Fit und gesund sein und bleiben - wer wünscht sich das nicht? Gesunde Ernährung, Bewegung und gute medizinische Behandlungsmethoden sind nötig, damit das gelingt. Doch schon mit gesunder Ernährung tut man sich schwer.

Können wir uns einfach nicht beherrschen? Und: wie sieht es mit Bewegung aus? Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, hat es auch hier schwer. Denn der „normale“ Büroarbeitstag bedeutet – sitzen, sitzen, sitzen und das gefährdet die Gesundheit. "12-mal gesund" gibt Tipps, nimmt Ernährungs- und Bewegungstrends unter die Lupe und zeigt die neuesten Behandlungsmethoden.

12 - Gesundes gegen Fastfood Klassiker
11 - Intervall-Fasten
10 - Gluten-Unverträglichkeit
09 - Rohmilch-Tankstelle
08 - Bewegung im Büro – gesund am Arbeitsplatz
07 - Gemeinsam Gärtnern – der Bewegungstrend aus England
06 - Fit mit Strom?
05 - Wandern als sinnliches Erlebnis
04 - Sensomotorische Einlagen
03 - Phagen – Viren gegen Bakterien
02 - Undercover bei abstrusen Heilern
01 - 140 oder doch besser 120 - wann ist der Blutdruck zu hoch?

12 - Gesundes gegen Fastfood Klassiker

Die Hälfte der Frauen und sogar zwei Drittel der Männer sind hierzulande zu dick. Dass das ungesund ist, wissen wir alle. Heißt das: wir sind unbelehrbar? Schmeckt uns ungesundes einfach besser? Wir machen ein Experiment - mitten in der belebten Fußgängerzone der Frankfurter Innenstadt. Wir bieten zwei Mittagsgerichte an. Currywurst mit Pommes - der Klassiker unter den Mittagsgerichten, aber ziemlich ungesund und mit leichtem Sommergemüse und Putenbrust gefüllte Paprikaschote auf einem Couscousbett. Eine Rezeptempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Clou: Das gesunde Essen kostet nur drei Euro. Die Wurst mit Pommes fünf Euro. Wir wollen wissen, ob der Preis ein Anreiz dafür sein kann, das gesündere Essen zu wählen!

Präventionskampagnen bisher oft wirkungslos

Der Präventionsforscher Prof. Wolfgang Ahrens begleitet unser Experiment. Er schätzt, es geht unentschieden aus. Ahrens beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie man Menschen überzeugen kann, gesünder zu leben. Fazit seiner Forschung: Wissen über eine gesündere Ernährung allein, nützt kaum. "Wir sind ziemlich enttäuscht über die Präventionskampagnen, die wir bisher gemacht haben. Das liegt daran, dass sich die Präventionskampagnen darauf konzentrieren, Menschen zu informieren und glauben, damit sei es getan." Beim Essen entscheidet häufig nicht der Kopf. Jeder weiß, dass Currywurst mit Pommes eine echte Kalorienbombe ist - 1000 Kilokarien und 75 g Fett. Die gefüllte Paprikaschote dagegen nur 440 Kilokalorien und 15 g Fett.

Würden wir eher zu gesunden Lebensmitteln greifen, wenn sie günstiger wären?

Dafür gibt es deutliche Hinweise. In manchen Ländern werden zum Beispiel ungesunde, zuckerhaltige Getränke stärker besteuert. Der Konsum ist dort zurückgegangen. Und wie entscheiden sich die Kunden in unserem Experiment? Über 80% haben sich für die gesunde Variante, die gefüllte Paprikaschote entschieden und der Hauptgrund scheint ein anderer als gedacht. "Hier an der Konstablerwache bekommen Sie so wenig gesundes Essen, hier bekommen sie nur Pommes und Döner und es ist einfach schön, mal was anderes zu bekommen", sagt eine Kundin. Es fehlt also bisher vor allem an gesunden Alternativen, besonders, wenn man es in der Mittagspause eilig hat.

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Das Rezept zum Nachkochen

Gefüllte Paprikaschote mit Putenbruststreifen, Zucchini und Aubergine mit Tomatencouscous und Joghurtdip

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11 - Intervall-Fasten

Viele Menschen machen eine Diät nach der anderen, doch nach kurzer Zeit sind die Kilo wieder drauf, teilweise so mehr als vorher. Das Intervall-Fasten, auch 5:2-Diät genannt, könnte ein Ausweg sein. Fünf Tage in der Woche darf er normal essen. Nur an zwei Tagen muss er sich einschränken. Abnehmen, ohne dauerhaft zu verzichten? Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Leon will es ausprobieren, vier Wochen lang.

Intervall-Fasten – wie geht das?

