unwetterbilanz

In einigen Regionen von Deutschland sind heftige Gewitter mit teils unwetterartigem Starkregen unterwegs gewesen.

Am vergangenen Samstag stand die erste ausgeprägte Gewitterlage des Jahres an. Doch wo war es am heftigsten, wie viel Regen ist gefallen und wie kam es überhaupt dazu?

Deutschland lag am Rand eines Hochdruckgebietes über Skandinavien. Im Zusammenspiel mit einem Tief über Osteuropa wurde mit einer östlichen bis südöstlichen Strömung feuchtwarme Luft nach Deutschland geführt. Es entwickelte sich eine flache Tiefdruckzone, die quer über Deutschland lag. Im Bereich dieses Tiefs strömten Winde unterschiedlicher Richtung zusammen und bildeten eine sogenannte Konvergenzzone. Dort wird die Luft zum Aufsteigen gezwungen. Im Zusammenspiel mit der Energie der Sonne sind heftige Schauer und Gewitter die Folge gewesen.

Das Besondere an dieser Wetterlage waren die schwachen Höhenwinde, die dafür sorgten, dass sich Gewitter nur langsam von Ort und Stelle bewegen konnten. Dadurch war es möglich, dass Gewitterzellen längere Zeit für Starkregen und somit lokal eng begrenzt für Überschwemmungen, Schlammlawinen und vollgelaufene Keller sorgten. In der obigen Abbildung sind Niederschlagssummen vom Samstag gezeigt. Deutlich erkennbar sind die punktuell hohen Niederschlagssummen, die bis zu 100 Liter pro Quadratmeter bringen konnten. Spitzenreiter in Deutschland war Bottmersdorf-Klein Germersleben in Sachen-Anhalt. Dort wurde die höchste Niederschlagssumme für den Samstag von 133 Liter pro Quadratmeter registriert. Im Vergleich dazu fallen im Juni im deutschen Flächenmittel etwa 70 bis 80 Liter pro Quadratmeter.

Am heftigsten traf es den Norden und Osten von Deutschland. Schon zwischen 9 und 10 Uhr morgens zeigte die Luftmasse ihr Gewitterpotenzial. An der Station Ballerstedt in Sachsen-Anhalt wurde in weniger als 60 Minuten bereits 29 Liter pro Quadratmeter registriert. Ab Regenmengen von über 25 Liter pro Quadratmeter spricht man von unwetterartigem Starkregen. Ab dem Mittag entstanden dann vermehrt dicke Quellwolken, die sich rasch zu Gewitterzellen ausbauten. Ab dem Nachmittag traten sie verbreitet auf, teils sogar clusterartig organisiert. So waren die Städte Berlin, Lübeck oder auch Wismar von Überflutungen betroffen. In Deutschland wurden über 90.000 Blitze registriert. Zum Vergleich werden im gesamten Jahresmittel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes durchschnittlich etwa 700.000 Blitze beobachtet. In einigen Regionen entlud sich auch Hagel bis 3 cm Korngröße. In den meisten Fällen wurde aber nur kleinkörniger Hagel zwischen 0,5 cm bis 1,5 cm beobachtet. Dieser konnte sich aber teilweise an Ort und Stelle akkumulieren und für Verkehrsbehinderungen sorgen. Wie man an den Niederschlagssummen in der obigen Abbildung erkennen kann, ging es in Teilen von West- und Süddeutschland etwas ruhiger zu.

Auch am Sonntag waren vor allem im Erzgebirge wieder Gewitterzellen mit regionalem Starkregen unterwegs. Insgesamt blieb es aber ruhiger als am Samstag. Heute und in den nächsten Tagen geht es mit viel Regen weiter, die größte Unwettergefahr ist aber erst mal gebannt.

Montag, 15.06.2020

Elias Arndt

ARD-Wetterredaktion