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Eine neue Studie bezieht erstmals Wettereinfluss mit ein.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gibt es eine deutlich reduzierte Wirtschafts- und Verkehrstätigkeit. Zirka die Hälfte der Menschheit ist momentan davon betroffen. Durch die Lockdown-Maßnahmen werden weniger Schadstoffe in die Atmosphäre emittiert. Eine bessere Luftqualität ist somit die logische Konsequenz. Besonders beim Stickstoffdioxid, der bei hoher Konzentration am Boden für schlechte Luftqualität sorgt, ist weltweit ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Das zeigen weltweite Satellitenmessungen. Weitere Spurenstoffe, die die Luftqualität am Boden belasten, sind Ruß und Feinstaubpartikel. Auch bei diesen Schadstoffen ist eine Abnahme im Vergleich zum Vorjahr ersichtlich. Aber wie stark die Schadstoffe tatsächlich abnehmen und was es regional für Auswirkungen gibt, war bislang nur schwer zu beziffern, da der Einfluss des Wetters bei der Schadstoffbelastung am Boden eine wesentliche Rolle spielt.

Nach einer Studie des Deutschen Wetterdienstes sind Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Feinstaub schon im gesamten Winter 2020 unterdurchschnittlich niedrig gewesen, zumindest an einigen Stationen in Deutschland. In weiten Teilen Europas sorgten windige Wetterlagen dafür, dass sich Schadstoffe nicht anreichern konnten, was die Luft ungewöhnlich sauber hielt. Die Beurteilung des Corona-Effektes auf die Luftqualität ist daher komplex.

In einer neuen Studie des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben Wissenschaftler nun den Einfluss des Wetters auf die Reduktion der Schadstoffe in der Atmosphäre miteinbezogen. Das erlaubt nun einen genaueren Blick auf die tatsächliche Abnahme der Schadstoffe aufgrund des Corona-Lockdowns. Dazu wurde der Wettereinfluss anhand einer Kombination aus langjährigen Satellitenbeobachtungen, In-situ-Messungen und Modellberechnungen bereinigt. Dafür musste zunächst die Schadstoffbelastung mehrerer Jahre gemittelt werden. Darauf basierend rechnen Computermodelle Schadstoffprognosen aus, die unter anderem die realen Wetterbedingungen berücksichtigen. Es resultiert daher eine modellierte Normalsituation. Für das Jahr 2020 werden dann wetterbereinigte Schadstoffprognosen vom Computermodell erstellt und mit den tatsächlichen Bodenmessungen verglichen.

Für diese Studie wurden Schadstoffprognosen der Stickstoffkonzentration im Zeitraum vom Februar bis April dieses Jahres für die Lombardei in Norditalien erstellt und dann mit den tatsächlichen Bodenmesswerten verglichen. Es wird in der obigen Abbildung ersichtlich, dass die Stickstoffdioxidkonzentration ab dem 8. März durchgängig unter den Modellwerten liegt. Insgesamt lässt sich ein Rückgang von etwa 45 % beziffern. Ein Effekt, der eindeutig auf den Corona-Lockdown zurückzuführen ist. Auch wenn sich die Studie auf die Region in Norditalien bezieht, lassen sich ähnliche Ergebnisse auch für andere Regionen vermuten.

Donnerstag, 14.05.2020

Elias Arndt