verdunkelung

Im Jahre 1816 gab es auf der Welt ein Jahr ohne Sommer. Regional gab es auf der Nordhemisphäre noch im Juli Schneefälle, wo man sonst eigentlich Badesee Wetter erwartet hätte. Der Vulkanausbruch von Tambora in Indonesien ein Jahr vorher im April 1815 wurde später als Hauptgrund für das Jahr ohne Sommer festgestellt.

Vulkanische Asche hatte sich nach der starken Eruption nach und nach in der Atmosphäre über die ganze Erde verteilt und Sonnenstrahlung schon vor Erreichen der unteren atmosphärischen Schichten reflektiert. Die Erde wurde sozusagen verdunkelt. Die Folge ist eine geringere Erwärmung der Erdoberfläche und der erdnahen Luftschichten, da weniger Sonnenstrahlung die Atmosphäre durchdringen kann. Dieses Phänomen wird globale Verdunkelung genannt. Doch nicht nur Vulkanausbrüche begünstigen diesen Effekt.

Die Zusammensetzung unserer Atmosphäre ermöglicht es den Menschen, Tieren und Pflanzen bei einem angenehmen Klima auf der Erde zu leben. Ohne die Atmosphäre würde auf der Erde eine Temperatur von etwa -18 Grad Celsius herrschen. Die kurzwellige Sonnenstrahlung kann die Atmosphäre weitestgehend passieren und wird von der Erdoberfläche teils reflektiert, teils absorbiert. Die Erde emittiert daraufhin langwellige Wärmestrahlung, diese kann aber dank verschiedener Treibhausgase zum Teil nicht mehr zurück ins All, und erwärmt somit unsere Atmosphäre. Dieser natürliche Prozess wird allerdings vom Menschen beeinflusst. Vor allem seit Beginn der Industrialisierung sind die Menschen für eine stetig steigende Konzentration wichtiger Treibhausgase wie z.B. des Kohlenstoffdioxids verantwortlich. Durch Industrieabgase, Verkehr und auch Brandrodung gelangt sehr viel mehr CO2 in die Atmosphäre. Als Folge wird vermehrt langwellige Wärmestrahlung in der Atmosphäre zurückgehalten und erwärmt diese weiter.

Zeitgleich sorgte die Industrialisierung aber auch für einen anderen Effekt, der bisher meist nur von Vulkanausbrüchen bekannt war. Staub- und Rußpartikel die mitsamt den Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen, fördern zunächst die Wolkenbildung, da an diesen Partikeln leichter Wasserdampf kondensieren kann. Mehr Wolken, aber auch mehr Partikeln selbst sorgen dafür, dass von vornherein mehr kurzwellige Sonnenstrahlung in höheren Schichten der Atmosphäre ins All reflektiert wird. Da weniger Sonnenstrahlung die Erde erreicht spricht man hier von einer Verdunkelung, die dann einen kühlenden Effekt hat, bzw. eine abgeschwächte Erwärmung.

Die globale Verdunkelung hat demnach den menschengemachten Treibhauseffekt gedämpft. In den letzten Jahren wurden aber immer mehr Maßnahmen ergriffen die Luftqualität zu verbessern. Mehr und mehr werden nun die kleinen Partikel herausgefiltert. Das sorgt jetzt allerdings dafür, dass wieder mehr kurzwellige Sonnenstrahlung auf der Erde ankommt und der Treibhauseffekt nicht mehr gedämpft wird und die Erwärmung somit schneller voranschreitet.

Im Umkehrschluss ist die Lösung gegen die Erderwärmung aber nicht die Luft mit industriellen Partikeln zu verschmutzen, um den Treibhauseffekt zu dämpfen. Vielmehr muss der Ausstoß der Treibhausgase verringert werden, um damit der Ursache des Problems entgegenzuwirken.

Dienstag, 13. August 2019

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 13.08.2019 19:15 Uhr