An den beiden Fastentagen sind 600 Kilokalorien für Männer, 500 Kilokalorien für Frauen erlaubt. Das ist ungefähr ein Viertel des üblichen Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Gemüse, Salat, Obst, eiweißreiche Lebensmitteln wie mageres Fleisch und Fisch, Magerjoghurt oder -quark, Eier oder Hülsenfrüchte sind an den beiden Tagen erlaubt. Auf Kohlenhydrate und Zucker sollte komplett verzichtet werden. Wichtig ist es dazu ausreichend zu trinken: zwei Liter zuckerfreie Flüssigkeit wie Wasser oder Kräutertee.

Die Wirkung des Intervall-Fastens

Das Intervallfasten ist eine "Version light" des klassischen Fastens. Aber auch schon 24 Stunden Verzicht genügen, damit sich verschiedene Körperfunktionen umstellen – mit vielen positiven Folgen. Der Blutzuckerspiegel sinkt – für den Körper das Signal, auf die eigenen Energiereserven zuzugreifen. Er beginnt dann, den in Leber und Muskeln eingelagerten Speicherzucker, das Glycogen, abzubauen. Wenn diese Reserven zur Neige gehen, greift er auf die Fettdepots im Körper zurück. Die Hormone Glucagon und Adrenalin helfen dann, Fettsäure aus dem Fettgewebe zu lösen und als Nahrung für die Muskelzellen und den Herz- und Nierenstoffwechsel bereit zu stellen. Zum anderen wandeln sie Fette in nutzbare Energie für das Gehirn um. Der Fettstoffwechsel kommt also ordentlich in Schwung. Die Folge: man nimmt ab. Außerdem bleibt der gefürchtete Jojo-Effekt aus. Denn die Fastenphasen sind so kurz, dass der Körper seinen Energieverbrauch und Grundumsatz nicht herunter fährt. Im Gegenteil: er wird aktiver, um den kurzfristigen Mangel auszugleichen. Das heißt, der Kalorienbedarf an den `normalen` Tagen bleibt unverändert.

Ideale Kombination: Sport und Fasten

Der Kasseler Sportwissenschaftler Dr. Kuno Hottenrott hat die Wirkung des Intervallfastens in einer dreimonatigen Studie untersucht. 80 Teilnehmer absolvierten ein Lauftraining, eine Gruppe ernährte sich normal, die andere fastete jede Woche an zwei Tagen. Seine Vergleichsstudie belegt, dass der Körper von den kurzen Fastenphasen stark profitiert. Beim Ausdauertraining war die Gruppe der Faster am Ende eindeutig besser. Aber nicht nur das, sagt Kuno Hottenrott: "Der Blutdruck wurde gesenkt, das Körpergewicht reduziert, die Körperzusammensetzung verbessert, der Fettabbau war enorm hoch."

10 - Gluten-Unverträglichkeit

Glutenfreie Lebensmittel gibt es mittlerweile in jedem Supermarkt. Denn immer mehr Menschen leiden unter Magen-Darm-Problemen, wenn Sie Brot, Pasta oder Pizza essen. Ursache kann eine Weizenallergie sein, oder eine Zöliakie - eine Glutenunverträglichkeit. Die Zöliakie ist aber eine seltene Autoimmunkrankheit. Bei vielen Menschen, die glutenhaltige Lebensmittel nicht vertragen, können diese Beiden Ursachen nicht nachgewiesen werden. Warum ist das so?

Gut für die Industrie, schlecht für den Menschen?

Forscher vermuten, dass die zunehmende Glutenunverträglichkeit daran liegen könnte, dass in modernen Züchtungen des Weizens das Protein Gluten verändert wurde - und zwar das Verhältnis zwischen den Bestandteilen Gliadin und Glutenin. Mit einem höheren Glutenin-Anteil wird ein Brotteig beispielsweise deutlich elastischer und lässt sich so leichter und schneller verarbeiten. Das ist gut für die Backindustrie.

Wer Beschwerden hat, obwohl er nicht an einer Zöliakie leidet, sollte eine Zeitlang komplett auf Weizen verzichten. Zwei bis drei Wochen sollten sie diesen Ernährungsplan einhalten. Nur so können sie feststellen, ob die Beschwerden besser werden. Danach können sie mit kleinen Portionen ausprobieren, wie viel sie von den Weizenprodukten vertragen. Denn jeder Mensch verträgt unterschiedlich viel und muss seine persönliche Wohlfühlschwelle selbst herausfinden.

9 - Rohmilch-Tankstelle

Hochwertiges Eiweiß, viel Calcium, wertvolle Vitamine und Mineralien – all das hat die Milch zu bieten - im Prinzip. Wir die Milch ultrahocherhitzt, also eine H-Milch hergestellt, gehen Inhaltsstoffe verloren. Deswegen gibt es einen neuen Trend: frische Milch aus dem Automaten, der sogenannten Rohmilchtankstelle. Einfach Geld einwerfen, eine Flasche unterstellen, Knopf drücken: so leicht kommt man an melkfrische, unbehandelte Milch direkt vom Bauern, die sogenannte Rohmilch.

Gefahr aus dem Milchautomaten?

