warnblinkanlage anschalten und vor dem Verlassen des eigenen Fahrzeugs eine Warnweste anlegen. Damit diese in einer Notsituation auch gleich greifbar ist, sollte sie im Handschuh-Fach oder unter dem Sitz aufbewahrt werden. Ohne Warnweste besteht die Gefahr, dass andere Verkehrsteilnehmer Sie übersehen und im schlimmsten Fall ebenfalls in einen Unfall verwickeln.
  • Unfallstelle sichern: Um Folgeunfälle zu vermeiden, sollte ein Warndreieck ca. 100 Meter von der Unfallstelle platziert werden. Um die eigene Sicherheit nicht zu gefährden sollte man hinter die Leitplanke gehen.
  • Notruf absetzen: Die europaweite Rufnummer 112 wählen und einen groben Überblick über die Situation geben: Wo ist der Unfall passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Sind die Personen noch ansprechbar? Sind Personen im Fahrzeug eingeklemmt? Gibt es eine Rauchentwicklung? Wichtig: Nicht auflegen, sondern Rückfragen der Leitstelle abwarten.
  • Erste Hilfe Maßnahmen starten: Herz-Lungen-Wiederbelebung, stabile Seitenlage – wie geht das nochmal? Keine Panik! Die 112 leitet Helfende am Telefon an und erklärt telefonisch die notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Wenn ich bei der Ersten Hilfe Fehler mache, kann ich dann rechtlich belangt werden?

Wer bei der Ersten Hilfe Fehler macht, einen Verletzten womöglich noch mehr verletzt,  wird straf- und zivilrechtlich nicht belangt. Der einzige Fehler, den man machen kann, ist gar nicht zu helfen. Wer sich unsicher ist, weil der letzte Erste Hilfe Kurs schon lange her  ist, der kann sich im Notfall auch von der 112 telefonisch beraten lassen, was zu tun ist, bis der Rettungswagen eingetroffen ist.

Was droht, wenn Unfälle gefilmt werden?

Es kann eine Straftat sein, wenn ich Menschen in hilfloser Lage, also zum Beispiel Verletzte filme. Möglich ist eine Geldstrafe, die sich nach dem Einkommen richtet oder eine Freiheitsstrafe.

Müssen Autofahrer anhalten, wenn ich auf dem Fahrrad den Zebrastreifen überqueren möchte?

Als Fahrradfahrer hat man keinen Vorrang, wenn man einen Zebrastreifen überqueren möchte, es sei denn, man steigt ab und schiebt, denn dann gilt man als Fußgänger. Aber: Autofahrer müssen auf alle Verkehrsteilnehmer achten und natürlich anhalten, damit es nicht zum Unfall kommt.

Übrigens: Wer als Autofahrer Fußgängern und Rollstuhlfahrern am Zebrastreifen keinen Vorrang lässt, muss mit einem Bußgeld von 80 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Sendung: hr-fernsehen, "service: zuhause", 08.01.2018, 18:50 Uhr

Moderation: Anne Brüning