sonnenwende

Zur Zeit der Sommersonnenwende steht die Sonne in Deutschland am höchsten über dem Horizont, wir empfangen die meiste Energie und es bleibt am längsten hell. Doch wie lang sind die Tage jetzt?

Unsere Grafik zeigt die Tageslänge zur Sommersonnenwende für eine Auswahl von Orten in Europa. Dargestellt ist die Zeitspanne zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Die Tageslänge kann je nach Ort und Jahreszeit auf unserer Erde sehr verschieden sein. Auf der Nordhalbkugel sind die Tage im Dezember am kürzesten und im Juni am längsten. Die Änderung der Tageslänge von Tag zu Tag ist in diesen Monaten gering. Wenn man es mathematisch exakt betrachtet, ist der Tag mit der Sonnenwende (dieses Jahr am 20. Juni um 23:43 MESZ) am längsten. Die Werte in unserer Grafik gelten in den Tagen danach zunächst noch weiter. Am 24. Juni hat der Tag in Trondheim dann eine Minute verloren, am 26. Juni auch in Flensburg.

Am Äquator ist der Tag das ganze Jahr über 12 Stunden lang. Seine Länge variiert im Jahresverlauf umso stärker, je weiter man sich in Richtung Pol begibt. Selbst innerhalb von Deutschland kann man zurzeit Unterschiede der Tageslänge von über einer Stunde beobachten. Aktuell scheint die Sonne in Oberstdorf theoretisch 15 Stunden und 57 Minuten pro Tag, in Flensburg 17 Stunden und 19 Minuten. In Kassel sind es 16 Stunden und 37 Minuten. Deutlich größere Unterschiede gibt es, wie unserer Grafik zu entnehmen ist, innerhalb von Europa. In der direkt am Polarkreis gelegenen Hauptstadt von Lappland, in Rovaniemi, geht die Sonne zurzeit gar nicht unter. Dieser Luxus wird dort allerdings teuer erkauft, denn als Ausgleich schafft es die Sonne dort in 6 Monaten, also am 21 Dezember, nicht über den Horizont hinaus. Über das Jahr gemittelt ist der Tag nämlich an jedem Ort der Erde 12 Stunden lang und wo es im Sommer besonders lange hell ist, sind die Tage im Winter als Ausgleich besonders kurz.

Schuld an den jahreszeitlichen Schwankungen der Tageslänge ist die Neigung der Erdachse gegenüber der Ebene, in welcher die Erde um die Sonne kreist. Ohne diese Neigung wäre jeder Tag des Jahres auf der ganzen Erde 12 Stunden lang und es gäbe keine Jahreszeiten. Der Sonnenstand entspräche dem des 20. Märzes bzw. des 22 Septembers.

In den kommenden Wochen geht es mit der Tageslänge erst einmal fast unmerklich langsam wieder bergab und mit den Temperaturen noch etwas bergauf. Die Temperatur steigt im Mittel noch etwa 4 Wochen lang weiter an, bei uns ist es also Mitte bis Ende Juli am wärmsten. Die für die meisten Geschmäcker schönste Zeit des Jahres steht also noch bevor. Und wer nun trotzdem etwas Wehmut angesichts der wieder schwindenden Tageslänge empfindet, dem sei gesagt, dass die Tage in 6 Monaten schon wieder länger werden.

Freitag, 19. Juni 2020

Dr. Ingo Bertram

hr Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 19.06.2020 19:15 Uhr