sommer

Mit dem September endet für die Meteorologen der Sommer. Damit liegen die drei wärmsten Monate nun hinter uns. Was für Besonderheiten gab es im Sommer 2019 und wie ist er im Vergleich zu anderen Sommern zu bewerten?

Über die Fläche von ganz Deutschland gemittelt schloss der Sommer mit einer Mitteltemperatur von 19,2 Grad. Er war um 2,1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Diese Abweichung ist bemerkenswert. Wir erlebten den drittheißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wärmer waren nur die Sommer der Jahre 2003 und 2018. Unsere Abbildung zeigt den Temperaturverlauf während der letzten drei Monate. Wir sehen für jeden Tag des Sommers 2019 ein deutsches Flächenmittel der Temperatur, gebildet aus 460 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (graue Kurve). Im Vergleich dazu ist die langjährige Mitteltemperatur für Deutschland dargestellt (grüne Kurve). Im Juni 2019 lag die Deutschland-Temperatur an allen Tagen über dem Schnitt, zum Monatsende war es extrem heiß. Die erste Julihälfte lag dann etwas unter dem Schnitt, danach folgte eine neuerliche extreme Hitzewelle. Der über weite Strecken recht normale August trumpfte in seiner letzten Dekade mit ungewöhnlich hohen Temperaturen auf.

Bemerkenswert waren die Hitzerekorde im Juni und Juli. Nachdem es bereits am 25., 26. und 30. Juni einige Hitzerekorde gegeben hatte, setzte der 25. Juli noch eins drauf. Alleine an diesem einen Tag erzielten 147 von 460 Wetterstationen einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Der alte deutsche Hitzerekord (40,3 Grad in Kitzingen, Sommer 2015) wurde an 14 Stationen übertroffen. Im Nordrhein-Westfälischen Tönisvorst und Duisburg waren es bemerkenswerte 41,2 Grad. Nach wie vor in Fachkreisen sehr umstritten ist der Messwert von 42,6 Grad aus Lingen. Im Umfeld dieser Messstation ist in den letzten Jahren eine Baumreihe immer höher gewachsen und in nur 30 Zentimeter Entfernung zum Temperatursensor befindet sich eine inzwischen 1,80 Meter hohe Hecke. Die Lage in einer leichten Mulde und die Abschirmung des Windes begünstigen einen Hitzestau. Als Meteorologe, der tagtäglich mit den Messwerten vieler Wetterstationen arbeitet, fällt einem auf, dass die Station in Lingen an nahezu allen windschwachen sonnigen Tagen etwa 2 bis 3 Grad höhere Temperaturen als die umliegenden Orte erzielt. Der Temperatursensor wurde vom Deutschen Wetterdienst überprüft, ebenso der Abstand zum nächsten Gebäude und der Zustand des Erdbodens unterhalb der Messgeräte. Mehrere Meteorologen, die diese Station nach der Hitzewelle extra angeschaut haben, sehen den Standort aufgrund des Bewuchses in Kombination mit der leichten Muldenlage trotzdem nicht als repräsentativ für die Umgebung an. Seitens des Deutschen Wetterdienstes gibt es wegen der ungünstigen Lage der Station seit 5 Jahren die Bestrebungen einer Verlegung, die bisher leider nicht stattgefunden hat. So wird dieser sehr hohe Wert von 42,6 Grad nun auf Jahre die Rekordlisten schmücken. Eine Rolle bei der Entscheidung der Verantwortlichen über die Anerkennung des Rekordes könnte gespielt haben, dass Leugner des Klimawandels nach einer Aberkennung sicher eine Vielzahl der anderen qualitativ hochwertigen Messwerte des Deutschen Wetterdienstes in Frage gestellt hätten. Nun wurde fast schon zu viel über diesen Messwert geschrieben, den man aus den Rekordlisten streichen sollte. Was hatte der Sommer 2019 noch zu bieten?

Der Sommer verfehlte im Deutschlandmittel mit rund 175 Litern pro Quadratmeter sein Regensoll von 239 l/m² um 27 Prozent. Dabei gab es regional große Unterschiede, in Bayern und Baden-Württemberg regnete es vielerorts ausreichend, vor allem dort, wo es heftige Gewitter gab. Sehr trocken blieb es in weiten Teilen des Norddeutschen Tieflands, hier regnete es meist weniger als die Hälfte des Solls. Damit fiel etwas mehr Regen als im Sommer 2018, die Dürre verschärfte sich gegenüber dem Vorjahr dennoch. Nördlich der Mittelgebirge war die Bodenfeuchte noch nie seit dem Beginn von Messungen im Jahre 1961 so niedrig wie jetzt. Der Grund hierfür ist, dass das Defizit des Vorjahres nie aufgefüllt wurde. Außerdem war die Verdunstung aufgrund der Hitze sehr groß. Inzwischen sieht man in einigen deutschen Wäldern die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit.

Die Sonnenscheindauer wird flächig seit 1951 gemessen. Mit rund 755 Sonnenstunden übertraf der Sommer 2019 sein Soll um 25 Prozent und er mauserte sich zum viertsonnigsten Sommer seit Messbeginn.

Der Sommer 2019 zeigte sich also vielfach sehr warm, trocken und sonnig. Dabei waren die relativ kühlen Phasen in der ersten Julihälfte und Mitte August weitaus normaler als die übrigen, zum Teil extrem heißen  Abschnitte des Sommers.

Montag, 2. September 2019

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 30.08.2019 19:15 Uhr