Professor Usleber am Gießener Institut für Milchwissenschaften sieht diesen Trend mit Sorge. Denn für kleine Kinder, Schwangere oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann Rohmilch ein Gesundheitsrisiko darstellen. Denn "Rohmilch" wird weder erhitzt, noch homogenisiert, sondern nur gefiltert und gekühlt. So bleiben zum Beispiel die Vitamine E, D, B und das wichtige B12 erhalten. Milch ist allerdings nicht nur für den Menschen ein ideales Lebensmittel, sondern auch für jede Art von Bakterien. Es gibt eigentlich keinen Krankheitserreger, der sich in Milch nicht wohlfühlt, meint Prof. Usleber. "Salmonellen, Listerien, EHEC- Keime - im Prinzip das ganze Spektrum von Lebensmittelvergiftern kann sich darin finden."

Was versteckt sich in der Rohmilch?

Wir von "alles wissen" wollten das genau wissen und haben fünf verschiedene Proben von hessischen Rohmilchanbietern in das Labor nach Gießen gebracht. Dort wurden sie auf ihre Keimbelastung untersucht. Prof. Dr. Ewald Usleber erläutert seine Ergebnisse: "In dreien davon haben wir recht deutliche mikrobiologische Befunde gehabt. In der ersten Probe sehr hohe Keimzahlen, Millionen, darunter jede Menge Darmbakterien, über 100 000 pro Milliliter. In einer anderen Probe Eitererreger, auch in sehr, sehr hoher Zahl und in der dritten eine hohe Zahl an Verderbniserregern."

Damit waren drei unserer fünf Stichproben so stark verkeimt, dass durch das Trinken dieser Milch durchaus eine Durchfallerkrankung drohen kann. Abkochen würde diese Keime unschädlich machen, allerdings wären dann auch einige der "guten" Inhaltsstoffe der Milch dahin. Und auf deren positive Auswirkungen für die Gesundheit schwören die Befürworter.

Das Gute in der Rohmilch - der Bauernhofeffekt

Eine 2014 erschienene Studie von europäischen Kinderärzten stellt fest: Frische Rohmilch vom Bauernhof schützt Kinder vor Atemsweginfektionen, Schnupfen, Mittelohrentzündung und Fieber. Das könnte an dem sogenannten "Bauernhofeffekt" liegen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die in einem ländlichen Milieu und mit Tieren groß werden, mit den in der Rohmilch enthaltenen Keimen gut umgehen können. Kinder, die in einer städtischen, keimarmen Umgebung aufwachsen oder Erwachsene mit einem schwachen Immunsystem könnten durch die Keime, die in unseren fünf Proben gefunden wurden aber durchaus erkranken.

Deswegen findet sich auf den Rohmilchautomaten auch ein Hinweis, dass die Milch vor dem Verzehr abgekocht werden sollte.

8 - Bewegung im Büro – gesund am Arbeitsplatz

Die Deutschen bewegen sich zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene Studien. 46 Prozent aller Berufstätigen arbeiten demnach vorwiegend im Sitzen. Menschen mit Bürojob kommen so im Durchschnitt auf insgesamt 11 Stunden am Tag. Und das ist ein Problem!

Gesundes Verhalten, gesundes Arbeiten

Denn es wird immer deutlicher, dass dieses lange Sitzen einer der größten gesundheitlichen Risikofaktoren ist. Mediziner warnen: je länger wir sitzen, desto weniger werden unsere Muskeln und Organe durchblutet und desto höher ist das Risiko für Rückenschmerzen oder Herzkreislauferkrankungen. Im Juli 2015 ist ein neues Präventionsgesetz in Kraft getreten. Arbeitgeber sind darin aufgefordert, Mitarbeiter aktiv dabei zu unterstützen ihren Arbeitsalltag gesünder zu gestalten.

Gefahr durch die "Sitzkrankheit"

Sportlehrer Michael Ammermann, zuständig auch für das Gesundheitsmanagement der Barmer Ersatzkasse und Arbeitsmediziner Dirk-Matthias Rose von der Universität Mainz haben einen Verhaltensplan für eine Person mit typischem Bürojob entwickelt.

Laut Plan sollte man:

  • jede halbe Stunde eine kleine Bewegungspause einlegen
  • jede Stunde eine Augenpause
  • zweimal am Tag eine große Bewegungspause
  • und einmal am Tag eine Fitnesseinheit für das Gehirn einbauen

Lässt sich das überhaupt mit dem Arbeitstag vereinbaren?

Kleine Bewegungspausen - großer Effekt

Kleine Bewegungspausen lassen sich sehr gut in den Arbeitstag integrieren: zum Beispiel kann man beim Telefonieren aufstehen und sich ein wenig bewegen, mit Kniebeugen im Einbeinstand oder der Venenpumpe, das heißt die wechselnde Anspannung der hinteren und vorderen Wadenmuskulatur. Eine weitere Empfehlung: Mülleimer oder Drucker nicht direkt am Schreibtisch zu platzieren. So ist man gezwungen, immer mal aufzustehen und sich zu bewegen. Denn das Sitzen ist eine unnatürliche Haltung für den Menschen und eine große Belastung für die Bandscheibe.

