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Wieder einmal ist die Wetterlage recht statisch. Die steuernden Druckgebilde verlagern sich kaum, so dass sich das Wetter nur wenig ändert. Daraus resultiert eine recht ungleichmäßige Verteilung der Niederschläge, wie man in den Südalpen gerade besonders gut sehen kann.

Unsere Abbildung zeigt die prognostizierte Regenmenge für diese Woche. Die Regen- und Schneefallgebiete ziehen weiterhin über dieselben Regionen, während andernorts sehr wenig oder gar kein Niederschlag ankommt. Letzteres ist vor allem im Bereich eines Hochs über Westrussland der Fall. Das Hoch ist äußerst stabil und nicht erst eine Erfindung dieses Dezembers. Seit Oktober ist es immer wieder dort zu finden gewesen. Tiefdruckgebiete tummeln sich auf dem Atlantik. Sie sorgen bis nach Westeuropa für Regenfälle. Der direkte Weg nach Mitteleuropa ist durch das Russlandhoch blockiert, was auch nichts Neues ist. Die klassische Westwetterlage, wie sie für unser Klima eigentlich typisch ist, hat es in den letzten Jahren selten und seit September kaum gegeben. Statt zu uns nach Osten erstrecken sich die Tiefs vom Atlantik ins Mittelmeergebiet. Dort regnet es in dieser Woche verbreitet 50 bis 100 l/m², in den Südalpen, in den Apenninen und in den Gebirgen des Balkans häufig über 100 l/m², örtlich über 200 l/m². Im höheren Bergland fällt dabei erneut Schnee. Und häufig trifft es dabei genau dieselben Regionen wie zuletzt.

Von Freitag 7 Uhr bis Montag 7 Uhr hat es in den Apenninen extreme Niederschlagssummen gegeben: Im auf 1050 Metern Höhe gelegenen Civago regnete es 667 l/m² und im auf 900 Metern Höhe gelegenen Monteacuto delle Alpi 788 l/m². Letzterer Wert entspricht fast dem durchschnittlichen Jahresregen von Deutschland! 441 l/m² des Niederschlags in Monteacuto delle Alpi sind in nur 24 Stunden herunter gekommen. Ein zweiter Schwerpunkt extremer Niederschläge stellten in den vergangenen Tagen die Südalpen dar. Auch hier konnten von Freitag 7 Uhr bis Montag 7 Uhr stolze Summen verzeichnet werden: Im auf 1080 Metern gelegenen Sillian (Südösterreich) waren es 294 l/m², auf dem östlich vom Gardasee gelegenen und 1163 Meter hohen Passo Pian delle Fugazze 411 l/m² (Norditalien). Schuld an diesen Niederschlägen war feuchte Luft vom Mittelmeer, die mit südlichen Winden gegen die Gebirge gedrückt wurde. In tieferen Lagen gab es bei wechselnder Schneefallgrenze Erdrutsche, Schlamm- und Schneelawinen. In den Hochlagen fielen teilweise bereits mehr als 2 Meter Neuschnee und die Lawinengefahr ist oft sehr hoch. Statische Wetterlagen wie jetzt begünstigen solche Ereignisse und sie haben sich in den letzten Jahren auffallend gehäuft.

Montag, 7. Dezember 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 07.12.2020 19:15 Uhr