meereisminimum

Jedes Jahr Mitte September erreicht das arktische Meereis seine geringste Ausdehnung.

Seit 1979 wird die die Ausdehnung des Arktischen Meereises aus dem All überwacht. Zwischen 1981 und 2010 schwankte die mit mindestens 15 Prozent Meereis bedeckte Ozeanfläche im Jahresverlauf durchschnittlich zwischen etwa 15,5 und 6,3 Millionen Quadratkilometern. Nun wurde am 15. September mit 3,737 Millionen Quadratkilometern voraussichtlich das diesjährige Minimum erreicht. Dies ist der bisher zweit-niedrigste Wert.

In 2012, dem bisherigen Rekordjahr schrumpfte die eisbedeckte Fläche sogar bis auf nur noch 3,387 Millionen Quadratkilometer. Die 14 niedrigsten Ausdehnungen traten zudem alle innerhalb der letzten 14 Jahre auf. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Schwund des arktischen Meereises auch in künftigen Jahren und Jahrzehnten weiter fortschreiten wird, zumal der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen ungebremst anhält.

Die Nordostpassage ist, wie bereits in den Vorjahren wieder offen und damit schiffbar. Dies ist ein Seeweg, der Europa über die Arktis mit dem Fernen Osten verbindet. Diese Route ist etwa 7000 km kürzer ist, als der übliche Weg durch den Suez-Kanal. Alle Euphorie, die sich bei Reedern und auch bei nach Erdöl oder Erdgas suchenden Geologen breit macht, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein einmaliges und sehr empfindliches Ökosystem vor unumkehrbaren Veränderungen steht.

Zudem würde eine im Sommer eisfreie Arktis, wie sie von Klimatologen bereits in den kommenden Jahrzehnten erwartet wird, die Strömungen im Ozean und in der Atmosphäre auf bisher noch kaum abschätzbare Art und Weise modifizieren. Die seit 2018 besonders deutlich auftretende Sommertrockenheit hierzulande ist möglicherweise bereits eine Folge dieser sich großräumig vollziehenden Veränderungen.

Donnerstag, 17. September 2020

Tim Staeger

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 17.09.2020 19:15 Uhr