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Niedrige Schadstoffkonzentrationen in der Atmosphäre - Ein Effekt der Corona-Pandemie?

Seit dem Ausbruch gibt es eine deutlich reduzierte Wirtschafts- und Verkehrstätigkeit. Dass das Auswirkungen auf die Luftqualität hat, ist leicht nachvollziehbar. Aber wie stark die Schadstoffe tatsächlich abnehmen und was es regional für Auswirkungen gibt, ist komplizierter als angenommen.

In den Städten fahren weniger Autos, Urlaubsreisen sind untersagt und die Flugzeuge bleiben am Boden. Die Corona-Pandemie hat tiefgreifenden Einfluss auf unser Leben und auch auf die Luftqualität. Fakt ist, dass sich die Schadstoffe in der Luft reduzieren. Besonders beim Stickstoffdioxid, der bei hoher Konzentration am Boden für schlechte Luftqualität sorgt, ist weltweit eine deutliche Reduktion zu sehen. Das zeigen weltweite Satellitenmessungen. In der obigen Abbildung ist die durchschnittliche Konzentration von Stickstoffdioxid in West- und Südeuropa im März bis April 2019 im Vergleich zu 2020 dargestellt. Man kann an diesen Satellitenbildern eine deutlich niedrigere Konzentration erkennen. Besonders in den dicht besiedelten und industriell geprägten Standorten wie beispielsweise in Norditalien und Nord- und Westdeutschland ist dieser Effekt deutlich zu sehen. Weitere Spurenstoffe, die die Luftqualität am Boden belasten, sind Ruß und Feinstaubpartikel. Auch bei der Ruß- und Feinstaubbelastung gibt es eine Reduktion der Schadstoffe im Vergleich zum Vorjahr.

Der Einfluss des Corona Lockdowns auf die Luftqualität lässt sich trotzdem nicht ganz so einfach beziffern. Nach einer Studie des Deutschen Wetterdienstes sind Feinstaub und Rußpartikel schon im gesamten Winter 2020 unterdurchschnittlich niedrig gewesen, zumindest an einigen Stationen. Es haben offensichtlich auch andere Prozesse Einfluss auf die Luftqualität am Boden. Zum Beispiel spielt das Wetter eine große Rolle. Bei windigen Wetterlagen, die es in den letzten Monaten zu genüge gab, können sich keine Schadstoffe am Boden ansammeln. Dafür bedarf es Inversionswetterlagen. Bei denen gibt es einen geringen Luftaustausch. Hält die Wetterlage länger an, können sich Schadstoffe in der unteren Luftschicht anreichern. Zusätzlich hatten wir es im Winter mit milden Temperaturen zu tun, die zu weniger Heizungsemissionen geführt haben. Diese beiden Einflüsse dürfen bei der Betrachtung einer Corona bedingten Verbesserung der Luftqualität nicht fehlen.

Es kann abschließend festgestellt werden, dass zwar die Emission schädlicher Spurenstoffe abgenommen hat und im Mittel die Luftqualität besser wird, aber lokal nicht immer eine Reduktion bodennaher Schadstoffe stattfinden muss, da Wetter-, Standort- und anthropogener Einfluss eine ebenso wichtige Rolle spielen kann. Daher bedarf es weitere Untersuchungen dieses spannenden Themas.

Mittwoch, 29.04.2020

Elias Arndt

ARD-Wetterredaktion