Große Bewegungspause – gute Prophylaxe

In der großen Bewegungspause heißt es gut 20 Minuten lang den Schreibtisch verlassen und stramm gehen, joggen, Treppen steigen oder Rad fahren. So wird der Kreislauf in Schwung gehalten, einer Gewichtszunahme und langfristigen Stoffwechselschäden, wie Diabetes, vorgebeugt.

Augenpausen - einfach mal fern sehen

Wichtig ist es auch, regelmäßig den Augen eine Pause zu gönnen. Wenn wir lange auf den Bildschirm starren, vergessen wir oft zu blinzeln. Die Folge: der Tränenfilm reißt auf und das Auge wird anfällig für Entzündungen. Außerdem kann das „Starren“ auf die Dauer dem Auge schaden. Idealerweise sollte man jede Stunde das Auge fünf bis zehn Minuten lang entspannen, in dem man in die Weite blickt. Auch im schnellen Wechsel zwischen in die Weite und die Nähe blicken tut dem Auge gut und trainiert es.

Fit im Kopf!

Gehirntraining kann helfen, den Stresslevel zu senken und die Gehirnzellen aktiv zu halten. Das funktioniert ebenfalls gut mit Bewegung, zum Beispiel mit einer Koordinationsübung. Tipp: versuchen Sie mal zwei unterschiedliche Gegenstände gleichzeitig in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen! Damit aktiviert man gleichzeitig die rechte und linke Gehirnhälfte. Und das macht nicht nur Spaß, sondern: wer regelmäßig beide Gehirnhälften stimuliert, fördert langfristig eine hohe Leistungsfähigkeit.

Bewegung auch nach dem Feierabend

Versäumte Bewegung lässt sich nicht einfach abends „Nachholen“. Deswegen sind die Arbeitgeber gefordert, Bewegung am Arbeitsplatz zu ermöglichen und sie profitieren ja auch davon, wenn ihre Mitarbeiter „gesünder“ sind. Außerdem wichtig: nach der Arbeit Sport zu treiben.

7 - Gemeinsam Gärtnern – der Bewegungstrend aus England

GreenGym, also übersetzt in etwa: "Fitness-Studio im Grünen" ist eine Mischung aus Sport und Gärtnern. In England gibt es schon tausende von Anhängern. Die positiven Effekte sind so groß, dass GreenGym von der britischen Gesundheitsbehörde öffentlich gefördert und beworben wird. Studien aus Oxford zeigen, dass das Gemeinschaftsgärtnern sich positiv auf Psyche und Körper auswirkt. Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden vorgebeugt. Auch in Deutschland gibt es GreenGym Gruppen.

So funktioniert GreenGym

Das Fitnessprogramm folgt einem klar strukturierten Ablauf und wird von geschulten Trainerinnen und Trainern geleitet. Eine Trainingseinheit dauert insgesamt drei Stunden. Zu Beginn stehen 15 Minuten lang leichte Yoga und Fitness-Übungen auf dem Programm, um sich aufzuwärmen. Es folgt eine kurze Vorbesprechung und das Einweisen in die Werkzeuge – genau fünf Minuten lang. So schreibt es das Konzept aus England vor. Danach beginnt die erste von zwei Arbeitseinheiten. Diese dauert 55 Minuten.

Wie gesundheitsfördernd ist GreenGym wirklich?

Aber was bringt GreenGym tatsächlich für unseren Körper? Kann es Sport ersetzen? Wir haben den Sportwissenschaftler Dr. Gunnar Liedtke von der Uni Hamburg gebeten, uns dabei zu helfen, GreenGym zu analysieren. Er wird dafür typische Leistungstests machen. Dafür zieht sich der Mitbegründer der Hamburger GreenGym-Gruppe Norbert Nähr eine Atemmaske auf. Die Maske ist an ein mobiles Testgerät angeschlossen. Aus dem Sauerstoffverbrauch kann man exakt berechnen, wie viel Kalorien die körperliche Aktivität verbraucht.

Prima Ganzkörpertraining

Dr. Liedtke notiert außerdem in einem Protokoll, welche Bewegungen der Garten-Sportler ausführt, denn beim Gärtnern werden jede Menge Muskeln eingesetzt und damit auch trainiert. Norbert Nähr ist fast ununterbrochen in Bewegung: Unkraut jäten, harken, Brennesselwurzeln aus dem Boden rupfen. Das ist anstrengend und Dr. Gunnar Liedtke bestätigt: "Im Grunde ist das eine gute Ganzkörperbewegung und damit ein gutes Ganzkörpertraining."

