altweibersommer

In den kommenden Tagen ist es verbreitet sonnig und trocken.

Denn über Deutschland macht sich zunehmend der Einfluss eines Hochs bemerkbar, welches sich vom Atlantik zunächst zu den Britischen Inseln und in den Folgetagen weiter nach Mitteleuropa verlagert. Dann werden hierzulande die Wolkenlücken größer und es bleibt verbreitet trocken. In den Nächten kühlt es bei längerem Aufklaren jedoch spürbar ab, was in Verbindung mit schwachem Wind die Nebelbildung begünstigt, vor allem in Flusstälern.

In vier von fünf Jahren stellt sich etwa ab dem 20. September eine ruhige und milde Wetterlage ein. Nachts kühlt es dann in den klaren Nächten schon empfindlich ab, so dass sich morgens oft Tau auf den Wiesen und an den Spinnweben befindet, die dann an die Haarnetze älterer Damen erinnern.

 Aus dieser Assoziation könnte möglicherweise der Name „Altweibersommer“ entstanden sein. Einer anderen Version zu Folge leitet sich das Wort „weben“ von dem Althochdeutschen „weiben“ ab, und bezieht sich somit ebenfalls auf die jetzt im Morgentau auffällig funkelnden Spinnweben. Aufgrund der häufig günstigen Witterung wurde übrigens auch der Beginn des seit 1810 stattfindenden Münchner Oktoberfestes ab 1872 auf den ersten Samstag nach dem 15. September vorverlegt. 

Der Altweibersommer ist eine sogenannte Singularität oder auch Witterungsregelfall. Im Jahresverlauf gibt es verschiedene solcher Singularitäten, die mehr oder weniger häufig eintreten. Die Eisheiligen Mitte Mai beispielsweise treten in den letzten 30 Jahren nicht mehr so regelmäßig ein, wie in den Jahrzehnten davor. Neben dem Altweibersommer sind die Schafskälte Mitte Juni, die Hundstage Ende Juli und Anfang August sowie das Weihnachtstauwetter sehr ausgeprägte Witterungsregelfälle.

Die Ursachen für dieses regelhafte Verhalten sind unklar. Vermutlich steuert der Jahresgang der Sonneneinstrahlung atmosphärische Schwingungsvorgänge in höheren Schichten der Atmosphäre, die dann die für die jeweiligen Termine typischen Großwetterlagen auslösen. Jedoch deutet sich in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt ein Rückgang dieser Regelhaftigkeit an. Möglicherweise verändert sich das atmosphärische Strömungsverhalten im europäischen Raum, wodurch bisherige Regelfälle seltener auftreten.

Dienstag, 17. September 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 17.09.2019 19:15 Uhr