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Aktuell erlebt vor allem der Westen Deutschlands eine außergewöhnliche Hitzewelle. Es hat bereits einige Hitzerekorde gegeben, weitere werden folgen. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit es so heiß wird, und wie geht es weiter?

Am Mittwochabend wurden bereits einige Hitzerekorde aus dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vermeldet. An insgesamt 43 von 460 Stationen des Deutschen Wetterdienstes gab es Allzeit-Hitzerekorde. Spitzenwerte stammen dabei aus Saarbrücken-Burbach (40,2 Grad), Neuenahr (39,9 Grad) und Tönisvorst (39,7 Grad). Den höchsten Werte jedoch erzielte die Wetterstation in Geilenkirchen (40,5 Grad). Damit ist der alte gesamtdeutsche Hitzerekord aus Kitzingen gebrochen (40,3 Grad im Jahre 2015). Im Laufe des heutigen Donnerstag ist damit zu rechnen, dass der gesamtdeutsche Hitzerekord weiter ausgebaut wird. Am späten Nachmittag werden neue Rekordwerte durch die Medien gehen.

Für derartige Hitzewellen braucht man eine mehrere Tage anhaltende Hochdrucklage mit ungehinderter Sonneneinstrahlung und zusätzlich die Zufuhr von heißer Luft. Oftmals kommt diese aus Spanien zu uns. Solche Wetterlagen hat es schon immer gegeben, auffallend ist jedoch ihre Häufung seit einigen Jahren. Eigentlich war früher die sogenannte zyklonale Westlage die häufigste Wetterlage in Mitteleuropa. Mit großer Regelmäßigkeit haben atlantische Tiefausläufer kühle Meeresluft und Regenwolken aus Westen nach Deutschland gelenkt. Der normale deutsche Sommer war sehr wechselhaft. Jeder, der jetzt sagt, das aktuelle Wetter sei völlig normal, hat vergessen, was in früheren Jahrzehnten wirklich normal war. Hitze-bringende Hochdrucklagen häufen sich in letzter Zeit. Außerdem sind sie auch heißer geworden. Bei ähnlichen Wetterlagen werden jetzt höhere Temperaturen erreicht als vor einigen Jahrzehnten. Doch wie geht es mit dem Wetter am Wochenende weiter?

Am Freitag ändert sich noch nicht viel. Die Sonne scheint wieder oftmals den ganzen Tag und es wird nochmals ungewöhnlich heiß. Vom Nordosten abgesehen gibt es verbreitet Werte um 35 Grad, am Rhein und seinen Nebenflüssen werden es 38 bis 40 Grad. Im Südwesten entwickeln sich später erste Gewitter. Diese breiten sich am Samstag über weite Teile der Südwesthälfte aus und sorgen für eine Abkühlung von teilweise mehr als 10 Grad gegenüber Freitag. In der Nordosthälfte, wo es ohnehin nicht so heiß war, ändert sich gegenüber den Vortagen wenig. Dort bleit es vielfach sonnig oder nur gering bewölkt und trocken. Mehr als 34 Grad werden voraussichtlich nirgends mehr erreicht. Am Sonntag erwartet uns allgemein eine Mischung aus Sonne und Wolken mit teils kräftigen Schauern und Gewittern. Im Südwesten fällt auch längere Zeit Regen. Die Höchstwerte liegen zwischen 17 Grad bei längerem Regen und örtlich 32 Grad im Osten.

Der Regen wird mal wieder dringend benötigt und vor allem in der Nordhälfte ist vielerorts nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein zu erwarten. Unsere Abbildung zeigt die prognostizierte Regensumme bis einschließlich Sonntag nach zwei verschiedenen Vorhersagemodellen. An den Unterschieden zwischen dem linken und dem rechten Teil der Abbildung sind die Unsicherheiten zu sehen. Im Südwesten und Süden ist am meisten Regen zu erwarten. Das europäische Modell (ECMWF) lässt davon nur wenig in die Mitte und in den Norden vorankommen. Besser sieht es im Modell des Deutschen Wetterdienstes (ICON) aus. Egal welches Modell sich durchsetzen wird, ein Großteil des erwarteten Regens fällt in Form von Schauern und Gewittern. Diese verlaufen aufgrund einer langsamen Zuggeschwindigkeit vor allem durch lokal große Regenmengen zum Teil unwetterartig. Wenige Kilometer daneben kann es schon trocken bleiben. Der Regen wird also wieder einmal recht ungleich verteilt sein.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 25.07.2019 19:15 Uhr