neowise

Zuzeit beschäftigt Komet Neowise die Fotografenwelt, und wer auf den Sozialen Medien unterwegs ist, sieht eine Flut von Bildern. Es scheint ein wahrer Wettbewerb um die besten Fotos ausgebrochen zu sein, eine Gelegenheit, mal etwas vom Wetter abzuschweifen.

Doch was ist überhaupt ein Komet? Der Kern eines Kometen besteht aus Eis, Staub und lockerem Gestein und ist mit einem Durchmesser von nur wenigen Kilometern kleiner, als man vielleicht denken würde. Bei dem Material handelt es sich um Überreste aus der Entstehung unseres Sonnensystems. Die meisten dieser Himmelskörper haben ihren Ursprung in den Bereichen, die sich weiter von der Sonne entfernt befinden als der äußerste Planet Neptun. Viele Kometen bewegen sich auf elliptischen Bahnen um die Sonne, sie kehren also in regelmäßigen, wenn auch recht großen Zeitabständen wieder. Andere Kometen beschreiben eine Hyperbel. Nach einem einmaligen Besuch der inneren Bereiche des Sonnensystems verschwinden sie für immer in den Weiten des Weltraums.

Durch die Erwärmung der Sonne sublimieren Bestandteile des Kometen zu Gasen. Dabei wird Staub mitgerissen und es entwickelt sich um den eigentlich sehr kleinen Kern eines Kometen eine sogenannte Koma, eine bis zu 100.000 km und mehr durchmessende leuchtende Wolke aus Gas und Partikeln. Diese macht den eigentlich sehr kleinen Himmelskörper also sichtbar. Wenn ein Komet der Sonne näher als etwa der doppelte Abstand Sonne-Erde kommt, wird die Koma deformiert und zur sonnenabgewandten Seite davon getragen, der Schweif bildet sich. Dieser ist 10- bis über 100 Millionen Kilometer lang. Der auffällige Teil des Schweifs besteht aus Staubteilchen, die durch den Strahlungsdruck der Sonne angetrieben werden. Er ist leicht gekrümmt und erscheint weißlich, da er erst durch das Sonnenlicht sichtbar wird. Darüber hinaus gibt es einen geradlinigen Gasschweif. Hierbei handelt es sich um von Sonnenwind angetriebene Ionen, welche selbst blaues Licht emittieren.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es mehrere bedeutende Kometen: Der Halleysche Komet besuchte uns zuletzt 1986. Er war der erste Komet, der 1705 von Edmond Halley als periodisch erkannt wurde. Im Nachhinein weiß man, dass er bereits im Jahre 240 v. Chr. in China beobachtet wurde. Seine Wiederkehrzeit beträgt 75 Jahre. Er war einst ein besonders heller Komet und soll auch schon am Tag sichtbar gewesen sein. Da Kometen bei jeder Annäherung an die Sonne Materie verlieren, hat die Leuchtkraft von Halley inzwischen abgenommen. Der Komet Ikeya-Seki gilt als einer der hellsten Kometen des letzten Jahrtausends. Er erreichte im Oktober 1965 mit einer scheinbaren Helligkeit von -10 mag (Magnitude) fast die Helligkeit des Vollmondes und war tagsüber deutlich neben der Sonne sichtbar. Die Angabe der scheinbaren Helligkeit ist in der Astronomie üblich. Je kleiner die Magnitude ist, desto heller ist ein Objekt. Der Komet Hale-Bopp war von 1996 bis 1997 mehr als 18 Monate mit bloßem Auge am Nachhimmel sichtbar und hält damit den Rekord unter allen bekannten Kometen. Er soll im Jahre 4419 zurückkehren. Im Januar 2007 schaffte es Komet McNaught auf Helligkeitswerte, die ihn auch am Tag sichtbar machten. Wirklich gut waren die Beobachtungsbedingungen allerdings nur auf der Südhalbkugel.

Im Vergleich zu den genannten Kometen der Vergangenheit stellt Neowise ein eher kleineres Ereignis dar. Die Besonderheit liegt darin, dass man durch die digitale Fotografie inzwischen ganz andere Möglichkeiten besitzt, gute Bilder von einem Kometen zu machen. Sein Kern hat einen Durchmesser von rund 5 Kilometern. Den sonnennächsten Punkt erreichte Neowise am 3. Juli 2020, der Erde am nächsten ist der am 23. Juli. Am hellsten erschien Neowise in den Tagen nach seiner Sonnennähe, als er eine scheinbare Helligkeit von 1 mag hatte. Obwohl er der Erde jetzt am nächsten ist, hat seine Helligkeit bereits abgenommen. In Gegenden mit wenig Störlicht ist er noch bis Anfang August mit den Auge am Nordwesthimmel sichtbar.

In der Fotografie besteht die Möglichkeit, mehr Details sichtbar zu machen, als das Auge wahrnimmt. Das linke Foto der Abbildung entstand in Frankfurt mit einer Brennweite von 70 mm. Rechts oben kam ein Teleobjektiv mit 600 mm zum Einsatz, rechts unten waren es 200 mm. Diese Fotos entstanden in Speyer. Neben dem Staubschweif ist rechts unten auch der blaue Gasschweif zu erkennen. Fotografen, die viel Zeit haben, machen bessere Fotos. Sie suchen Orte mit wenig Lichtverschmutzung und einen guten Vordergrund aus. Da der Komet ein Stück weit über dem Horizont steht, bieten sich Burgen und Schlösser auf Bergen an. Klaren Himmel gibt es in den kommenden Nächten eher in der Südhälfte Deutschlands als in der Nordhälfte. Um das Jahr 8700 soll Neowise zurückkehren, wobei das genaue Jahr noch unsicher ist. Wer ihn jetzt verpasst, muss also eine Zeit lang warten.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 22.07.2020 19:15 Uhr