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Zu ruhigem Herbstwetter gehören morgendliche Nebelfelder. Wo bilden sich diese bevorzugt und wann lösen sie sich wieder auf?

Am 22. September ist Tag-und-Nacht-Gleiche, danach werden die Nächte länger sein als die Tage. Schon heute beträgt die Tageslänge in Deutschland nur noch etwa 13 Stunden. In den Nächten kann sich die Luft bei längerem Aufklaren bodennah schon spürbar abkühlen, wodurch sich vor allem in Flussniederungen und Tälern Nebel bildet, den die Septembersonne tagsüber meist noch rasch „wegheizen“ kann.

Denn in sternenklaren Nächten kann die Bodenwärme ungehindert in den Weltraum abstrahlen und die schwere Kaltluft sammelt sich in Tälern und Muldenlagen. Auf den Bergen bleibt es bei einer solchen Wetterlage dagegen wärmer als unten – man spricht von einer nächtlichen Strahlungsinversion.

Die abgekühlte Luft kann den in ihr enthaltenen Wasserdampf nicht mehr halten, sobald die sogenannte Taupunkt-Temperatur unterschritten wird und in der Folge bildet sich Nebel. Bei der aktuellen Luftfeuchte liegt der Taupunkt in Deutschland früh morgens zwischen etwa 10 und 15 Grad, in der Nähe von Flüssen und Seen aufgrund des zusätzlichen Feuchteangebotes noch etwas darüber. Die Tiefstwerte der bodennahen Temperatur unterschreiten diese Schwellen bei klarem Himmel aktuell vor in den Tälern und Muldenlagen, Frühnebel ist die Folge.

Jedoch steigt die Sonne Mitte September vormittags noch recht schnell auf und erwärmt die bodennahe Kaltluft zügig, wodurch sich dieser Tage der Nebel meist im Laufe des Vormittags wieder aufgelöst hat. Eine genaue Prognose ist kaum möglich, denn der Nebel reflektiert viel Sonnenlicht und erhält die Umgebung kühl, er erhält sich also quasi selbst. Ist er aber erst einmal in Auflösung begriffen, setzt sich dieser Prozess meist schnell fort.

Je weiter das Jahr voranschreitet, desto länger kann sich der Nebel bei ruhigen, windschwachen Wetterlagen halten und umso schwieriger fällt die Einschätzung, wann er sich endlich auflösen mag. Ab Ende Oktober bis Ende Februar steht die Sonne so tief, dass sich Nebelfelder mitunter den ganzen Tag halten können. In diesem Fall würde man nicht mehr von Frühnebel sprechen. Aber kommende Woche überwiegt hierzulande vielerorts voraussichtlich ruhiges Hochdruckwetter und auch in den „ungünstigen Lagen“ sind nach rascher Auflösung des Frühnebels noch einige Sonnenstunden und spätsommerliche Höchstwerte möglich.

Freitag, 4. September 2020

Tim Staeger

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 04.09.2020 19:15 Uhr