kranichzug

Auf deutschen Rastplätzen warten über 140.000 Kraniche auf günstige Winde

Jedes Jahr im Herbst sammeln sich die majestätischen Zugvögel aus Skandinavien kommend auf den Rastplätzen bei Stralsund, bei Linum, nordöstlich von Berlin und in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und warten auf günstige Winde, um in ihr Überwinterungsgebiet in Südspanien weiter ziehen zu können.

Man erkennt sie am Himmel an der typischen Keilformation des Trupps, die sich aus der optimalen Ausnutzung des Windschattens ergibt. Oft hört man aber zuerst die Trompetenartigen Laute der ausgewachsenen Tiere, die aus Flughöhen zwischen 150 Metern bei bedecktem Himmel und bis etwa 300 Metern bei klarem Wetter deutlich hörbar herab schallen. Hohes Piepsen zwischen den Trompetenrufen stammt übrigens nicht von Singvögeln, die quasi als Trittbrettfahrer mitfliegen, wie man früher dachte, sondern vom Kranich-Nachwuchs.

Aktuell haben sich in den Rastplätzen in Norddeutschland über 140.000 Tiere versammelt.

Bereits mehrere Zehntausend der majestätischen Zugvögel sind bereits über Hessen und Rheinland-Pfalz weiter in Richtung der Winterquartiere geflogen. Nun war jedoch laut Naturschutzbund für einige Tage der Kranichzug weitgehend zum Erliegen gekommen. Seit dem Wochenfang mehren sich aber die Beobachtungen wieder. Aktuell sind wohl bis zu zehntausend Kraniche unterwegs. Beflogen wurde zunächst erneut die Hessenroute von Kassel über Mittelhessen, dann am Taunus-Südrand entlang nach Rheinland-Pfalz. Vereinzelte Sichtungen gab es auch an Ruhr, Wupper und Rhein von Bergkamen bis Düsseldorf.

Insgesamt ziehen ab Mitte Oktober etwa 250.000 Tiere in einem recht schmalen Korridor von etwa 300 km Breite diagonal über Deutschland von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg über Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland weiter nach Ostfrankreich, wo sie am Lac du Der-Chantecoq, einem Stausee in der südlichen Champagne die nächste Zwischenrast einlegen. Dort haben die Rastbestände innerhalb einer Woche von 7000 auf 46.230 Kraniche zugenommen. Nach diesem Zwischenstopp machen sich die Vögel weiter auf Ihre Reise zu ihrem Überwinterungsgebiet in die Extremadura in Südspanien.

Der Zeitpunkt des Kranichzuges ist dabei stark vom Wetter abhängig, denn die Vögel ziehen bei Rückenwind, im Herbst also, wenn er aus nordöstlichen Richtungen weht. Aktuell nutzen die Tiere die ruhige und windschwache Witterung und ziehen ständig weiter Richtung Frankreich ab.

Passt das Wetter, so kommt es vor allem nach einer längeren ungünstigen Witterung zu sogenannten Massenzügen. Dann kann man hierzulande in dem relativ engen Zugkorridor an einem Tag mitunter zehntausende Kraniche am Himmel bewundern. In der Regel kommt es pro Saison zu drei bis vier solcher Massenzüge.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 15.10.2019 19:15 Uhr