tageslaenge

In Deutschland schwankt die Tageslänger im Jahresverlauf erheblich. Zurzeit erleben wir die längsten Tage des Jahres. Doch wie lang sind die Tage jetzt und wie ist die Tageslänge in diesem Fall überhaupt definiert?

Mit Tageslänge ist die Zeitspanne zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang gemeint. Als Sonnenuntergang wird der Augenblick definiert, in dem der Sonnenoberrand für einen Betrachter auf der Erde unter dem Horizont verschwindet. Tatsächlich befindet sich der Sonnenmittelpunkt dann schon 0,75 Grad unter dem Horizont. Die Sonne wird beim Untergang durch die optische Brechung um ein halbes Grad angehoben. Ein Viertel Grad ist die Distanz zwischen Sonnenmittelpunkt und Sonnenrand. Die Tageslänge kann je nach Ort und Jahreszeit auf unserer Erde sehr verschieden sein. Auf der Nordhalbkugel sind die Tage im Dezember am kürzesten und im Juni am längsten. Die Änderung der Tageslänge von Tag zu Tag ist in diesen Monaten gering. Wenn man es mathematisch exakt betrachtet, ist der Tag mit der Sonnenwende (dieses Jahr am 21. Juni um 17:54 MESZ) am längsten. Die Werte in unserer Grafik gelten in den Tagen danach zunächst noch weiter. Am 24. Juni hat der Tag in Trondheim dann eine Minute verloren, am 26. Juni auch in Flensburg.

Am Äquator ist der Tag das ganze Jahr über 12 Stunden lang. Seine Länge variiert im Jahresverlauf umso stärker, je weiter man sich in Richtung Pol begibt. Selbst innerhalb von Deutschland kann man zurzeit Unterschiede der Tageslänge von über einer Stunde beobachten. Aktuell scheint die Sonne in Oberstdorf theoretisch 15 Stunden und 57 Minuten pro Tag, in Flensburg sind es 17 Stunden und 19 Minuten. Deutlich größere Unterschiede gibt es, wie unserer Grafik zu entnehmen ist, innerhalb von Europa. In der direkt am Polarkreis gelegenen Hauptstadt von Lappland, in Rovaniemi, geht die Sonne zurzeit gar nicht unter. Dieser Luxus wird dort allerdings teuer erkauft, denn als Ausgleich schafft es die Sonne dort in 6 Monaten nicht über den Horizont hinaus. Über das Jahr gemittelt ist der Tag nämlich an jedem Ort der Erde 12 Stunden lang und wo es im Sommer besonders lange hell ist, sind die Tage im Winter als Ausgleich besonders kurz.

Glücklicherweise geht es in den kommenden 4 Wochen mit der Tageslänge erst einmal fast unmerklich langsam wieder bergab und mit den Temperaturen noch etwas bergauf. Die Temperatur steigt im Mittel noch etwa 4 Wochen lang weiter an, bei uns ist es also Mitte bis Ende Juli am wärmsten. Die für die meisten Geschmäcker schönste Zeit des Jahres steht also noch bevor. Und wer nun trotzdem etwas Wehmut angesichts der wieder schwindenden Tageslänge empfindet, dem sei gesagt, dass die Tage in 6 Monaten schon wieder länger werden.

Freitag, 21. Juni 2019

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 21.06.2019 19:15 Uhr