jahresrueckblick
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Welches Wetter haben Sie noch in Erinnerung, wenn sie an das zu Ende gehende Jahr 2018 denken? Vielleicht viele Sonnentage? Oder doch irgendein Gewitter oder ein Orkantief? Wir wollen die Besonderheiten der vergangenen zwölf Monate unter die Lupe nehmen.

Unsere Grafik zeigt die Abweichung der Monatsmitteltemperaturen des Jahres 2018 von den langjährigen Mitteln, bezogen auf die Fläche von ganz Deutschland (Datenquelle: Deutscher Wetterdienst). Dabei liegen diesem Jahresrückblick nicht mehr die langjährigen Mittelwerte der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 zugrunde, sondern die aus dem Zeitraum 1981 bis 2010. Die letzten vier Tage des Jahres sind in Form einer Prognose berücksichtigt worden.

Das Jahr 2018 brachte es bundesweit auf eine Mitteltemperatur von 10,4 Grad und war damit um 2,2 Grad wärmer als zwischen 1961 und 1990 üblich. Im Vergleich zu den Jahren 1981 bis 2010 machte die Abweichung noch 1,6 Grad aus. Für eine Jahrestemperatur ist diese Abweichung bemerkenswert groß. 2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der bisherige Rekord des Jahres 2003 von 10,3 Grad wurde knapp übertroffen. Über ganz Deutschland gemittelt resultierte für die vergangenen zwölf Monate eine Regensumme von rund 585 l/m². Das sind 72 Prozent des langjährigen Mittelwerts von 818 l/m² aus den Jahren 1981 bis 2010. Trockener war es nur in den Jahren 1959 (551 l/m²), 1911 (557 l/m²) und 1921 (578 l/m²). Kräftige Regenfälle im Dezember verhinderten bezüglich des Jahresregens einen Allzeitrekord. Trotzdem erzielt 2018 neben dem Temperaturrekord noch einen weiteren Spitzenplatz: Mit 2020 Sonnenstunden war es das bisher sonnigste Jahr. Der alte Rekord des Jahres 2003 von 2014 Stunden wurde knapp überboten. Normal wären 1600 Stunden gewesen. Das zu Ende gehende Jahr war also extrem trocken und dabei rekordmäßig warm und sonnig. Doch was für Besonderheiten gab es in den einzelnen Monaten?

Das Jahr 2018 war gerahmt von zwei recht ähnlichen Monaten. Der Januar und der Dezember fielen sehr mild und nass aus. Tiefdruckgebiete mit milder Meeresluft vom Atlantik waren schuld daran. Im Januar gab es am Rhein sogar zweimal markantes Hochwasser. Am 18. Januar sorgte Sturmtief Friederike in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen bis in den Osten Deutschlands für Unwetter. Es gab große Schäden und acht Todesopfer. Februar und März verliefen dann bereits trocken und teilweise sonnig. Im Gegensatz zum restlichen Jahr erreichte uns mehrmals polare Kaltluft, so dass diese beiden Monate die einzigen unterdurchschnittlich temperierten waren. Besonders markant war ein Vorstoß von kalter Luft aus Nordrussland in den letzten Februartagen. Sie sorgte vom 26. bis 28. Februar für praktisch landesweiten Dauerfrost, wie es ihn im gesamten restlichen Winter an keinem anderen Tag gegeben hatte. In den Nächten sank die Temperatur verbreitet auf -10 bis -15 Grad. Zu einem früheren Zeitpunkt im Winter und in Kombination mit einer Schneedecke hätte es deutlich kälter werden können. Markante Winterrückfälle gab es dann landesweit um den 18. März und in Mecklenburg-Vorpommern nochmals am 1. April.

Im April ging das Wetter innerhalb von nur wenigen Tagen direkt vom Winter in den Sommer über. Es begann ein ganz ungewöhnlicher Witterungsabschnitt mit viel Sonne, Wärme und Trockenheit, der bis Ende Oktober andauerte. Ursache war eine ungewöhnliche Persistenz der Wetterlage. Immer wieder lag Mitteleuropa unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten, die für unser Klima eigentlich typischen Atlantiktiefs erreichten uns fast gar nicht. Während es im Norden und Osten extrem trocken war, entluden sich nach Süden und Südwesten hin im Frühsommer noch einige heftige Gewitter, welche die Trockenheit abmilderten. Dennoch dürfte 2018 in Sachen Unwetter eines der ruhigsten Jahre überhaupt gewesen sein. Bis Mitte Juli war es zwar andauernd warm, aber noch nicht sehr heiß. Doch das änderte sich. Vom 23. Juli bis 9. August verzeichneten einige Wetterstationen durchgehend heiße Tage, also Höchstwerte von 30,0 Grad oder mehr. Eine Serie von 18 heißen Tagen hatte es zuvor noch nicht gegeben, im Jahre 1976 konnten mancherorts 16 heiße Tage in Folge beobachtet werden. Die heißesten Tage des Jahres erreichten im Flachland 35 bis 37 Grad, vereinzelt 38 Grad. Kleinere Flüsse trockneten im Sommer und Herbst 2018 teilweise aus, an den größeren gab es markantes Niedrigwasser, örtlich mit Rekordpegeln. Selbst um den 20. September herum stieg das Thermometer nochmals verbreitet auf über 30 Grad. Ungewöhnlich war aber auch eine Serie von Sommertagen Mitte Oktober, also Höchstwerte von 25,0 Grad und mehr. Im Oktober gab es wegen der Trockenheit für die fortgeschrittene Jahreszeit ungewöhnlich wenig Nebel. Bei vergleichbaren Wetterlagen wird es sonst Mitte Oktober in der Regel nicht mehr so warm und oft neblig. Selbst der November war für seine Verhältnisse noch sonnig und mild. Im Dezember endete dann die zehn Monate andauernde ungewöhnliche Trockenheit.

Freitag, 28. Dezember 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 28.12.2018 19:15 Uhr