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Die seit Tagen statische Wetterlage wird sich im Detail nun langsam etwas ändern. Obwohl diese Änderung bei Betrachtung des gesamten Systems nur gering ist, hat sie für uns eine Auswirkung. Wolken und Niederschläge gibt es bei höheren Temperaturen.

Doch ehe wir die Option einer geringen Wetteränderung in Deutschland näher betrachten, kommt zuerst nochmal ein Blick über die Grenzen hinaus und in die Vergangenheit. Am vergangenen Wochenende hatte es südlich des Alpenhauptkamms bereits unglaubliche Niederschlagsmengen gegeben und für die erste Wochenhälfte zeichnete sich eine Fortsetzung dieses Ereignisses ab. Tatsächlich traf es von Montag bis Mittwoch dieselben Regionen erneut. In den höheren Lagen der Südalpen hat es auf die Schneemassen des Wochenendes vielerorts noch einen weiteren halben Meter drauf gepackt. In den italienischen Apenninen kam noch sehr viel mehr Niederschlag hinzu. Hier regnete es in den Staulagen seit Montag nochmals 200 bis 400 l/m². In Summe über beide Starkregenereignisse kamen stellenweise bis knapp 1000 l/m² zusammen. Als Beispiel sei Monteacuto delle Alpi genannt, wo es seit letzten Freitag 990 l/m² regnete.

Schuld an den extremen Regen- und Schneefällen auf der Alpensüdseite war eine Tiefdruckzone, die sich vom Atlantik ins Mittelmeergebiet erstreckte. Blockiert durch ein russischen Hoch konnte sich zuletzt kaum etwas bewegen. In Deutschland hat uns diese Tiefdruckzone bei nur wenig Wind viele Wolken und vor allem der Westhälfte immer wieder mal Regen oder, vor allem im Bergland, auch Schnee gebracht. In den kommenden Tagen zieht sich das russische Hoch ein wenig nach Osten zurück und der tiefe Druck über dem Mittelmeer verschwindet bis spätestens Anfang kommender Woche. Auch dann noch wird sich eine Tiefdruckzone vom Atlantik in Richtung Deutschland erstrecken. Statt der bisher geringen Luftbewegung herrscht dann jedoch eine schwache Südwestströmung, so dass es sich langsam mildert. Davon abgesehen ändert sich nicht wirklich viel beim Wetter. Weiterhin überwiegen die Wolken, ab und zu gibt es auch etwas Sonne, im Osten häufiger als im Westen. Zeitweise ist mit leichten Niederschlägen zu rechnen, wie zuletzt im Westen häufiger als im Osten. Doch eine erwähnenswerte Änderung ist noch zu verzeichnen: Die Schneefallgrenze steigt, also muss man in weiterer Folge auch im Bergland zunehmend auf die weiße Pracht verzichten.

Eines mag erstaunlich erscheinen: Zumindest in der Westhälfte ist in letzter Zeit der Eindruck entstanden, dass es häufig und damit ausreichend geregnet hat. Die oberen Schichten des Bodens sind aktuell tatsächlich in den meisten Regionen ausreichend durchfeuchtet. In Bodenschichten von einem Meter Tiefe oder darunter herrscht, von Südbayern und dem Erzgebirge abgesehen, noch immer eine Dürre. Das im extrem trockenen Jahr 2018 eingehandelte Defizit konnte noch immer nicht ausgeglichen werden. Nahezu landesweit war es auch 2020 wieder zu trocken, allem voran in Rheinland-Pfalz. Wahrscheinlich werden auch die verbleibenden drei Wochen dieses Jahres daran nicht mehr viel ändern. Die Trockenheit resultiert nicht nur aus unterdurchschnittlichen Niederschlägen seit 2018, sondern auch aus einer erhöhten Verdunstung in den zum Teil sehr warmen Sommermonaten. Dieses Jahr zeigt sich der August außergewöhnlich warm. Er war nach dem August 2003 und gemeinsam mit denen von 2015 und 2018 der zweitwärmste August seit 1881.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.12.2020 19:15 Uhr