„Endlich fühle ich mich in meinem Körper zuhause!“ Das sind Robins erste Worte nach der Mastektomie. In einer langwierigen OP hat Robin sich den Busen entfernen und einen männlichen Oberkörper machen lassen. „Eine totale Befreiung“, so Robin, und schaut sich überglücklich an. Doch die männliche Brust macht Robin noch lange nicht zum Mann, denn Robin ist nicht-binär bzw. agender, also geschlechtslos.

Während der gesamten Jugendzeit kam immer wieder die Einsicht: Ich bin anders als andere. Doch lange hing Robin in der Luft. Erst mit 22 Jahren sei der Knoten geplatzt. In einem Jugendtreff für queere Menschen trifft Robin das erste Mal auf junge Leute, die trans bzw. nicht-binär sind. Für Robin die Selbsterkenntnis: So bin ich auch. Es folgt das Outing, gegenüber den Eltern, der besten Freundin und dem Partner. Die Reaktionen sind positiv. Für den Partner ist schnell klar: Seine Liebe zu Robin ist personenbezogen, das Geschlecht ist ihm egal. Sie bleiben ein Paar. Robin hat ihn von Anfang an mit auf die Reise der eigenen Anpassung genommen. Erst die Hormonbehandlung, Robin hat heute eine tiefe Stimme, Bartwuchs und Haare am Körper, dann die Mastektomie. Lebensentscheidungen, die nicht rückgängig zu machen sind.

„Für mich, meinen Körper und meine Seele bin ich definitiv angekommen, in der Gesellschaft aber noch nicht.“ Wissen und Verständnis für queere Menschen müsse noch wachsen. Robin klärt ehrenamtlich mit Workshops für Schüler und Azubis über queere Menschen auf. „Ich kämpfe weiter, dass ich so akzeptiert werde, wie ich bin, dass ich so sein darf.“

Sendung: hr-fernsehen, "agender - Mein Geschlecht ist mir egal", 15.07.2021 um 21:45 Uhr