Das Haus ist bescheiden und eher unscheinbar, weder besonders groß noch wertvoll - und doch so begehrenswert, dass der 89-jährige Erwin Rothmeier seit zwanzig Jahren all seine Zeit, Kraft und viel Geld einsetzt, um wieder in den Besitz dieses Hauses zu kommen. Nach der „Wende“ glaubte er, der seit den 1950er Jahren im Westen lebte, das sei kein Problem. Schließlich hatte er es ja ganz offiziell und mit Eintrag ins Grundbuch von seiner Mutter geerbt. Doch da steht heute ein anderer Eigentümer eingetragen. Bernd Buchwaldt und seine Familie kauften das Haus, nachdem der sozialistische Staat die Vorbesitzer kurzerhand enteignet hatte. Ungerecht und ungesetzlich findet das der Alteigentümer Erwin Rothmeier. Doch damit nicht genug, er bezweifelt, dass der Kauf überhaupt legal zustande kam. Seit Jahren wühlt er sich mit einigen Leidensgenossen durch Akten, Grundbücher, Gesetzestexte und findet immer neue Indizien dafür, dass hier im großen Stil nach der „Wende“ gefälscht und manipuliert wurde, um die Alteigentümer um ihren Besitz zu bringen. Der jetzige Hausherr weist diese Anschuldigungen weit von sich, und auch die Gerichte haben bisher gegen Erwin Rothmeier entschieden. Doch der nächste Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens ist bereits in Arbeit. Denn schließlich, so rechtfertigt sich der alte Herr, gehe es hier nicht nur um Besitz, sondern um Gerechtigkeit.