Sportliche Aktivität, die allen nützt

Anders als bei herkömmlichen Sport steht bei GreenGym die Bewegung gar nicht so sehr im Mittelpunkt, erzählt Norbert Nähr. "Was ich sehr schätze, ist vor allem der direkte Kontakt mit der Natur, das sinnliche Erlebnis." Dazu kommt noch der Gedanke sportliche Aktivität mit einer Arbeit zu kombinieren, die allen zu Gute kommt. Gemeinsam wird mit Grünflächenämtern und Parkverwaltungen geschaut, welche Arbeiten ausgeführt werden können. Arbeiten, für die professionelle Gärtner meistens keine Zeit oder Kapazitäten haben.

Beeindruckender Kalorienverbrauch

Nach einer zweiten 55 Minuten Arbeitseinheit bringen die Teilnehmer die Geräte zurück. Danach wird beim so genannten "Cool Down" die beanspruchte Muskulatur gedehnt. Und was sagen die gesammelten Messdaten?

Norbert Nähr hat bei dem dreistündigen GreenGym-Training etwa 800 Kilokalorien verbraucht. Das entspricht zehn Kilometern joggen im Park. Der Sportwissenschaftler ist beeindruckt: "Aus gesundheitlicher Sicht ist GreenGym eine Superalternative zum Ausdauersport."

6 - Fit mit Strom?

Schlank, durchtrainiert und fit! All das in nur 20 Minuten pro Woche. Das soll das Elektro-Myo-Stimulationstraining, kurz EMS, bewirken. Klingt super. Aber immer wieder sind Warnungen zu lesen: Achtung "gefährliche Stromstöße." "Training mit Risiken". Wir wollen wissen: Ist EMS eine effektive Trainingsmethode oder doch eher gefährlich?

Alte Technologie neu entdeckt

EMS beruht auf Anwendungen der Physio- und Rehabilitationstherapie. Dort arbeitet man schon seit vielen Jahren mit Strom. Elektroden, die auf die Haut geklebt werden leiten den Strom durch den Körper. So werden Muskelkontraktionen gezielt herbeigeführt. Diese sogenannte Elektrotherapie, auch Reizstromtherapie genannt, wird zur Behandlung von Schmerzen, Missempfindungen und zur Kräftigung schwacher Muskulatur angewendet. Als Sportersatz waren diese Therapien bisher nicht gedacht. Wie gesund ist die Methode, wenn sie als Sport betrieben wird?

Gefahr durch Überlastung

Die Geräte in den EMS-Studios, stimulieren alle Muskeln im Körper gleichzeitig, dadurch wird eine fast hundertprozentige Auslastung der Muskeln erreicht. Man nimmt verschiedene isometrische Halteübungen ein, dann fließt vier Sekunden Strom, danach vier Sekunden Pause. Zwischendurch wird die Position gewechselt. Da das sehr anstrengend ist, muss man 100% gesund sein, wenn man trainiert und darf das Training auch nicht übertreiben, ein- bis höchstens zweimal in der Woche. Ausgenommen vom EMS Training sind Träger von Herzschrittmachern.

5 - Wandern als sinnliches Erlebnis

Barfußgehen - nicht nur am Strand! Barfußlaufen soll richtig gesund sein und immer mehr Menschen versuchen es mal "unten ohne". Es gibt sogar Barfuß-Wandergruppen.

Barfuß im Mittelfußgang

Richtiges Barfußgehen muss man erst lernen - zum Beispiel bei einer Wanderung mit Burkhard Reinberg. Er läuft bereits seit über 20 Jahren Barfuß und erklärt als erstes den Mittelfußgang. Das bedeutet: nicht mit der Ferse zuerst auftreten, sondern mit dem vorderen Fußbereich. Wer auf diese Art barfuß geht, schont nicht nur die Fußgelenke, sondern auch Knie und Wirbelsäule. Allerdings kann das Laufen über Schotter und Steine durchaus auch schmerzhaft sein. Doch die gesunden Aspekte des Barfußlaufens überwiegen.

Barfußgehen nicht nur gut für die Füße

Orthopäde Dr. Thomas Schneider sagt, dass die Muskulatur im Fuß von Schuhträgern regelrecht verkümmern kann. Barfußlaufen habe deshalb positive Effekte für den gesamten Bewegungsapparat. "Jeder einzelne Schritt, den wir barfuß machen, hat eine viel stärkere Aktvierung nicht nur der Fußmuskeln, sondern der gesamten Muskeln am Bein zur Folge – und zwar bis in die Wirbelsäule hinein." Barfußlaufen schont den ganzen Körper, da dabei der vordere Fußteil sanft auf dem Boden aufsetzt. "Die Auswirkungen eines solchen dämpfenden Ganges für Knie und Hüfte sind sicher positiver zu bewerten als bei einem Gang, bei dem man stark auf der Ferse landet", erläutert der Orthopäde und empfiehlt uns unsere Füße so oft wie möglich von Schuhen zu befreien.

