duerre
Bild © hr

Auch wenn es jetzt Ende November kaum auffällt, die Dürre ist nach wie vor ein Thema. Sie hat sich sogar noch verschärft. Wo stehen wir im Augenblick und wie würde eine Bilanz für 2018 aussehen, wenn der Dezember normal verliefe?

Im Januar fiel in Deutschland noch viel Regen, seitdem waren aber alle Monate im Flächenmittel zu trocken, so dass die Dürre ein ernstzunehmendes Thema wurde. In vielen Medien kursierten zuletzt mehrfach die Ergebnisse des Dürremonitors Deutschland, Teil des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig. Demnach trockneten die Böden in weiten Teilen Deutschlands seit Februar immer weiter aus. Wenn man die gesamte Bodenschicht betrachtet, die in Deutschland im Mittel 1,80 Meter mächtig ist, kann man aktuell von einer außergewöhnlichen Dürre reden. Davon ausgenommen sind lediglich einzelne Gebirge wie die Alpen oder die Schwäbische und Fränkische Alb und ein paar wenige Flachlandregionen. Im Sommer mag die Trockenheit mehr aufgefallen sein als jetzt, trotzdem hat sie sich im Verlauf des Herbstes weiter verschärft. Sie ist jetzt eher unscheinbar, weil die obersten Zentimeter des Bodens im späten Herbst und Winter fast immer feucht sind. Es ist einfach zu kühl und die Sonne scheint zu wenig, als dass die Bodenoberfläche abtrocknen könnte. Doch schon in wenigen Zentimetern Tiefe ist der Boden zurzeit trocken. Ein wirklich großes Problem würde daraus entstehen, wenn sich die Situation bis zum Frühjahr, dem Beginn der nächsten Vegetationsperiode, nicht ändert. Eine Chance auf mehr Regen zeichnet sich ab Sonntag ab. Es müsste nun allerdings einige Wochen lang immer wieder regnen, um das Defizit auszugleichen. Ob das der Fall sein wird, ist fraglich. Doch wie sieht die Niederschlagsbilanz für 2018 im Augenblick eigentlich aus?

Unsere Abbildung zeigt in ihrem linken Teil die Flächenmittel des Niederschlags für die einzelnen Bundesländer. Berücksichtigt ist der Zeitraum von Januar bis November 2018, wobei die letzen beiden Novembertage als Prognose eingegangen sind. Der Prozentwert gibt an, wie viel Niederschlag in Bezug auf das Jahressoll bereits gefallen ist. Würde der Dezember völlig trocken verlaufen, wäre 2018 in vielen Bundesländern das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1881, angedeutet durch die roten Ziffern im linken Teil der Abbildung. Doch noch steht der Dezember aus. Rechts sehen wir, wie die Bilanz am Jahresende aussehen würde, wenn der Dezember normal ausfiele. Dann wäre das Jahr 2018 lediglich in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg noch das trockenste Jahr seit Messbeginn. In den nördlichen und westlichen Bundesländern läge 1959 an erster Stelle und im Südwesten 1921. In Bayern und Thüringen würde 1911 seinen Status als trockenstes Jahr beibehalten. Im Mittel über ganz Deutschland wird die Regensumme der ersten 11 Monate dieses Jahres bei etwa 487mm liegen. Normal sind 819mm (Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010). Das Rekordjahr 1959 brachte es auf 551mm, im Jahre 1911 waren es 557mm. Bei einem normalen Dezember würde 2018 knapp hinter diesen beiden Jahren mit 560mm auf Platz drei landen. Bleibt der Dezember leicht zu trocken, wird 2018 ein Rekordjahr.

Donnerstag, 29. November 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 29.11.2018 19:15 Uhr