Windchill

Windige und kalte Ostwinde deuten sich ab dem kommenden Sonntag an.

Momentan ist das Wetter sehr angenehm, sehr milde Temperaturen laden zum Aufenthalt im Freien ein. Doch ab Sonntag sieht das schon anders aus, denn dann erwarten uns kalte Ostwinde. Aufgrund des Windchill-Effektes fühlt sich das Ganze noch kälter an. Aber was steckt denn genau dahinter? Warum fühlen sich nicht alle Temperaturen gleich an?

Jeder hat wahrscheinlich schon mal die Erfahrung gemacht, dass es bei sonnigem Wetter schon recht angenehm draußen ist, kommt jedoch Wind auf, wird es ungemütlich kalt. Dabei hat sich die Temperatur keineswegs geändert, sondern diese fühlt sich nur anders an. Das liegt an dem Windchill-Effekt. Er beschreibt genau genommen die Temperatur, bei der die gleiche windbedingte Abkühlungswirkung auf der Haut auftritt wie unter meteorologischen Standardbedingungen. Das bedeutet, dass sich 5 Grad bei einer Windgeschwindigkeit von 40 km/h anfühlen wie -1 Grad.

Der Körper erwärmt die äußere Luftschicht über der Haut. Diese wird aber bei erhöhter Windgeschwindigkeit abgeführt. Somit wird die Lufttemperatur direkt am Körper abgekühlt, daher fühlt es sich kälter an. Das geschieht genau dann, wenn die Hauttemperatur über der Lufttemperatur liegt. Je nachdem wie stark die Differenz zwischen der Haut- und Lufttemperatur und wie hoch die Windgeschwindigkeit ist, fällt die sogenannte Windchill-Temperatur aus.

Es wird zwischen der Windchill-Temperatur und der gefühlten Temperatur unterschieden. Bei der gefühlten Temperatur werden, neben dem Einfluss des Windes auch die Luftfeuchtigkeit sowie die Sonneneinstrahlung betrachtet. Die Windchill-Temperatur eignet sich als Parameter bei überwiegend kalten Wetterabschnitten, bei denen die Parameter Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung, im Vergleich zum Wind nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die gefühlte Temperatur beschreibt die Temperatur, die mit angemessener Kleidung, bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und Windstille (beispielsweise bei einem Spaziergang im Schatten) empfunden wird. Daher ist die gefühlte Temperatur unter warmen, sonnigen und windschwachen sommerlichen Bedingungen höher als die gemessene Temperatur. Im Winter fällt die gefühlte Temperatur vor allem bei windigem Wetter geringer aus. Im Extremfall können in Mitteleuropa bis zu 15 Grad Unterschied zwischen gefühlter und gemessener Temperatur liegen. Doch wie kann die gefühlte Temperatur bestimmt werden?

Zur Bestimmung der gefühlten Temperatur wendet der Deutsche Wetterdienst ein vollständiges Wärmehaushaltsmodell an einen Modellmenschen an. Gefühlte Temperaturen zwischen 0 und 20 °C bedeuten Behaglichkeit, gefühlte Temperaturen kleiner als 0 °C erzeugen ein Kalt- und größer als 20 °C ein Warmgefühl. Die Windchill-Temperatur wird häufiger in den USA und auch in Kanada genutzt, um die Bevölkerung vor der Gefahr von Erfrierungen zu warnen. Sie wird mithilfe einer empirischen Formel berechnet.

Am Sonntagmorgen müssen wir uns schon in ganz Deutschland auf Windchill-Temperaturen im negativen Bereich einstellen, besonders im Erzgebirge und auf den höheren Lagen der Mittelgebirge sind diese auch im zweistelligen Minusbereich, bei Lufttemperaturen zwischen -2 bis -5 Grad.

Elias Arndt
ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 19.03.2020 19:15 Uhr