Barfußwandertipps vom Profi

Barfußlaufen ist für fast jeden eine echte Wohltat, erklärt Burkhard Reinberg. Weniger geeignet ist es für Diabetiker, da sie oft ein gestörtes Schmerzempfinden haben und dadurch Verletzungen nicht gleich bemerken. Oder für Menschen, die gegen Insektengift allergisch. Wer bereits Probleme mit den Füßen hat, sollte auf jeden Fall zuvor medizinischen Rat einholen. Generell gilt: Jeder Barfußläufer sollte eine Tetanus-Impfung haben. Denn schon kleine Verletzungen können zum lebensgefährlichen Wundstarrkrampf führen. 

4 - Sensomotorische Einlagen

Wer hätte gedacht, dass Rücken- oder Nackenschmerzen und verkrampfte Schultern durch Probleme der Füße verursacht werden können? Abhilfe versprechen sogenannte: Sensomotorische Einlagen. Diese werden immer häufiger von Orthopäden und Orthopädieschuhmacher empfohlen.

Rückenschmerzen durch falsche Fußstellung?

Jendrick Haubrich leidet unter starken Schmerzen im ganzen Körper, hauptsächlich im Rückenbereich. Er sucht Hilfe beim Orthopäden Dr. Hausecker in Frankfurt. Nach gründlicher Untersuchung kommt der Arzt zu dem Schluss: ein extremer Knickfuß ist die Ursache der Beschwerden. Die Fehlstellung führt zu einem nach innen gedrehten Knie, das verursacht eine verdrehte und abgesenkte Hüfte, die wiederum eine gekrümmte Wirbelsäule und eine schiefe Haltung. Ein Dominoeffekt, der in vielen Teilen des Körpers Schmerzen, Schon- und Fehlhaltungen auslöst.

Einlagen verändern Körperhaltung

Der Orthopäde empfiehlt seinem Patienten sensomotorische Einlagen. Diese arbeiten mit flachen Druckpolstern, die gezielt Nerven in der Fußsohle reizen. Diese geben Impulse an bestimmte Muskeln und Muskelgruppen im Fuß und im Körper weiter, die darauf reagieren. Das Ziel: Der Körper soll durch die Reize von unten Muskeln aktivieren, den Fuß aufrichten – und damit die Statik des gesamten Körpers verändern.

Sensomotorische Einlagen sind kein Wundermittel!

Sensomotorische Einlagen regen zwar den Körper an, aber für einen nachhaltigen Erfolg braucht es zusätzlich eigenen Einsatz. Regelmäßiger Sport, um die Muskelarbeit zu unterstützen, Laufen auf verschiedenen Untergründen, eventuell aber auch gezielte Krankengymnastik. Und sie funktionieren nur bei Patienten bei denen Nerven und Muskeln genügend ansprechbar sind.

Die Wirkweise und Effektivität von sensomotorischen Einlagen ist bisher wissenschaftlich nicht belegt, deshalb  werden die Kosten von vielen Krankenkassen nicht oder nur zum Teil übernommen.

3 - Phagen – Viren gegen Bakterien

Christine Rohde und Johannes Wittmann sind auf der Jagd nach Viren, die bakterielle Krankheitserreger bekämpfen – sogenannte Bakteriophagen. Im Flusswasser der Oker wollen die Braunschweiger Mikrobiologen fündig werden. Im Moment suchen sie Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa - ein multiresistentes Bakterium, das unter anderem schwerste Lungenentzündungen auslösen kann.

Kleine Phagen gegen große Bakterien

Doch wie können Phagen Bakterien bekämpfen? Zunächst dockt der Phage an die Zellwand des Bakteriums an. Dann bohrt er hindurch und injiziert sein Erbgut ins Innere. Daraus werden neue Phagen gebildet. Die setzen nun ein Enzym frei, das die Zellwand auflöst und das Bakterium endgültig zerstört. Die freigesetzten Phagen suchen sich nun die nächsten Opfer. Gibt es keine Opfer mehr, zerfallen die Phagen.

Erfolg im Labor

Im Labor haben die Wissenschaftler Proben des Wassers auf den Nährboden einer Petrischale gestrichen. Dort befinden sich bereits die Pseudomonas-Bakterien. Gelingt es den Phagen tatsächlich die gefährlichen Bakterien zerstören? "Ja, wir hatten richtig Glück", sagt die Forscherin. "Wir haben einen sehr aktiven Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa gefunden." Christine Rohde zeigt uns die Petrischale, auf der Phagen regelrechte Löcher in die Bakterienkultur  gefressen haben.

Phagentherapie nur in Ausnahmefällen

Trotz dieser Fähigkeiten sind Phagen bei uns nicht offiziell zur Behandlung von Infektionskrankheiten zugelassen. Nur in Notsituationen dürfen Mediziner sie nutzen. "Aber es braucht sehr viel bürokratischen Aufwand und Versicherungsaufwand bis es dazu kommt", erläutert Rohde.

Und so kommen Phagen-Präparate bei uns nur selten zum Einsatz. Carola H. war so ein Fall. Bei einer Knieoperation infiziert sie sich mit multiresistenten Bakterien – und lebt jahrelang mit einer offenen Wunde. "Jede Bewegung", sagt sie, "jeder Schritt, alles Schmerzen, alles wird zur Katastrophe."

