winterbilanz

Der Winter 2019/2020 war in vielen Regionen Deutschlands bisher ein Totalausfall. Doch wie steht der Winter im Vergleich zu vorherigen Jahren da?

Aktuell beträgt die Durchschnittstemperatur des Winters auf Bundesebene rund 4,15 Grad (normal 0,25 Grad), die Abweichung zur international gültigen Referenzperiode von 1961-1990 beträgt damit rund +3,9 Grad. In der dargestellten Grafik beträgt die Abweichung auf Bundesebene zum Mittel 1981-2010 rund +3,2 Grad.

Der Winter 2019/2020 strebt damit, sofern jetzt bis Ende Februar kein nachhaltiger Wintereinbruch im gesamten Bundesgebiet mehr kommt, einen Platz in den Top 3 der wärmsten Winter seit Messbeginn 1881 an.

Doch kommen wir nun zu den harten Fakten. Nun folgen die jeweils 3 wärmsten und 3 kältesten Winter seit Messbeginn 1881 in Deutschland. Zuerst steht die Mitteltemperatur des jeweiligen Winters, dann die Abweichung zur Referenzperiode 1961-1990 und nachfolgend der Winter.

Wärmste Winter seit 1881:

1. Platz            4,38 Grad       (+ 4,13 Grad)  Winter 2006/2007

2. Platz            4,15 Grad       (+ 3,90 Grad)  Winter 2019/2020

3. Platz            3,61 Grad       (+ 3,36 Grad)  Winter 2015/2016

4. Platz            3,56 Grad       (+ 3,31 Grad)  Winter 1989/1990

Kälteste Winter seit 1881:

1. Platz            -5,49 Grad      (-5,74 Grad)    Winter 1962/1963

2. Platz            -4,96 Grad      (-5,21 Grad)    Winter 1939/1940

3. Platz            -4,87 Grad      (-5,11 Grad)    Winter 1929/1930

In der Grafik oberhalb dieses Textes ist auch noch mal ein Vergleich der Winter 2006/2007 und 2019/2020 auf europäischer Ebene abgebildet. Hierbei wird ersichtlich, dass sich besonders in Mitteleuropa beide Winter mehr oder weniger auf Augenhöhe begegnen. Nur in Osteuropa, wo es dieses Jahr an vielen Stationen den vermutlich wärmsten Winter seit Messbeginn geben wird, sind die Abweichungen auf der Karte unterschiedlich. Lediglich zu beachten gilt es, dass die auf der Karte oben dargestellten Abweichungen der Mitteltemperatur den Vergleich zum Mittel 1981-2010 darstellen, im Text allerdings auf die noch gültige Referenzperiode 1961-1990 eingegangen wird. Die Klimaperiode 1981-2010 hat einen rund 0,69 Grad höheren Mittelwert als die Referenzperiode 1961-1990.

Fazit:

Der Winter 2019/2020 war in weiten Teilen Deutschlands sowie in Europa mild bis sehr mild und schneidet in vielen Ländern wohl weit oben in der Rangliste der wärmsten Winter seit Messbeginn ab. Zumindest für Winterliebhaber war er in vielen Teilen Deutschlands bisher ein Totalausfall. Es bleibt abzuwarten, ob es noch einmal für einen Wintereinbruch bis ins Flachland reicht. Der zunehmende Sonnenstand und der nahende Frühling machen es dem Winter nicht gerade leichter. Hoffnung für alle Kältefans machen allerdings die letzten Jahre. Oft gab es noch im März oder April ein letztes Aufbäumen des Winters. Am Ende steht allerdings fest: Man muss das Wetter so nehmen, wie es kommt. Daran ändern kann man letztendlich sowieso nichts.

Mittwoch, 12. Februar 2020

Marcel Herber

ARD-Wetterkompetenzzentrum

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 12.02.2020 12:00 Uhr