Sonnenstand
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Am 21. Juni war der längste Tag des Jahres. Seitdem geht es mit dem Sonnenstand wieder abwärts. Doch was bedeutet die sinkende Energiezufuhr für den Sommer, ist die wärmste Zeit des Jahres damit bereits vorbei?

Unsere Grafik zeigt die Mittagshöhe der Sonne am 51. Breitenkreis (gelbe Kurve, linke y-Achse) und den Verlauf der langjährigen Mitteltemperatur in Frankfurt / Main und in List / Sylt (rote bzw. grüne Kurve und rechte y-Achse). Die Kurven basieren auf Mittelwerten für jeden einzelnen Tag der Monate Juni bis September.

Am 21. Juni war Sommeranfang. An diesem Tag stand die Sonne am nördlichen Wendekreis in 23,5 Grad nördlicher Breite senkrecht. Man spricht auch von der Sonnenwende, da sie ab diesem Augenblick wieder zurück nach Süden wandert, zunächst aber unmerklich langsam. Nach Definition beginnt der sogenannte kalendarische Sommer also in dem Augenblick, wo es mit der Sonne schon wieder bergab geht. Wir erlebten um den 21. Juni herum den höchsten Sonnenstand und die längsten Tage des Jahres. Zur Mittagszeit stand die Sonne am 51. Breitenkreis, also in der Mitte Deutschlands, 62,5 Grad über dem Horizont. Am heutigen 27. Juni, der in unserer Grafik gesondert markiert wurde, haben wir den Sonnenhöchststand um 6 Tage überwunden, seitdem ist es noch fast unmerklich bergab gegangen. Bis zum 24. August verringert sich der Sonnenwinkel bereits auf nur noch 50 Grad. Am 21. Juni schien die Sonne in Oberstdorf theoretisch 15 Stunden und 57 Minuten lang, in Flensburg 17 Stunden und 19 Minuten. Wer nun etwas Wehmut angesichts der nun wieder sinkenden Sonne empfindet, dem sei gesagt, dass die Tage in 6 Monaten schon wieder länger werden.

Zur Sonnenwende sind nicht nur die Tageslänge und die Sonnenhöhe am größten, wir empfangen auch am meisten Energie von der Sonne. Obwohl es auch damit jetzt wieder langsam bergab geht, steigt die mittlere Lufttemperatur noch weiter an. Der Grund für die weitere Erwärmung ist die thermische Trägheit des Systems. Es dauert einfach eine Zeit lang, bis sich die Atmosphäre, die Böden und vor allem die Ozeane erwärmt haben. Vielerorts sind die Mitteltemperaturen in Deutschland in der zweiten Julihälfte am höchsten, wie unser Beispiel von Frankfurt zeigt. An den Küsten hinkt die Temperatur dem Sonnenstand noch stärker hinterher. Hier ist der Einfluss der trägen Ozeane größer als im Binnenland. Daher ist es an den Küsten im Mittel erst irgendwann im August am wärmsten. Im Gegenzug ist es auch nicht zum Sonnentiefststand am 21. Dezember am kältesten, sondern erst im Laufe des Januars und an den Küsten erst im Februar. Dann wird die zuvor gespeicherte Wärme mit einer Verzögerung wieder abgegeben. Eine weitere Auffälligkeit erkennt man an den oben gezeigten Temperaturkurven noch: In Frankfurt und in List sinkt die mittlere Temperatur um den 10. Juni entgegen des jahreszeitlichen Trends nochmal etwas ab. Die sogenannte Schafskälte tritt so regelmäßig auf, dass sie in den langjährigen Mitteltemperaturen zu erkennen ist. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Sommerliebhaber können sich auf jeden Fall freuen. Zumindest laut Statistik steht die für die meisten Geschmäcker schönste Zeit des Jahres noch bevor. Vielleicht gehören Sie aber zu den Leuten, die den Winter lieber mögen als den Sommer, auch wenn sich selbiger in den Niederungen Deutschlands meistens bei leichten Plusgraden grün bis braun und trüb zeigt. Als Winterliebhaber müssen Sie sich noch einige Zeit gedulden. Irgendwann wird sich als Kompromiss aus den genannten Jahreszeiten auch noch ein Herbst dazwischen schieben.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 27.06.2018 19:15 Uhr