Die Ärzte sehen nur noch einen Ausweg: Die Amputation des Beins. Doch dann erfährt Carola H. zufällig von der Phagentherapie. Sie findet einen Mediziner, der sie damit behandelt. Und tatsächlich: Die jahrelang offene Wunde schließt sich. "Das war für mich eigentlich unfassbar", erinnert sie sich.

Medikamente der Zukunft?

Phagen haben noch einen großen Vorteil: Sie greifen nur bestimmte Bakterien an. Anders als Breitband-Antibiotika zerstören die eingesetzten Phagen also nicht alle Bakterien, sondern nur die krankmachenden. All das weckt große Hoffnungen. Hier in Braunschweig lagern – gekühlt in flüssigem Stickstoff – mehr als 500 verschiedene Phagenarten. Und so manche davon lassen sich nicht nur gegen chronische Wunden, sondern auch gegen andere Erkrankungen, die durch resistente Bakterien verursacht werden, einsetzen.

2 - Undercover bei abstrusen Heilern

Naturheilkunde und sanfte Medizin sind in. Auch bei lebensbedrohlichen Krankheiten wie Krebs suchen die Patienten nach einer Alternative zu Chemo- und Strahlentherapie mit ihren zahlreichen Nebenwirkungen. Doch hinter dem schönen Schein der Alternativmedizin verbirgt sich oft eine Medizin, die keine Wirkung zeigt. Scharlatane – darunter Ärzte und Heilpraktiker – verdienen Geld mit falschen Heilsversprechen. Den Preis zahlen die Patienten: Sie kostet das Ganze nicht nur viel Geld, sondern unter Umständen sogar das Leben.

Eine Reise zu alternativen Krebsheilern

Wir wollen wissen, was hinter den Türen alternativer Krebspraxen geschieht. Ein Testpatient, wir nennen ihn Niko Scholze, wird uns dabei helfen. Er gibt vor, das Hodgkin-Lymphom zu haben, eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Das Besondere daran: Dieser Krebs ist sehr gut zu heilen, und zwar durch eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. "Es gibt durchaus Situationen, in denen man die Chemotherapie mit ihren Nebenwirkungen infrage stellen kann, allerdings nicht beim Hodgkin-Lymphom", sagt Professor Peter Borchmann von der Universität Köln, international anerkannter Spezialist für das Hodgkin-Lymphom. Denn diese Erkrankung sei heilbar, und zwar mit einer Chance von rund 80 Prozent. Deshalb kann sich Professor Borchmann nicht vorstellen, dass alternative Heiler einen Hodgkin-Patienten überhaupt behandeln würden.

Handauflegen gegen Krebs

Doch die Realität sieht anders aus: Wir besuchen eine Geistheilerin, die gemeinsam mit einem Arzt arbeitet. Die genaue Diagnose interessiert sie nicht. Krebs ist für sie Krebs. Niko erzählt, dass er Angst vor der Chemotherapie hat, und die Heilerin bestärkt ihn: "Wenn Sie mein Sohn wären, dann würde ich sagen: Finger weg von der Chemo! Mach es nicht." Öffentlich würde sie solche Aussagen nie machen, und genau deshalb sind wir undercover in der Praxis. Die Heilerin warnt vor der Chemotherapie, denn die mache den Kontakt zu den geistigen Welten kaputt. Bei der anschließenden Heilbehandlung spricht sie Gebete, zum Teil auf aramäisch. Schließlich übernimmt ihr Kompagnon, der Arzt. 90 Euro kostet die Zeremonie – und dafür gibt es am Ende drei konkrete Tipps: "Suchen Sie nach Vitamin B 17. Informieren Sie sich. Kommen Sie zu uns. Ein Mal im Monat reicht aus, aber wenn Sie wollen, können sie auch öfter kommen. Und zünden Sie in der Kirche eine Kerze an und beten zur Schwarzen Muttergottes."

Was bringen sogenannte Wundermittel?

Vitamin B 17 ist kein Vitamin, sondern ein Stoff namens Amygdalin oder Laetril. Die Substanz kommt in den Kernen von Aprikosen, Bittermandeln und einigen anderen Früchten vor. Sie wird als alternatives Krebsmittel beworben. Doch das Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn warnt: Für die Wirksamkeit von Amygdalin gibt es keinen Beleg. Für die Gefährlichkeit jedoch schon, denn im Körper entsteht daraus Blausäure. An der Universität Köln besuchen wir das Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren. Hier können sich Krebspatienten beraten lassen, wenn sie zusätzlich zur Schulmedizin etwas anderes ausprobieren wollen. Josef Beuth ist ein Experte für alternative Heilverfahren, ein Bereich, in dem sich nur wenige Krebsmediziner auskennen. Generell rät er Patienten: "Seien Sie vorsichtig, wenn jemand sichere Heilung ohne Nebenwirkungen verspricht. Misstrauisch sollten Sie werden, wenn von einer Zweitmeinung abgeraten wird und wenn hohe Summen bar bezahlt werden müssen."

