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Retten uns Sonnenfilter im Weltraum vor der globalen Erwärmung?

Die Idee ist nicht neu: Bereits in den 60er Jahren schlugen US-amerikanische Wissenschaftler vor, der globalen Erwärmung durch kleine spiegelnde Teilchen zu begegnen, die über den Ozeanen auf einer Fläche von etwa 13 Millionen Quadratkilometern in die Atmosphäre eingebracht, etwa ein Prozent des Sonnenlichts reflektieren sollten. Eine ziemlich verrückte und auch undurchführbare Idee, die bald darauf in den Schubladen verschwand.

Doch heutzutage ist die Bedrohung durch den Klimawandel sehr viel konkreter als damals und es darf wieder über Konzepte dieser Art nachgedacht werden. Dabei werden zwei unterschiedlichen Lösungsansätze diskutiert: Einerseits kann die auf die Erde treffende Energie aus solarer Strahlung reduziert werden, andererseits kann versucht werden CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.

Letzteres könnte beispielsweise durch Eisendüngung der Ozeane bewerkstelligt werden. Dadurch käme es zu einer Planktonblüte wodurch mehr CO2 in den Mikroorganismen gebunden würde. Die Folgen für die Nahrungskette und damit für das gesamte ozeanische Ökosystem sind unabsehbar und ungeklärt. Zudem würde es viele Jahre dauern, bis der gewünschte Effekt einträte.

Eine Reduktion des einfallenden Sonnenlichts würde unmittelbar Wirkung zeigen und könnte auf unterschiedliche Art und Weise erreicht werden. Beispielsweise könnte man Sulfat in die Stratosphäre einbringen welches dort zu Schwefelsäure reagiert und die kurzwellige Sonnenstrahlung absorbiert. Vergleichbares passiert bei starken Vulkanausbrüchen. Jedoch hält dieser Effekt nur wenige Jahre an und man müsste ständig neues Aerosol nachschießen. Wie bei jedem Ansatz dieser Art lassen sich die regionalen Auswirkungen aufs Klima kaum abschätzen. So könnte es zu globalen Umverteilungen des Niederschlags kommen, so dass es an manchen Orten zu Dürren, an anderen wiederum zu erhöhten Niederschlägen käme. Des Weiteren würde die Schwefelsäure zu verstärktem saurem Regen führen und zudem auch noch die Ozonschicht mit den bekannten Folgen angreifen.

Durch unbemannte Schiffe, die Seewasser verdunsten könnten Salzkristalle in der unteren Troposphäre ab etwa 300 Metern Höhe zu helleren Wolken führen, welche das Sonnenlicht stärker reflektieren. Jedoch sind auch hier die Auswirkungen auf das Regionalklima unbekannt. Jedenfalls würde es aufgrund der verringerten Tropengröße lokal weniger Niederschlag geben. Ein entscheidender Nachteil beider Verfahren besteht darin, dass man die Maßnahmen ständig aufrechterhalten muss um den Effekt zu bewirken.

Das wäre bei folgendem Verfahren anders: Man könnte Billionen kleiner Sonnenfilter zwischen Sonne und Erde im Weltraum an einem sogenannten Gleichgewichtspunkt platzieren, wo sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne gerade gegenseitig aufheben. Dort würden einmal ausgebrachte Objekte quasi bis in alle Ewigkeit verharren. Um den gewünschten Effekt zu erzielen müsste man jedoch etwa 30 Jahre lang jede Minute einen riesigen Weltraum-Transporter mit einer Million Scheiben an Bord losschicken. Die Kosten wären jedoch ebenfalls astronomisch und die hierdurch bewirkten regionalen Klimaänderungen ließen sich wiederum nicht abschätzen.

Selbst die Befürworter solch exotischer Ideen betonen, dass diese Lösungen die Reduktion von Treibhausgasen keinesfalls ersetzten sollen, sondern lediglich etwas Zeit verschaffen könnten, in der ein globaler Wechsel hin zu regenerativen Energien vollzogen werden kann. Bis diese Konzepte, falls überhaupt, zur Umsetzung kommen, werden wohl noch Jahrzehnte vergehen. Die damit verbundenen Risiken sind sehr hoch. Man stelle sich nur vor, dass übergangsweise ein Programm gestartet würde, das Sulfat in die Stratosphäre einbringt. In der Zwischenzeit werden Sonnenfilter im Weltraum platziert. Aufgrund der hohen technischen und finanziellen Herausforderung schlägt dies jedoch fehl. Eine Weltwirtschaftskrise macht die Fortführung des Sulfat-Eintrages in der Folge unmöglich. Dann würde der bisher aufgehaltene Treibhauseffekt mit einer vielfachen Erwärmungsrate voll zuschlagen und das globale Klima innerhalb kürzester Zeit noch viel schneller verändern.

Dienstag, 20. November 2018

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 20.11. 19:15 Uhr