blitzeweltweit
Bild © hr

In den Tropen treten weltweit die meisten und schwersten Gewitter auf.

Von Mai bis August finden hierzulande 90 Prozent aller Gewitter statt. Wie man am Donnerstag im Westen aber sehen konnte, ist bereits im April die Luft bei entsprechenden Wetterlagen warm und vor allem feucht genug, damit sich kräftige Schauer und Gewitter entwickeln können. Die höchste Gewitterdichte gibt es hierzulande in Süddeutschland mit über 5 Blitzen pro Quadratkilometer und Jahr. In manchen tropischen Regionen kracht es jedoch über zehnmal so oft. Zudem türmen sich dort die Gewitterwolken fast doppelt so hoch in den Himmel, wie in unseren Breiten.

Dort, wo die Sonne mittags im Zenit, also senkrecht steht, sind die Einstrahlung und auch die Verdunstung am größten. Die feucht-warmen Luftmassen steigen weit in die Atmosphäre auf und es bilden sich mitunter riesige Gewittertürme. Da in der Atmosphäre kein Vakuum entsteht, strömt aus Nordost bzw. Südost, abgelenkt durch die Erddrehung, Luft in den unteren Atmosphärenschichten in die inneren Tropen nach. Diese Passatwinde wehen sehr beständig und wurden von den Seefahrern früher zur Passage in die Neue Welt genutzt.

Das Zusammenströmen aus Nord- bzw. Südost, was auch als Konvergenz bezeichnet wird, unterstützt das Aufsteigen in der Innertropischen Konvergenzzone. In höheren Schichten der Troposphäre, die in den Tropen bis zu 18 km, in Europa nur etwa 12 km in die Höhe reicht, strömt die Luft wieder in außertropische Regionen zurück und sinkt im Bereich der subtropischen Hochdruckgürtel wieder großräumig ab. Dadurch erreichen die Gewitterwolken in den Tropen mit bis zu 18 km eine viel größere Höhe als hierzulande. Ausgehend von einer dadurch auch höher liegenden Wolkenbasis erreichen die Blitze dort meist nicht den Erdboden, sondern entladen sich zwischen den Gewitterwolken. Deswegen kann in den inneren Tropen auf Blitzableiter verzichtet werden.

Aufgrund der enormen Energieumsätze in den Tropen und der quasi unbegrenzt verfügbaren Feuchtigkeit über den Weltmeeren, entwickeln sich dort die weltweit heftigsten Gewitter. Aufwinde von über 100 km/h und Hagelkörner so groß wie Taubeneier sind in solchen Gewittern die Regel, ihre räumliche Ausdehnung ist um ein vielfaches größer. Entsprechend wird bei transhemisphärischen Flügen ein möglicher Umweg von mehreren hundert Kilometern, welcher beim Umfliegen tropischer Gewitter unvermeidlich ist, bei der Betankung berücksichtigt. Interessant ist die Frage, ob sich im Zuge des Klimawandels tropische Gewitter häufen bzw. intensiver und auch größer werden, was den Flugverkehr beeinträchtigen würde. Denn in einer wärmeren Atmosphäre sollte ein erhöhter Energietransport stattfinden, der auch die Gewittertätigkeit verstärken könnte.

Freitag, 26. April 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 26.04.2019 19:15 Uhr