glaette
Bild © hr

Worin unterscheiden sich Reif, Raureif, Glatteis und Blitz-Eis?

In der Mitte Deutschlands fällt am Montag in Lagen oberhalb etwa 300 Metern und am Dienstag sogar bis in tiefe Lagen Schnee mit Glättegefahr. In den Nächten sinkt die Temperatur vor allem bei längerem Aufklaren verbreitet unter den Gefrierpunkt. Dann bilden sich mitunter Reif oder verwandte Beschläge. Auch dadurch können die Straßen gefährlich glatt werden. Die Begriffe sorgen jedoch immer wieder für etwas Verwirrung. Wann spricht man von Raureif, Reifglätte oder Glatteis?

Reif ist sozusagen der kalte Bruder des Taus, denn beide Beschläge entstehen, wenn die Feuchtigkeit aus der Luft auskondensieren muss, da die Temperatur absinkt oder die Luftfeuchtigkeit ansteigt. Beim Tau, der oberhalb des Gefrierpunktes entsteht, wandelt sich der gasförmige Wasserdampf in flüssiges Wasser um, er kondensiert. Unterhalb von Null Grad geht der gasförmige Wasserdampf  direkt in die feste Phase über. Man spricht dann von Re-Sublimation und es entsteht Reif. Analog dem Taupunk, also der Temperatur, bei der die Luft mit der enthaltenen Feuchtigkeit gesättigt ist, gibt es den Reifpunkt. Er bezeichnet diejenige Temperatur unter null Grad Celsius, ab der sich eben Reif bilden kann.

Oft wird Reif mit Raureif verwechselt. Der Raureif entsteht jedoch aus feinen unterkühlten Nebeltropen beim Anlagern an festen Oberflächen, deren Temperatur unter null Grad Celsius liegt. Wasser gefriert beim Abkühlen nicht immer genau bei null Grad, vielmehr schmilzt Eis unter Normalbedingungen bei dieser Temperatur, welche korrekterweise als Schmelzpunkt und nicht Gefrierpunkt bezeichnet werden sollte.

Denn zum Gefrieren muss sich eine große Anzahl Wassermoleküle zu einem sogenannten Eisembryo organisieren. Die Mindestanzahl an Molekülen, die nötig ist, bis das Mini-Eiskristall stabil ist und von selber weiter wachsen kann beträgt bei minus 5 Grad immer noch etwa 50 Tausend und selbst bei minus 20 Grad müssen sich immer noch mehrere hundert Moleküle zufällig anordnen, damit daraus ein Eiskristall wachsen kann. Erst unterhalb von minus 23 Grad kann unter natürlichen Bedingungen selbst reinstes Wasser nicht mehr flüssig sein.

Durch feste Oberflächen werden die Eisembryonen jedoch stabilisiert, so dass die Eisbildung bereits bei höheren Temperaturen einsetzt und Raureif entsteht, der dem Wind entgegenwächst und vor allem auf Bergen, die in wasserreiche Wolken hineinragen gigantische Ausmaße annehmen kann. Enthält der Nebel große Wassertröpfchen, so können weiße und recht kompakte Eisablagerungen entstehen, die dann als Raufrost bezeichnet werden.

Fällt dagegen Nieselregen bei Temperaturen über null Grad auf Oberflächen, deren Temperatur unter dem Schmelzpunkt liegt, so bildet sich Glatteis. Direkt über dem Boden kann sich nachts eine Luftschicht ausbilden, die mehrere Grad kälter ist, als die darüber liegende. Dann kann sich Glatteis bilden, weswegen man auch bei Lufttemperaturen von plus 3 Grad und Nieselregen bereits mit glatten Straßen rechnen muss.

Besonders gefährlich ist das sogenannte Blitz-Eis. Dabei handelt es sich um unterkühlte Regentropfen mit einer Temperatur unter null Grad, die beim Kontakt mit beispielsweise dem Straßenbelag sofort gefrieren. Der Vorgang ist der Bildung von Raureif sehr ähnlich, denn durch den Kontakt mit dem Asphalt können sich ganz plötzlich Eiskristalle bilden, die in den Regentropfen noch nicht stabil waren.

Montag, 19. November 2018

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 19.11.2018 19:15 Uhr