arktischesmeereisminimum
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Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren in den Polargebieten. So zeigt der Trend der Meereisbedeckung während der vergangenen dreißig Jahre stark nach unten. Dieser Sommer bringt zwar keinen neuen Negativrekord, trotzdem liegt die Resteismenge weit unterhalb langjähriger Normalwerte.

Seit Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts liefern Satelliten-Messungen verlässliche Daten zum arktischen Meereis. Zur Bewertung der Eismenge betrachtet man meist dessen flächenmäßige Ausdehnung und nicht etwa dessen Dicke, denn letztere ist nur unzureichend bestimmbar. Der räumliche Übergang zwischen eisfreiem und eisbedecktem Meer verläuft in der Regel kontinuierlich. Das heißt, es gibt meist keine scharfe Eiskante. Daher musste ein Schwellenwert gefunden werden, ab dessen ein Flächenbereich des Meeres als eisbedeckt gilt. Eingebürgert hat sich ein relativ kleiner Wert von 15 % Eis, oder umgekehrt: weniger als 85 % offenes Wasser.

Unsere Abbildung zeigt den zeitlichen Verlauf der arktischen Meereisbedeckung, wie ihn das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Boulder (USA) regelmäßig veröffentlicht (baue Linie). Zum Vergleich sind  außerdem dargestellt: Der Median der Jahre 1981 bis 2010 (schwarze Kurve) und der Verlauf des Jahres 2012 (gestrichelte Linie). Sortiert man die einzelnen Jahre von kleinen zu großen Werten hin, dann teilt der Median die eingehenden Jahre in zwei Hälften. Die eine Hälfte liegt mit ihren Werten unterhalb, die andere oberhalb des Median. Außerdem stellt der graue Bereich die gewöhnliche Bandbreite der Beobachtungen über die Jahre dar. Ausgenommen sind die wiederum oberhalb und unterhalb gelegenen Jahre in denen die Eisausdehnung außergewöhnlich groß (90%-Grenze) beziehungsweise entsprechend klein ausfiel (10%-Grenze).

Zum Ende des Sommers und damit der Eisschmelze tritt das jährliche Eisminimum auf. Seit Beginn der Beobachtungen fiel dieses noch in keinem Jahr geringer aus als 2012. Von hier stammt der absolute Negativrekord. In diesem Sommer bleiben wir ein gutes Stück davon entfernt. Nichtsdestotrotz liegen die Werte unterhalb der 10%-Grenze. Das bedeutet, das Meereisminimum wird in diesem Jahr auf einem der untersten 10 Plätze landen.

Freitag, 14. September 2018

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 14.09.2018 19:15 Uhr