island
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In einer Entfernung von 2.400 km Luftlinie zu Frankfurt am Main liegt die isländische Hauptstadt Reykjavik. Die Zahl der Island-Touristen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen auf über 2 Millionen im Jahre 2017. Was für Besonderheiten gibt es dort?

Unsere Grafik zeigt den mittleren Jahresniederschlag, die normale jährliche Sonnenscheindauer, den Kälte- und den Hitzerekord für eine Auswahl isländischer Orte.

Island heißt übersetzt „Eisland“. Tatsächlich sind aktuell etwa 11 Prozent der Landesfläche von Gletschereis bedeckt. Einen wesentlichen Anteil daran hat Europas größter Gletscher, der Vatnajökull. Die Inselgruppe ist vollständig vulkanischen Ursprungs, bei der Hauptinsel handelt es sich um die größte Vulkaninsel der Erde. Sie ist auf dem Mittelatlantischen Rücken entstanden. Hier entfernen sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte um jährlich 2 Zentimeter voneinander. Die Plattengrenze verläuft quer über die Insel. Selbige reißt nicht auseinander, weil der Vulkanismus immer genug Gesteinsmasse von unten her nachliefert.

Der nördlichste Punkt Islands liegt beinahe am Polarkreis. Während die Sonne hier im Juni praktisch nicht mehr untergeht, verschwindet selbige in der südlichsten Stadt Islands, im auf 63,4 Grad nördlicher Breite gelegenen Vik, für 3,5 Stunden unter dem Horizont. Doch auch in Vik steht die Sonne im Juni um Mitternacht nur so wenig unter dem Horizont, dass es noch hell bleibt. Auf Island wird das ganze Jahr die GMT (Greenwich Mean Time) verwendet, die nach dem Nullmeridian ausgerichtet ist. Da die Mitte Islands auf dem 19. westlichen Längengrad liegt, steht die Sonne dort erst um 1:15 Uhr nachmittags am höchsten. Es handelt sich also praktisch um eine ganzjährige Sommerzeit, wie sie in Deutschland möglicherweise auch kommen wird.

Das Besondere an Island ist, dass man sich von der Landschaft her in einer ganz anderen Welt befindet als zu Hause in Deutschland. Obwohl es sich um Europa handelt, wirkt ein Islandurlaub wie eine Fernreise. Im Südosten der Insel findet man, ausgehend vom Vatnajökull, Gletscherzungen, die fast bis auf Meeresniveau herunter fließen. Der höchste Berg des Landes, der 2110m hohe Hvannadalshnúkur, liegt sehr nahe an der Küste. Die Inselmitte zeichnet sich durch bunte Felslandschaften aus, während man von der Ringstraße aus eine Vielzahl von kleinen und großen Wasserfällen erreicht. Wälder gibt es nur an wenigen Stellen der Insel.

Das Klima Islands ist subpolar ozeanisch. Die Sommer sind etwas kühler als in vergleichbarer Breitenlage auf dem eurasischen Kontinent, die Winter hingegen deutlich milder. Schuld daran ist der Nordatlantikstrom mit seinem verhältnismäßig warmen Wasser. Das Januarmittel der Temperatur liegt an Islands Südküste sogar leicht über Null Grad, sonst oft zwischen 0 und -5 Grad, im Hochland darunter. An der Südküste, wie in Vik, wird die -20 Grad-Marke nie erreicht. Sonst kann es verbreitet zwischen -20 und -30 Grad kalt werden, in geschützten Lagen des Nordens und des Hochlands auch kälter. In Grimsstaðir wurden schon einmal -37,9 Grad erreicht. Im Vergleich zu Sibirien ist das mild. Dort liegen die Kälterekorde auf derselben Breitenlage bei -65 Grad.

Der Juli bringt es in den tiefen Lagen des Südens und Südwestens, aber auch in geschützten Tälern des Nordens auf ein Mittel von über 10 Grad, sonst liegt er im einstelligen Bereich. An nur einzelnen Tagen im Jahr steigt die Temperatur in den tiefen Lagen auf über 20 Grad und Sommertage mit 25 Grad oder mehr sind sehr selten. Der isländische Hitzerekord beträgt 30,5 Grad, gemessen in Teigarhorn im Osten des Landes.

Island befindet sich sehr häufig im Einflussbereich des sogenannten „Islandtiefs“. Das Wetter ist somit extrem wechselhaft. Immer wieder ziehen Regenfronten durch gefolgt von Schauern und kurzen Zwischenhochs. Oft treffen die Regengebiete von Süden her auf die Insel. Der nasseste Küstenort ist daher Vik mit einem mittleren Jahresniederschlag von 2253mm. Mehr kommt allerdings in den Hochlagen runter, auf dem Vatnajökull über 4000mm pro Jahr. In den Tälern des Nordens ist es sogar recht trocken, wie in Akureyri mit nur 489mm Niederschlag pro Jahr. Selbst im Sommer kommt es im Hochland bisweilen zu Schneestürmen und Schnee ist bis in tiefere Lagen möglich. Außer im Juli kann es selbst in den mildesten Regionen das ganze Jahr Nachtfröste geben. Als Islandreisender wird man an vielen Tagen zumindest zeitweise mit Regen rechnen müssen. Meist lohnt es sich jedoch, auf die nächste Wolkenlücke zu warten. Oft kann man dann einen Regenbogen bewundern, sobald nach einem Schauer die Sonne heraus kommt. Ab und zu regnet es auch mal den ganzen Tag und sonnige Tage sind ebenso dabei. Ein stabiles Hochdruckgebiet mit mehreren Sonnentagen in Folge erleben allerdings nur die wenigsten Urlauber. Die jährliche Sonnenscheindauer liegt in Island als Folge des wechselhaften Wetters meistens nur knapp über 1000 Stunden. Zum Vergleich: In Deutschland sind 1600 Stunden normal.

Zu erwähnen ist noch der Wind: Vor allem im Winterhalbjahr wird die Insel immer wieder von kräftigen Orkantiefs heimgesucht. An den Küsten und in höheren Lagen gibt es häufig Orkanböen. Am 8.12.2015 wurden in Hallormsstaðaháls Böen bis 261 km/h gemessen. Gewitter gibt es nur sehr selten, an den meisten Orten sind es unter 5 Gewittertage pro Jahr.

Die beliebteste Reisezeit ist der Sommer, weil es dann am mildesten ist. Wer allerdings Polarlichter sehen will, sollte nicht im Sommer unterwegs sein. Ab September wird es nachts wieder dunkel genug, um bei klarem Himmel die Aurora bewundern zu können. Der Herbst hat hierbei den Vorteil, dass es noch nicht allzu kalt ist, im überwiegend dunklen Winter sind die verschneiten und vereisten Landschaften dafür reizvoll.

Dienstag, 27. November 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 28.11.2018 19:15 Uhr