kranichzug

Auf deutschen Rastplätzen warten aktuell über 100.000 Kraniche auf günstige Winde

Jedes Jahr im Herbst sammeln sich die majestätischen Zugvögel aus Skandinavien kommend auf den Rastplätzen bei Stralsund, bei Linum, nordöstlich von Berlin und in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und warten auf günstige Winde, um in ihr Überwinterungsgebiet in Südspanien weiter ziehen zu können.

Man erkennt sie am Himmel an der typischen Keilformation des Trupps, die sich aus der optimalen Ausnutzung des Windschattens ergibt. Oft hört man aber zuerst die Trompetenartigen Laute der ausgewachsenen Tiere, die aus Flughöhen zwischen 150 Metern bei bedecktem Himmel und bis etwa 300 Metern bei klarem Wetter deutlich hörbar herab schallen. Hohes Piepsen zwischen den Trompetenrufen stammt übrigens nicht von Singvögeln, die quasi als Trittbrettfahrer mitfliegen, wie man früher dachte, sondern vom Kranich-Nachwuchs.

Seit Mitte vergangener Woche zogen täglich mehrere tausend Kraniche quer über Deutschland. Dabei wurden alle Hauptrouten beflogen, wenn auch mit täglich sich ändernden Schwerpunkten. Am Donnerstag konzentrierten sich die Kraniche vor allem auf die Lahntalroute. Von Göttingen und Kassel kommend, nahmen die Vögel den Weg über Marburg und Limburg, überquerten in der Regel bei Koblenz den Rhein und zogen weiter dann die Mosel entlang. Am Freitag herrschte ordentlicher Flugverkehr über Ruhr und Rhein, das Lahntal wurde dagegen kaum beflogen.

Der nächste große Rastplatz auf der Reise in die Winterquartiere ist der zwischen Reims und Nancy gelegene Lac du Der-Chantecoq, der mit 45 Quadratkilometern größte Stausee Frankreichs. Hier wurden am vergangenen Sonntag 53.455 Kraniche gezählt, 50.000 mehr als noch eine Woche zuvor. Auch von der Laguna de Gallocanta südlich von Saragossa gibt es eine erste Bestandsaufnahme. Demnach haben immerhin bereits 2.000 Kraniche die Pyrenäen überflogen und rasten nun in Nordspanien.

Der Zeitpunkt des Kranichzuges ist stark vom Wetter abhängig, denn die Vögel ziehen bei Rückenwind, im Herbst also, wenn er aus nordöstlichen Richtungen weht. Aktuell müssen die Tiere jedoch rasten, da in den nächsten Tagen hierzulande starke südwestliche Winde vorherrschen.

Passt das Wetter, so kommt es vor allem nach einer längeren ungünstigen Witterung zu sogenannten Massenzügen. Dann kann man hierzulande in dem relativ engen Zugkorridor an einem Tag mitunter zehntausende Kraniche am Himmel bewundern. In der Regel kommt es pro Saison zu drei bis vier solcher Massenzüge. Dienstag, 20. Oktober 2020

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 20.10.2020 19:15 Uhr