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Der Juni 2018 fiel in Deutschland wärmer aus als im langjährigen Mittel, wenn auch nicht in dem Umfang wie die Vormonate April und Mai. Dazu war es vielerorts zu trocken und in der Südhälfte recht sonnig. Doch wie sah es im Einzelnen aus?

Unsere Grafik zeigt die Abweichung der Lufttemperatur im Juni 2018 von den langjährigen Mitteln der Jahre 1961 bis 1990 (links) und die Bilanz des Niederschlags (rechts). Grundlage sind Messwerte des Deutschen Wetterdienstes, die beiden letzten Tage des Monats sind in Form einer Prognose enthalten.

Der Juni war bundesweit gemittelt um 2,4 Grad Celsius wärmer als in den Jahren 1961 bis 1990, gegenüber einem neueren Mittel der Jahre 1981 bis 2010 betrug die Abweichung immerhin noch 2,0 Grad. Der Juni selbst war zwar nicht rekordwarm, seine Abweichung ist aber angesichts der Tatsache, dass seine beiden Vormonate Wärmerekorde für das Monatsmittel aufgestellt hatten, bemerkenswert. Der Wärmeüberschuss verteilte sich recht gleichmäßig auf die einzelnen Bundesländer. Im Norden und Westen waren die Abweichungen vom langjährigen Mittel etwas geringer als im Rest des Landes (Abbildung linker Teil). Der Regen hingegen war sehr ungleich verteilt (Abbildung rechts). Im Flächenmittel blieb jedes Bundesland zu trocken. Im Westen und Süden hielten sich die Abweichungen in Grenzen, punktuell sorgten Unwetter dort sogar für sehr viel Regen, während es sonst zum Teil sehr trocken war. Besonders im Norden sowie in Thüringen und Sachsen-Anhalt nahm die Trockenheit nach einem extrem regenarmen Mai zum Teil katastrophale Ausmaße an. Auch die Sonnenscheindauer (in der Abbildung nicht berücksichtigt) ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie wir einen Witterungsabschnitt empfinden. Sie war in vielen Regionen normal, in der Südhälfte jedoch zum Teil deutlich überdurchschnittlich.

Doch welcher Witterungsablauf steckt hinter diesen Zahlen? In den ersten 10 Tagen des Junis setzte sich eine Wetterlage fort, die auch schon im Mai immer wieder aufgetreten war. Die Luftdruckunterschiede waren sehr gering und der Wind daher nur schwach. Zugleich lagerte eine warme und zum Teil feuchte Luftmasse über Deutschland. Die Höchstwerte lagen, von ein paar kühleren Tagen im Norden abgesehen, oft in den oberen 20ern, teilweise auch über 30 Grad. Das höchste Maximum erreichte Demker in der Altmark mit 33,4 Grad am 9. Juni. Vom 2. bis 5. Juni dämpfte leichter Hochdruckeinfluss die Gewittertätigkeit, dennoch blieb Deutschland nicht gewitterfrei, an den anderen Tagen krachte es recht verbreitet, wobei die Südwesthälfte deutlich häufiger betroffen war als der Nordosten. Wegen der extrem langsamen Zuggeschwindigkeit dieser Gewitter regnete es in oft eng begrenzten Gebieten sehr viel, während es nur wenige Kilometer daneben trocken blieb. Am 11. Juni nahm dann die Dynamik in der Atmosphäre durch ein etwas stärkeres Tiefdruckgebiet zu. Dadurch begannen die in der Südhälfte recht verbreitet auftretenden Gewitter an diesem Tag wieder zu wandern. Der Regen wird durch eine stärkere Luftströmung etwas besser verteilt, dafür können sich unter solchen Bedingungen sogenannte Superzellen bilden, besonders starke Gewitter mit großem Hagel und Sturm. Dies geschah am 11. Juni, über dem Odenwald und vor allem über Franken konnte man mehrere Superzellen beobachten. Am 12. Juni gab es im Süden noch ergiebigen Regen mit Gewittern, doch dann endete die Gewitterlage abrupt. In den verbleibenden 18 Junitagen gab es in den meisten Regionen kein einziges Gewitter mehr. Ausnahmen waren Schleswig-Holstein, der Osten und Südbayern mit einzelnen Gewittern auch im weiteren Verlauf des Junis.

Vom 13. bis 20. Juni bestimmten schwache Tiefausläufer und hoher Luftdruck abwechselnd unser Wetter. Die herangeführte Meeresluft war kühler und trockener als zuvor. Die Höchstwerte lagen oft um 25 Grad, heiß war dann der 20. Juni mit oftmals 30 Grad. Für Abwechslung sorgte eine Kaltfront am 21. Juni. Sie linderte mit einigen Litern Regen pro Quadratmeter die Trockenheit im Norden. Weiter südlich machte sie sich vor allem durch starken Wind und einen deutlichen Temperaturrückgang bemerkbar. Zur Mittagszeit des 21. Juni konnte man in der Lausitz noch bei 31 Grad schwitzen, während es in Nordfriesland durch die einfließende Meeresluft polaren Ursprungs 10 Grad kühl war. Im Süden und Osten lagen die Höchstwerte des 22. Juni um 10 bis 15 Grad unter denen des 21. Juni.

Nach diesem deutlichen Dämpfer blieb es auf der Ostseite eines kräftigen Hochs über Großbritannien vor allem in der Nordhälfte mehrere Tage lang kühl und durchwachsen. Ab dem Siebenschläfertag dehnte sich das Hoch mit Sonnenschein nach Deutschland aus. Durch ein Tief über Südosteuropa verzögerte sich diese Wetterbesserung in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Dort regnete es am 28. Juni zum Teil kräftig.

Freitag, 29. Juni 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 29.06.2018 19:15 Uhr