1 – 140 oder doch besser 120 - wann ist der Blutdruck zu hoch?

Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Oft geht ihnen ein zu hoher Blutdruck voraus, den hat hierzulande fast jeder zweite Erwachsene. Doch ab wann ist Bluthochdruck überhaupt therapiebedürftig? In den letzten Jahren gab es immer wieder Änderungen in den ärztlichen Empfehlungen, ab wann der Blutdruck gesenkt werden sollte. Eine großangelegte Studie in den USA führte zu aufsehenerregenden Schlagzeilen: "120 ist das neue 140", "je niedriger desto besser", "Wendemarke 120". Das verunsichert Patienten.

Was ist ein normaler Blutdruck?

Laut medizinischen Leitlinien gilt derzeit ein Blutdruck von unter 140 zu 90 mmHg als normal. Bei älteren Menschen werden häufig auch höhere Werte akzeptiert, bevor eine Behandlung empfohlen wird.

Was passiert bei Bluthochdruck?

Der hohe Druck verändert die Gefäße. Die Gefäße werden weniger elastisch, die feine Auskleidung ihrer Innenwände wird geschädigt. Ablagerungen können sich schneller festsetzen. Der Durchmesser der Adern wird verringert, der Blutdruck steigt dadurch weiter an. Besonders gefährlich ist das für die Funktion der Nieren, die Versorgung des Herzens und des Gehirns. Nierenschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz drohen. Außerdem: Muss das Herz ständig gegen den hohen Druck anpumpen, vergrößert es sich, kann dann aber nicht mehr ausreichend versorgt werden. Die Folge: Herzschwäche. Es ist also sinnvoll Bluthochdruck zu behandeln.

Ergebnisse der neuen Studie (Sprint-Studie)

In der großangelegten US-Studie wurden fast 9400 Patienten untersucht. Die eine Hälfte wurde durch Medikamente auf einen systolischen Blutdruck von kleiner 140 mmHg eingestellt, die andere Hälfte auf 120 mmHg.

Die Ergebnisse der sogenannten Sprint-Studie scheinen eindeutig: In der 120er Gruppe gab es deutlich weniger Herzkreislauferkrankungen, vor allem weniger Fälle von Herzschwäche. Zudem gab es gut 25 Prozent weniger Todesfälle. Aber bevor jetzt 24 Millionen Hochdruckpatienten in Deutschland Angst bekommen, noch mehr Medikamente nehmen zu müssen oder mit denen, die sie nehmen schlecht versorgt zu sein, sehen wir uns die Studien mal etwas genauer an.

Genauer hinschauen

Der Vorsitzende der Deutschen Bluthochdruckliga Prof. Martin Hausberg hat die neue Studie analysiert und fasst zusammen: "Die Sprint-Studie bezieht sich auf Patienten im Alter von über 50 Jahren mit einem Blutdruck von mindestens 130 mmHg, für die mindestens noch eines der folgenden Kriterien gilt: Nämlich entweder ein Alter über 75 Jahre. Oder folgende weitere Erkrankungen: Niereninsuffizienz, Nierenschwäche, bekannte kardiovaskuläre Erkrankungen oder ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, das nach einem standardisierten Verfahren bestimmt wurde." Von insgesamt ca. 24 Millionen Hochdruckpatienten treffen diese Voraussetzungen auf schätzungsweise eine Million Patienten in Deutschland zu.

Für die in der Studie untersuchten Hochrisikopatienten ist ein niedrigerer Blutdruck offensichtlich gesünder. Und das überrascht viele Experten, zumal es bislang als zu nebenwirkungsreich galt, sehr alte oder durch weitere Erkrankungen belastete Menschen auf einen niedrigen Blutdruckwert einzustellen.

Nur mit engmaschiger Überwachung

Doch auch hier gibt es ein "aber", so Prof. Martin Hausberg: Denn, diese Patienten dürfen nur dann auf einen Blutdruck von 120 mmHg eingestellt werden, "wenn die Patienten engmaschig überwacht werden, also sich einmal pro Monat zur Kontrolle vorstellen." Grund dafür: Die Nebenwirkungen steigen bei dieser intensiven Therapie tatsächlich an. Gefährliche Elektrolytstörungen, Nierenversagen, Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit. Diese Nebenwirkungen sind nur kontrollierbar, wenn die Patienten in sehr kurzen Abständen untersucht werden.

Prof. Hausberg zieht das Fazit: "120 ist nicht das neue 140 ist, sondern 120 nur für einige, 140 für fast alle."

Autorin: Sabine Guth
Autorin: Claudia Ruby (2 - Undercover bei abstrusen Heilern)

Sendung: hr-fernsehen, "12-mal gesund", 08.01.2018, 21:45 Uhr