welttemp
Bild © hr

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen Regionen dieser Erde wies die Witterung der letzten Wochen Besonderheiten auf. So war es gebietsweise deutlich wärmer, andernorts dafür kälter, trockener oder feuchter als im Schnitt. Was ist der Grund hierfür?

Exakt normal ist das Wetter praktisch nie. Doch im Normalfall ändert es sich alle paar Tage. Wenn man also die Witterung von mehreren Wochen betrachtet, entspricht diese im Normalfall bereits recht gut den langjährigen Mittelwerten. Anders sah das jedoch in den letzten Wochen aus. Seit Anfang April dominierten in Deutschland Wetterlagen, die für Trockenheit und Wärme sorgten. Solche mit Regen und kühler Luft setzten sich höchstens mal für kurze Zeit durch. Aber auch in vielen anderen Regionen der Nordhalbkugel war die Druckverteilung und damit das Wetter der letzten Wochen außergewöhnlich konstant. Unsere Abbildung zeigt die Temperaturanomalie der letzten 3 Monate. In Mitteleuropa war es in diesem Zeitraum 2,5 bis 3 Grad wärmer als üblich. Ähnlich starke Abweichungen mit entgegengesetztem Vorzeichen gab es in Ostkanada und in Teilen von Russland. Hier war es deutlich kälter als im Schnitt. Die gezeigten Abweichungen sind für einen dreimonatigen Zeitraum sehr groß und sie können nur bei immer wieder ähnlicher Lage der Hochs und Tiefs auftreten. Und genau die hat es gegeben. Immer wieder befand sich hoher Luftdruck über Nordamerika, Mitteleuropa und Ostrussland. Dazwischen gab es gehäuft Tiefdruckgebiete. Warme oder kalte Luftmassen erreichten immer wieder dieselben Regionen. Auf der Südhalbkugel konnten sich im gezeigten Zeitraum keine derart großen Temperaturanomalien ausbilden. Einerseits wirken die ausgedehnteren Ozeane dämpfend auf die Temperaturen, andererseits variierten die Wetterlagen dort besser.

Stabile Druckverteilungen begünstigen also das Auftreten von Wetterextremen. So waren der April und der Mai in Deutschland die jeweils wärmsten entsprechenden Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das beschränkt sich jedoch nicht auf die Temperatur. Wenn die Hochs und Tiefs nicht wandern, bleibt es mancherorts sehr trocken, während andere Regionen immer wieder vom Regen getroffen werden. Besonders im Mai und Juni war es vom Baltikum über Teile Deutschlands und Südskandinaviens bis nach Großbritannien extrem trocken. Am Mittelmeer regnete es zugleich ungewöhnlich viel.

Neben diesen Rekorden für längere Zeiträume bzw. ganze Monate konnten in letzter Zeit auch einige Tagesrekorde verzeichnet werden, hier nur ein paar Beispiele: In Nawabshah, Pakistan, stieg die Temperatur mit 50,2 Grad auf den bisher höchsten in einem April gemessenen Wert weltweit. Am Flughafen von Denver erreichte die Temperatur am 28. Juni stolze 41 Grad, ein Allzeit-Hitzerekord für die Wetterstation. Ein Landesrekord konnte für Schottland registriert werden. Der alte Rekord von 32,9 Grad, aufgestellt im August 2003 in Greycrook, wurde am 28. Juni 2018 mit 33,2 Grad unweit Glasgow übertroffen. Mehrere andere Wetterstationen in Großbritannien und Irland erzielten Hitzerekorde für ihre Messreihe. Montreal in Kanada brach seinen Hitzerekord mit 36,6 Grad am 2. Juli. Die dortige Wetterstation existiert seit 147 Jahren. Am 5. Juli stieg die Temperatur an der Küste des arktischen Ozeans in Nordsibirien stellenweise auf bis zu 32 Grad und lag damit 20 Grad höher als im Schnitt. Dieser rekordverdächtige Wert wurde mit Hilfe von Wettermodellen abgeschätzt, weil es dort keine realen Messungen gab.

Auffallend ist, dass in erster Linie Hitzerekorde vermeldet wurden. Das wird durch die aktuell sehr hohen globalen Mitteltemperaturen begünstigt. Der Zeitraum von April bis Juni war im globalen Mittel zwar nicht ganz so warm wie in den Jahren 2015, 2016 und 2017, aber dennoch etwa 0,3 Grad wärmer als im Zeitraum von 1981 bis 2010 üblich. Gegenüber älteren Bezugszeiträumen ist diese Abweichung deutlich größer. Dennoch gab es auch sehr kalte Regionen. Labrador City, in Kanada auf der Breitenlage von Norddeutschland gelegen, hatte Anfang April noch -36 Grad und verfehlte seinen Aprilkälterekord nur um wenige Zehntel.

Dienstag, 10. Juli 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.07.2018 19:15 Uhr