luftmassen

Unser Wetter ist sehr wechselhaft. Ein Grund dafür ist, dass die Luft über tausende Kilometer aus verschiedenen Klimaregionen zu uns strömt. Wir wollen schauen, woher die Luftmassen in Mitteleuropa typischerweise kommen und welches Wetter sie mit sich bringen.

Die Luftmassen auf unserem Planeten erhalten unterschiedliche Eigenschaften durch verschieden intensive Sonneneinstrahlung und dadurch, dass über Wasserflächen viel Wasser verdunstet und über Land nur wenig. So sind polare Luftmassen in der Regel kälter als tropische Luftmassen und über den Weltmeeren ist die Luftfeuchte höher als über den Festländern. Durch die Winde kommen wir in Mitteleuropa in den Genuss sehr verschiedener Luftmassen. Das würde nicht weiter auffallen, wenn sich die Temperatur und die Feuchte der Luft immer sofort an unser Klima anpassen würden. Für das Wettergeschehen von Bedeutung ist jedoch die Tatsache, dass eine Luftmasse ihre Eigenschaften eine gewisse Zeit lang beibehält, selbst wenn sie durch die Winde in andere Klimaregionen verfrachtet wird.

Unsere Grafik basiert auf einer Einteilung von Richard Scherhag aus dem Jahre 1948. Polare Luftmassen sind durch ein „P“ gekennzeichnet. Wenn sie aus Westen bis Norden zu uns strömen, sind sie maritimen Ursprungs (abgekürzt mit „m“) und im Winter nicht sonderlich kalt. Die Variante, bei der die Luft über dem Westatlantik nach Süden strömt und uns aus Westen erreicht, ist im Winter durch den Golfstrom sogar recht mild und Schnee fällt nur in höheren Lagen. Kommt die Luft aus Nordwesten, so kann es zwar bis in die Niederungen schneien, eine Schneedecke bildet sich dort jedoch oftmals nur für kurze Zeit oder gar nicht aus. Im Bergland wird der Hauptteil der winterlichen Schneedecke jedoch bei Nordwestlagen gebildet, da diese Luft feucht genug ist. Sehr viel kälter ist im Winter die kontinentale Polarluft (abgekürzt mit „c“). Wenn sie aus dem Norden Russlands kommt, gibt es in Mitteleuropa extreme Kältewellen, aber auch die osteuropäische Variante ist recht kalt. In der zweiten Februarwoche sorgte kontinentale Kaltluft vor allem in Nordhessen und Thüringen für bemerkenswert niedrige Temperaturen.

Im Sommer sieht es etwas anders aus. Dann ist die maritime Polarluft sehr kühl und führt oft zu längeren Phasen mit unbeständigem Wetter. Die kontinentale Polarluft aus Nordosten ist zwar auch kühl, aber weniger feucht. Strömt polare Luft im Sommer über Russland nach Süden und dann aus Osten zu uns, so hat sie genügend Zeit gehabt sich über dem Festland zu erwärmen. Dann ist es bei uns mitunter sogar recht warm.

Auch die tropischen Luftmassen (abgekürzt mit „T“) können sowohl maritim als auch kontinental geprägt sein. Im Winter ist die kontinentale Tropikluft aus Südosteuropa mitunter auch noch relativ kalt. Am mildesten wird es bei uns im Winter unter Zufuhr maritimer Tropikluft, vor allem wenn sie mit kräftigen Atlantiktiefs aus Südwesten herangeführt wird, so dass sie kaum Zeit zum Abkühlen hat. Ende Februar bescherte und kontinentale Tropikluft aus Nordafrika im Zusammenspiel mit der schon kräftigeren Sonne Rekordtemperaturen.

Im Sommer ist die maritime Tropikluft aus Südwesten warm und die übrigen tropischen Luftmassen sind heiß. Besonders heiß wird es in Deutschland, wenn die Luft aus Afrika kommt, also wenn sie kontinentalen Ursprungs ist. Die maritime Tropikluft aus der Mittelmeerregion bringt uns dank ihrer Feuchtigkeit Schwüle und oft auch heftige Gewitter.

Donnerstag, 4. März 2021

Dr. Ingo Bertram

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 04.03.2021 19:15 Uhr