weisseweihnachten

Und lässt sich diese Frage bereits einen Monat vor dem Fest beantworten?

„Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen“ – dieses Zitat wird u.a. Karl Valentin, Kurt Tucholsky, Winston Churchill und Niels Bohr zugeschrieben und gilt natürlich auch für Wettervorhersagen. Eintrittstermine von Sonnenfinsternissen hängen von streng deterministischen Planetenbewegungen ab und können bereits Jahrhunderte im Voraus auf die Minute genau vorhergesagt werden. Bei der Entwicklung des Wettergeschehens wirken jedoch sehr viele Ursachen aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Zudem treten nichtlineare Effekte zu Tage, die sehr empfindlich auf leicht veränderte Anfangsbedingungen reagieren.

Konkret bedeutet dies, dass sich anfängliche Ungenauigkeiten beim Wetter sehr schnell zu großen Fehlern aufschaukeln. Aufgrund von Messfehlern kennt man zu keiner Zeit den Zustand der Atmosphäre hinreichend genau. Zudem wachsen sich selbst kleinste Unschärfen bereits nach einigen Tagen zu inakzeptablen Fehlern aus. Vergleichbar ist dieses Verhalten mit dem einer Billardkugel, deren Bahn durch das Gesetz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ bestimmt ist. Jedoch können durch kleinste Staubteilchen auf dem Filz oder einen schwachen Luftzug minimalste Abweichungen entstehen, die sich nach mehreren Banden bereits so stark aufschaukeln, dass die Kugel bald schon weit vom theoretisch vorhergesagten Weg abgewichen sein wird.

Bei der Wettervorhersage versucht man sich diesem prinzipiellen Problem anzunähern, indem man ein und dieselbe Vorhersage mehrmals mit nur leicht veränderten Anfangswerten durchrechnet und am Verhalten dieses Ensembles von Prognosen etwas über die Vorhersagbarkeit lernt. Denn je nach Wetterlage lässt sich die Natur mehr oder weniger gern in die Karten schauen. Aktuell reicht der sogenannte Vorhersagehorizont in etwa bis zum 30. November, danach streuen die einzelnen Vorhersagen so stark, dass eine verlässliche Vorhersage für den Zeitraum danach nicht mehr möglich ist.

Ab Freitag gelangt rückseitig des sich nach Skandinavien verlagernden Ex-Tropensturms „Sebastien“ Kaltluft polaren Ursprung nach Mitteleuropa, was zumindest vorübergehend auch für nasse Flocken bis ins Flachland reichen wird. Jedoch ist die Nordsee um diese Jahreszeit nur nicht so kalt wie im Spätwinter, wodurch die Luft aus polaren Breiten auch nicht ganz so kalt hierzulande ankommt. Für einen nachhaltigen Wintereinbruch ist es also noch etwas zu früh. Zudem könnte die Strömung in der nächsten Woche bereits wieder auf West drehen, was eine erneute Milderung nach sich zöge. Was bedeutet das nun aber für Weiße-Weihnachts-Prognose? Man weiß es halt noch nicht, ob es weiß wird.

Da hilft nur die Statistik weiter: Im Flachland liegt die Wahrscheinlichkeit für Weiße Weihnachten mit 10 bis 20 Prozent ernüchternd niedrig. In Mittelgebirgsraum werden je nach Höhenlage immerhin 30 bis über 50 Prozent erreicht, lediglich in den Gipfellagen ist Schnee an Weihnachten nahezu sicher. Die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind allerdings beträchtlich, so dass die Frage nach einer weißen Weihnacht auch dieses Mal wieder sehr lange sehr spannend bleiben wird – so viel ist sicher.

Dienstag, 26. November 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 25.11.2019 19:15 Uhr