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Es wird immer wahrscheinlicher: Die kälteste Phase dieses Winters steht uns noch bevor. In den kommenden Tagen dreht die Strömung auf Nordost und mit ihr erreicht uns ab dem Wochenende arktische Kaltluft.

Viele Menschen dürften sich inzwischen nach dem Frühling sehnen. Einen richtigen Winter hat es in einigen Flachlandregionen Deutschlands allerdings noch gar nicht gegeben. Der Dezember war mild, der Januar sogar extrem mild. Erst in den letzten beiden Wochen hat sich das Wetter in etwa an das Normalniveau der Jahreszeit angepasst. Tage mit Höchstwerten von unter Null Grad konnten im Flachland vielerorts nur ein paar wenige beobachtet werden, mancherorts auch noch gar nicht. Noch keinen einzigen Tag mit Dauerfrost gab es beispielsweise in Freiburg, Karlsruhe oder in Köln.

Doch das wird sich nun mit großer Wahrscheinlichkeit ändern, die Wetterlage stellt sich um. Eigentlich hat diese Umstellung schon um den 10. Februar begonnen, allerdings in großen Höhen, in der polaren Stratosphäre. Dort ist es im Winter normalerweise besonders kalt mit Temperaturen um -70 Grad in 20 km Höhe. Im Sommer hingegen werden dort Werte um -45 Grad gemessen. Am Rande der sehr kalten Luft wehen im Winter um das Polargebiet herum starke Westwinde, die den sogenannten Polarwirbel bilden. Alle zwei bis drei Jahre kommt es nun vor, dass sich die polare Stratosphäre im Winter plötzlich um mehr als 50 Grad erwärmt. Damit bricht in dieser Höhe das Westwindregime zusammen. Mit einer Verzögerung von 10 bis 14 Tagen werden dann auch die Westwinde der Troposphäre geschwächt. Die klassische Westwetterlage mit der für Mitteleuropa typischen Zufuhr wintermilder Atlantikluft wird unwahrscheinlicher. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten anderer Wetterlagen. Das können beispielsweise milde Südlagen, aber auch solche mit kalten Nordostwinden sein. Schon Anfang Februar gab es in den Wettermodellen Hinweise auf die starke Stratosphärenerwärmung, die seit etwa 10. Februar nun zu beobachten ist. Damit war schon zu Monatsbeginn klar, dass das höchstwahrscheinlich auch Auswirkungen auf unser Wettergeschehen haben wird. Und nun scheinen die Weichen gestellt zu sein. Wir bekommen keine milde Südlage, sondern tatsächlich eine sehr kalte Nordostlage.

Im Laufe der Woche baut sich über Skandinavien ein kräftiges Hochdruckgebiet auf. Östlich davon sammelt sich sehr kalte Luft, die in weiterer Folge von Nordwestrussland her nach Mitteleuropa gesteuert werden soll. Die letzte Sicherheit hierfür gibt es auch heute noch nicht, der Kälteeinbruch wird jedoch von den meisten Vorhersagemodellen gezeigt. Diese Luftmasse wäre kälter als alles, was wir in diesem Winter bisher erleben durften. Sie strömt über schneebedeckte Landflächen zu uns. In den letzten Wochen erreichte uns entweder milde Atlantikluft, oder Polarluft, die einen weiten Weg über Wasserflächen zurückgelegt hatte. Diese Woche verläuft oft trocken mit Sonne und Wolken im Wechsel. Dabei wird es von Nordosten her allmählich kälter. Die richtig kalte Luft erreicht uns wahrscheinlich am kommenden Wochenende. Sollte sie nicht doch noch einen Weg vorbei an Deutschland nehmen, ist bei uns mit mehreren Tagen Dauerfrost zu rechnen. Die Höchstwerte lägen zwischen -1 und -9 Grad. Nachts wäre es dementsprechend noch kälter. Verbreitet ist mit den tieften Temperaturen dieses Winters zu rechnen. Ob es vor Eintreffen der Kaltluft oder später auch nennenswert schneit, ist unsicher. Unsere Abbildung zeigt die erwarteten Höchstwerte für Frankfurt am Main. Sie würden am Wochenende unter die Frostgrenze sinken. Bisher hielt sich dort lediglich am 3. Dezember tagsüber leichter Frost.

Montag, 19. Februar 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 19.02.2018 19:15 Uhr