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Ruhiges Hochdruckwetter verläuft im Winter ganz anders als im Sommer. Auf kurze Distanz gibt es großer Unterschiede, wie man sie auf den ersten Blick vielleicht nicht erwarten würde. Die aktuelle Situation ermöglicht einige Erklärungen.

Unsere Abbildung zeigt ein Satellitenbild des 5.12.2019 um 9 Uhr und die Temperaturwerte ein paar ausgewählter Orte. Das Besondere einer winterlichen Hochdrucklage ist die Tatsache, dass sich die Luft in den Tälern und Niederungen nachts stärker abkühlt als sie sich am Tage dann wieder erwärmt. Dadurch sinkt die Temperatur in den untersten Schichten der Atmosphäre von Tag zu Tag etwas ab. Es bildet sich eine Inversion, die sich auch am Tage nicht mehr auflöst. Über einer kalten Grundschicht liegt, wie ein Deckel, wärmere Luft. Die kalte Luft bleibt in den Niederungen gefangen, es gibt nur noch wenig Austausch mit den höheren Luftschichten. Dadurch reichert sich in der Grundschicht immer mehr Feuchte an. Eine Nebellage ist geboren.

Statistisch gesehen gibt es den meisten Nebel am Bodensee, gefolgt von der Donau und anderen Flusstälern. Die Situation am Morgen des 5. Dezember ist also sehr typisch für eine winterliche Hochdrucklage. Die Vorhersage des Nebels stellt eine Herausforderung dar. Auch wenn die für Nebel anfälligen Niederungen bekannt sind, weiß man für einen bestimmten Ort am Vortag oft nicht, ob es dort tatsächlich Nebel gibt. Im Satellitenbild liegen Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe im Nebel, während Freiburg im Breisgau frei ist. Die Verteilung hätte durchaus anders sein können, wenn sich die Luftfeuchte oder der Wind nur um eine Winzigkeit von den aktuellen Werten unterschieden hätte. Und selbst wenn sich die Verteilung des Nebels am Vortag exakt vorhersagen ließe, gäbe es in den Wetterberichten mangels Zeit vereinfachende Formulierungen. Am Morgen des 5.12. lagen Donau, Mosel und Lahn nahezu vollständig im Nebel, an Fulda und Main waren nur Abschnitte betroffen und andere Flusstäler wie Elbe und Saale blieben frei, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Selbst wenn die genaue Verteilung am Vortag bekannt wäre, müsste der Text in den Wetterberichten durch Aussagen wie „in den Flusstälern gebietsweise Nebel“ vereinfacht werden. Bei einer Nebellage liegen trübes Wetter und Sonnenschein also sehr dicht nebeneinander. Doch auch die Temperatur kann sich auf engem Raum stark unterscheiden.

Bei einer Inversionslage werden auf den Bergen zum Teil deutlich höhere Temperaturwerte beobachtet als in den Tälern. In unserer Karte sehen Sie vier Pärchen aus nahe beieinander liegenden Berg- und Talorten. In drei der gezeigten Fälle war es am Morgen des 5.12. im Tal deutlich kälter als auf dem Berg. Dennoch ist die Grenze zwischen kalt und mild nicht streng an eine bestimmte Höhenlage gebunden. Die Form des Geländes spielt eine wichtige Rolle. In Tälern sammelt sich Kaltluft, selbst wenn sie höher liegen als die Berggipfel anderer Regionen. So meldete der Talort Bernau im Schwarzwald auf 1000m Höhe -7,4 Grad, während es auf dem etwas niedriger gelegenen Gipfel des Hohenpeißenbergs 6,1 Grad mild war. Um es noch komplizierter zu machen, gibt es auch im Tal gelegene Orte, in denen es mild bleibt. In Bad Harzburg auf der Nordseite des Harzes lag die Temperatur bei 4,2 Grad. Hier hat ein leichter Südwind die milde Luft aus dem Gebirge bis ins Tal strömen lassen.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Dr. Ingo Bertram

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 05.12.2019 19:15 Uhr